MotoGP

Suzuki nach Aragon-Podest: MotoGP-Vorteile für 2019 weg

Alex Rins und Andrea Iannone waren 2018 deutlich erfolgreicher als im Vorjahr. Das hat negative Auswirkungen auf die nächste Saison. Rins bleibt gelassen.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Suzuki durfte sich beim MotoGP-Rennen in Aragon über das beste Resultat der laufenden Saison freuen. Andrea Iannone und Alex Rins hielten bis knapp vor Schluss mit der Spitzengruppe mit und holten am Ende die Plätze drei und vier.

Ein umjubelter Erfolg für den Rennstall, der im Vorjahr ohne einen Podestplatz blieb. Aber ein Erfolg, der die Arbeit der Suzuki-Ingenieure 2019 wieder eine Spur schwieriger macht. Denn durch den dritten Platz von Iannone verlieren die Japaner ihre Zugeständnisse, die ihnen das Reglement aufgrund der sportlichen Erfolglosigkeit im Vorjahr einräumte.

Diese Zugeständnisse verliert Suzuki:

  • Testbeschränkungen mit sofortiger Wirkung in Kraft
  • 2019 nur noch 7 statt 9 Motoren pro Fahrer
  • Motor muss vor Katar-GP homologiert werden und darf dann bis Saisonende nicht mehr entwickelt werden
  • Maximal drei Wildcard-Einsätze in der Saison 2019

Warum verliert Suzuki diese Boni? Weil man in der laufenden Saison seinen sechsten Konzessionspunkt geholt hat. Für diese im Sportlichen Reglement festgeschriebene Wertung zählt jeder dritte Platz einen Punkt, jeder zweite Rang zwei und jeder Sieg drei Punkte. Alex Rins' dritter Platz in Argentinien und sein zweiter in Assen sowie Iannones dritte Plätze in Austin, Jerez und Aragon ergeben zusammen den kritischen Wert von sechs Konzessionspunkten.

Droht 2019 wieder ein Rückfall?

Im Vorjahr war vor allem der "Engine Freeze", also das Verbot der Weiterentwicklung des Motors während der laufenden Saison, ein Problem für Suzuki. Entwickelt hatte man diesen noch aufgrund des Feedbacks von Maverick Vinales und Aleix Espargaro aus der Saison 2016. Zwischen Andrea Iannones erster Ausfahrt und dem Zeitpunkt der Homologation lagen lediglich 128 Tage.

Alex Rins verletzte sich damals gleich beim ersten Test in Valencia. "Aufgrund meiner Verletzung konnte ich den Motor damals nicht wirklich testen", sagte Rins in Aragon. Eine Angst vor einem neuerlichen Fehlgriff beim Motor für 2019 hat er nicht: "Wenn ich 2017 die Entscheidung für den damaligen Motor getroffen hätte, dann wäre ich im Hinblick auf 2019 vielleicht beunruhigt. So aber nicht."

Denn die aktuelle Konfiguration hat Suzuki seit Saisonstart kaum verändert. "Wir hatten in Assen ein Update, das uns zwei bis drei km/h mehr Topspeed gebracht hat. Darüber hinaus ist die Motor-Basis aber gleich geblieben", so Rins. Auch hat der Spanier mittlerweile zwei Jahre MotoGP-Erfahrung und kann gegenüber den Ingenieuren in Japan seine Wünsche besser artikulieren: "Wir haben ja die gesamten Wintertests um den Motor und das Bike vorzubereiten. Das wird reichen."

Beim Topspeed noch im Nachteil

Mit nunmehr fünf Podestplätzen hat Suzuki sogar einen mehr geholt als in der Saison 2016. Die Tendenz stimmt, doch einige Schwächen gilt es noch auszumerzen. Andrea Iannone, der das Team mit Saisonende verlassen wird, erklärte diese in Aragon: "Honda und Ducati haben klar die besseren Leistungen. Besonders beim Aufrichten haben wir im Vergleich noch zu viel Wheelspin und Slide. Wir sind stark auf der Bremse, aber das alleine reicht nicht, um unseren Nachteil wettzumachen."

Und dann wäre da auch noch der Topspeed. Während Ducati und Honda in Aragon mehrfach die Marke von 340 km/h knacken konnten, blieb Suzuki sechs bis sieben km/h zurück. "Auf den Geraden habe ich im Rennen viel verloren", gestand auch Iannone. Aufgrund der aktuellen Schwäche von Yamaha könnte Suzuki auf der Fernost-Tournee sich aber als dritte Kraft etablieren.

Ein Motor mehr als Ducati und Yamaha

Vor allem in Motegi und auf Phillip Island war Suzuki in den vergangenen beiden Jahren stark. "Wir haben auf jeden Fall ein konkurrenzfähiges Bike", ist sich Rins sicher. In den kommenden Wochen darf Suzuki den letzten Vorteil der Erfolglosigkeit von 2017 auskosten: Denn sowohl Iannone als auch Rins haben noch zwei völlig unbenutzte Motoren zur Verfügung - die Nummern 8 und 9.

Die Werksteams von Yamaha und Ducati hingegen haben bei jeweils beiden Fahrern bereits sechs Motoren eingesetzt und haben aufgrund des geringeren Kontingents nur noch je einen unbenutzten pro Fahrer übrig. Kein großer Vorteil für Suzuki aber immerhin ein schönes Abschiedsgeschenk der Konzessionspunkte.


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