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MotoGP-Analyse: Wie sehr half Quartararo die höhere Drehzahl?

Fabio Quartararo hatte in den ersten 14 MotoGP-Rennen ein Handicap. Dieses ist seit Thailand Geschichte, wie die GP-Analyse klar zeigt.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Marc Marquez und Fabio Quartararo lieferten sich beim MotoGP-Rennen in Thailand eine neuerliche Schlacht in der letzten Runde. Wie bereits vor drei Wochen in Misano setzte sich der amtierende Weltmeister gegen den französischen Rookie mit einer finalen Attacke durch. Motorsport-Magazin.com nimmt in der GP-Analyse die interessantesten Aspekte des Rennens unter die Lupe:

Wie sehr half Quartararo die höhere Drehzahl?

Fabio Quartararo muss bei Petronas-Yamaha seit Saisonbeginn mit einigen Einschränkungen leben. Der Franzose hat zwar den aktuellsten Motor der Japaner zur Verfügung, allerdings beschränkte Yamaha das Kontingent für Quartararo auf fünf Aggregate, während im Werksteam und bei seinem Teamkollegen Franco Morbidelli jeweils sieben Motoren zum Einsatz kommen dürfen.

Um die Laufleistung der Motoren von Quartararo zu verlängern, drosselte man die Drehzahl um 500 Umdrehungen pro Minute. Die Strategie ging auf, denn bis Aragon hatte Quartararo lediglich vier Motoren eingesetzt und keinen einzigen davon beschädigt. In Buriram bekam der Franzose daher den fünften Motor bereitgestellt und durfte diesmal sogar mit der gleichen Drehzahl wie seine Markenkollegen agieren. Teammanager Wilco Zeelenberg bestätigte die Erhöhung im offiziellen Livestream der MotoGP.

Zum ersten Mal in dieser Saison konnte Quartararo daher beim Topspeed mit den anderen Yamaha-Fahrern mithalten - obwohl er aufgrund seiner langen Führung in keiner einzigen Runde Windschatten genießen durfte. Der Schnitt seiner fünf höchsten Topspeed-Messungen ergab in Buriram 321,6 km/h. Damit landete er nur knapp hinter seinem Teamkollegen Franco Morbidelli (322,9 km/h) und sogar vor Valentino Rossi (321,4 km/h).

Schnitt der höchsten fünf Topspeed-Messungen in Buriram:

Pos. Fahrer Motorrad Schnitt höchste 5 Topspeeds
1. Andrea Dovizioso Ducati GP19 330,2 km/h
2. Jack Miller Ducati GP19 328,7 km/h
3. Marc Marquez Honda 327,8 km/h
4. Alex Rins Suzuki 326,6 km/h
5. Tito Rabat Ducati GP18 325,9 km/h
...
10. Maverick Vinales Yamaha 324,7 km/h
14. Franco Morbidelli Yamaha 322,9 km/h
16. Fabio Quartararo Yamaha 321,6 km/h
17. Valentino Rossi Yamaha 321,4 km/h

Unter den 22 Startern belegte Quartararo damit den 16. Platz. Zum Vergleich: In Aragon hatte er noch mit zwei km/h Rückstand auf den Vorletzten den letzten Platz belegt. Davor war er auch in Misano und Spielberg jeweils Letzter im Ranking unter allen Piloten, die mindestens fünf Runden absolviert hatten.

"Ich hatte schon im Training hinter Rins ein besseres Gefühl", führte Fabio Quartararo nach dem Rennen aus. "Wichtiger war aber, wie sich das auf die Konstanz über 26 Runden ausgewirkt hat. Leider war ich immer ganz vorne, daher ist es ein wenig schwierig einzuschätzen. Aber auf den Geraden hat es schon ein wenig geholfen. Und da Buriram ohnehin schon als gute Strecke für Yamaha galt, konnten wir am Ende nur zwei Zehntel hinter dem Sieger ins Ziel kommen."

Was wäre für Miller drin gewesen?

Einer der tragischen Helden des MotoGP-Rennens in Buriram war Jack Miller. Der Australier hatte seine Ducati im Qualifying in die zweite Reihe gestellt, dort sprang sie ihm aber unmittelbar vor dem Start nicht mehr an. Miller schob das Motorrad sofort aus der Startaufstellung in die Boxengasse, wo die Pramac-Crew es erneut starten konnte. Nach der ersten Runde hatte er dadurch allerdings bereits 13,8 Sekunden Rückstand und fand sich auf dem letzten Platz wieder.

