MotoGP

Marc Marquez: MotoGP kein Kontaktsport, aber es gibt Kontakte

Marc Marquez stand wegen harter Manöver schon oft in der Kritik. Nun teilt er seine Ansichten über Berührungen und nicht vorhandene Lücken.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Die Liste von kontroversiellen Manövern in der MotoGP-Karriere von Marc Marquez ist lang. Schon in seinem dritten Königsklassenrennen rempelte er Jorge Lorenzo in der letzten Kurve von Jerez 2013 in die Auslaufzone. Nur wenige Grands Prix später kappte er Dani Pedrosa in Aragon das Kabel des Traktionskontrollensensors und beförderte seinen arrivierten Teamkollegen so aus dem Kampf um den WM-Titel.

2015 kollidierte Marquez gleich drei Mal - in Termas de Rio Hondo, Assen und Sepang - mit Valentino Rossi, wodurch eine bisher im Motorradsport nicht gesehene Feindschaft entstand. Im Vorjahr flammte der Konflikt durch die erneute Kollision in Argentinien wieder auf. Aufreger also mehr als genug, dementsprechend heftig fällt teilweise die Kritik an Marquez aus.

Er sei zu aggressiv und erkenne die Grenzen zwischen fairem Rennsport und überharten Duellen nicht, so die Vorwürfe. Marquez selbst sieht das anders. "Motorradsport ist kein Kontaktsport, aber es gibt Kontakte", philosophiert er in der DAZN-Dokumentation 'Lo llevamos en la sangre'. "Warum? Wenn das Feld so eng zusammen liegt, werden zwei Fahrer früher oder später um dasselbe Stück Strecke kämpfen. Der eine verteidigt, der andere greift an."

Vor allem wenn der Verteidiger seinen Job gut mache, sei ein völlig reibungsloses Manöver nur ganz schwer umzusetzen, glaubt Marquez: "Es gibt Fahrer, die sagen, dass die Lücke existieren muss und es gibt Fahrer, die sagen, dass man die Lücke erschaffen muss. Ich glaube, wenn der Vordermann gut verteidigt, muss man die Lücke erschaffen. Das ist meine Philosophie. Man muss die Stelle finden, an der man stärker ist. Natürlich kann es da auch einmal passieren, dass man es übertreibt."

Marquez zwingt MotoGP zum Handeln

Durch seinen radikalen Fahrstil zwang Marquez die MotoGP sogar zu einer neuen Art, mit möglichen Bestrafungen umzugehen. Nach dem Eklat von Argentinien 2018 kündigte man an, bei Kollisionen zukünftig härter durchzugreifen. Mit Beginn der Saison 2019 wurde nun mit Freddie Spencer sogar ein Chef-Steward eingesetzt, der nur diese Position besetzt. Bislang war Renndirektor Mike Webb zusätzlich auch einer der drei Stewards.


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