Was wäre für Miller ohne diesen Defekt drin gewesen? Denn er hatte sich als 6. direkt zwischen den beiden Werksfahrern Danilo Petrucci und Andrea Dovizioso qualifiziert. Ein Blick auf die Rundenzeiten soll Aufschluss darüber geben.

Wie das Rundenzeit-Diagramm zeigt, war Miller in keinem einzigen Umlauf schneller als der Viertplatzierte Andrea Dovizioso. Selbst Danilo Petrucci, der am Ende Neunter wurde, verlor auf Miller nur in sieben der 26 Runden Zeit. Dabei hatte Miller über weite Strecken freie Bahn, da er in 18 der 26 Runden mindestens eine Sekunde hinter dem nächstgelegenen Vordermann fuhr.

Direkte Duelle mit geringem Abstand zum Vordermann lieferte er sich in den Runden 7 und 8 (Syahrin, Lorenzo und Abraham), 12 bis 14 (Rabat) und 23 bis 25 (Iannone und Oliveira). Eklatant Zeit kostete ihn dabei lediglich Lap 8, als er gleich zwei Fahrer (Lorenzo und Abraham) überholen konnte. Die generelle Pace von Miller reichte am Sonntag nicht, um beste Ducati zu werden, da er klar langsamer als Dovizioso war. Es hätte daher maximal für einen der hinteren Top-10-Ränge gereicht.

Marquez kaschiert Honda-Schwäche

So sehr Hondas Primus Marc Marquez auch die MotoGP dominiert, der Rest der Fahrer kommt mit dem japanischen Fabrikat überhaupt nicht zurecht. Der desaströse Jorge Lorenzo verlor in 26 Runden 54 Sekunden auf die Zeit von Marquez - das sind im Schnitt mehr als zwei Sekunden pro Runde! Cal Crutchlow holte mit Platz 12 sein zweitschlechtestes Saisonergebnis, sodass sogar Taka Nakagami auf der Vorjahres-Honda als 10. der zweitbeste Honda-Pilot im Grand Prix von Thailand war.

Wie überlegen Marquez seinen Markenkollegen ist, zeigt ein Blick in die Rundenzeiten: Die schlechteste Rundenzeit von Marquez war eine 1:31,896 Min. in der letzten Runde, als er zunächst Quartararo überholte und in der letzten Kurve eine Attacke abwehren musste. Die schnellste Rennrunde eines anderen Honda-Fahrers war die 1:31,936 Min. von Cal Crutchlow. Somit war Marquez mit jeder Einzelzeit seiner 25 fliegenden Runden schneller als die Bestzeit all seiner Markenkollegen zusammen.

Inferior ist die Bilanz von Jorge Lorenzo: Dessen schnellste Rennrunde war mit 1:32,811 Minuten nicht nur um fast eine Sekunde langsamer als die schwächste Rundenzeit von Marquez, sondern auch langsamer als 24 der 25 fliegenden Runden von Nakagami und 22 der 25 fliegenden Runden von Crutchlow.

Fazit

Mit der etwas erhöhten Drehzahl kann man Fabio Quartararo wohl auch in den kommenden Rennen auf dem Zettel haben: Zumindest als besten Yamaha-Fahrer und je nach Strecke vielleicht auch als Herausforderer von Marc Marquez. Man kann sich ausrechnen, was der Franzose in der kommenden Saison zeigt, wenn er von Yamaha endlich die gleichen Kontingente bekommt wie sein Teamkollege Franco Morbidelli.

Während Yamaha zum zweiten Mal binnen drei Rennen zwei Fahrer auf das Podium brachte, sollte sich Honda um seine B-Riege hinter Marquez allmählich Sorgen machen. Wie schon in Misano erlebte der japanische Hersteller abseits des MotoGP-Dominators ein Waterloo, denn weder Crutchlow, noch Nakagami und schon gar nicht der desolate Lorenzo konnten auch nur annähernd um die vorderen Plätze mitreden. Der letzte Podestplatz eines Honda-Fahrers dessen Name nicht Marquez ist, datiert vom Sachsenring. Ein Umstand, mit dem die ehrgeizigen Japaner trotz der erfolgreichen Titelverteidigung durch ihren Primus nicht zufrieden sein können.


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