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MotoGP-Analyse: So kam es zum Hammer-Finale in Brünn

Andrea Dovizioso, Jorge Lorenzo und Marc Marquez lieferten beim MotoGP-Rennen in Brünn die perfekte Finalshow. So kam es zum Krimi.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Andrea Dovizioso, Jorge Lorenzo und Marc Marquez lieferten sich beim MotoGP-Rennen in Brünn einen spektakulären Endkampf. Diesem Duell ging ein taktisches Rennen voran, in dem die schnellsten Piloten das Tempo einbremsten. Denn die Angst vor massivem Reifenabbau schwebte wie ein Damoklesschwert über dem Grand Prix von Tschechien, wie alle Fahrer nach dem Rennen zugaben.

Der MotoGP-Krimi in Brünn in der Video-Analyse: (23:26 Min.)

Die Reifenwahl

Die hohen Temperaturen setzten den Reifen schon im Training zu, sodass am Sonntag deutlich weniger Fahrer riskant zockten, sondern der Großteil des Feldes auf die sichere Karte setzte. So setzte niemand den weichsten Vorderreifen oder die Medium-Mischung am Heck ein. Insgesamt gab es nur drei verschiedene Kombinationen, die eingesetzt wurden.

Die konservativste Variante war eine Kombination aus den beiden härtesten Reifen. 17 der 25 Starter setzten auf diese Kombi - darunter auch die Podestfahrer Dovizioso, Lorenzo und Marquez. Je viermal wurden die Kombinationen aus hartem Hinter- und mittlerem Vorderreifen gewählt (u.a. von Valentino Rossi) sowie die Variante Medium vorne/weich hinten, auf der unter anderem Alvaro Bautista in der zweiten Rennhälfte glänzen konnte (siehe unten).

Vorne - HintenEingesetzt von
Hart - HartDovizioso, Lorenzo, Marquez, Crutchlow, Petrucci, Pedrosa, Iannone, Miller, Morbidelli, Syahrin, Espargaro, Lüthi, Nakagami, Abraham, Simeon, Redding, Bradl
Medium - WeichZarco, Bautista, Vinales, Smith
Medium - HartRossi, Rins, Guintoli, Rabat

Die verzögerte Pace

"Niemand wollte zu Beginn pushen, weil jeder Angst hatte, dass die Reifen dann zu stark abbauen", gab Sieger Dovizioso nach dem Rennen ganz offen zu. Das ist anhand von zwei Faktoren auch nachweisbar: Zunächst daran, dass alle drei Podestfahrer ihre jeweils schnellste Rennrunde im allerletzten Umlauf erzielten. Und zweitens daran, dass unterschiedlichste Piloten zu unterschiedlichen Runden die jeweils schnellsten waren.

Von den 20 fliegenden Laps des Tschechien-GP am Sonntag war Sieger Dovizioso sechsmal der schnellste Mann im Feld. Gleich sieben weitere Fahrer waren in zumindest einer Runde der schnellste Fahrer: Neben den Frontrunnern Lorenzo (2x), Crutchlow (3x) und Rossi (1x) auch Danilo Petrucci (1x) Alex Rins (1x), Tito Rabat (2x) und Alvaro Bautista (4x). Auffallend: Marc Marquez war in keiner der 20 fliegenden Runden der Schnellste - so etwas passiert auch nicht oft.

Entwicklung der schnellsten Rennrunde:

Zeit Fahrer Runde
1:57,433Alex RinsRunde 2
1:56,975Danilo PetrucciRunde 4
1:56,947Tito RabatRunde 5
1:56,772Alvaro BautistaRunde 15
1:56,640Jorge LorenzoRunde 21

Das folgende Diagramm zeigt, dass der jeweilige Führende nur in sechs Runden der jeweils schnellste Fahrer im Feld war. Dovizioso in den Laps 3, 6, 13, 17 und 20 sowie Rossi in der 8. Runde. Die Statistik zeigt auch deutlich, dass das Rennen zum Ende hin immer schneller wurde und eben im Dreikampf der finalen Runden gipfelte.

Das Duell um den Brünn-Sieg

Durch diese Vezögerungstaktik der Führenden lag das Feld bis weit in das letzte Renndrittel eng zusammen. Fünf Runden vor dem Ende waren die Top-5 durch weniger als eine Sekunde getrennt und die Top-10 lagen innerhalb von nur fünf Sekunden. Dann machten die beiden Ducatisti und Marquez aber ernst.

Lorenzo und Marquez hatten vor Runde 17 die Marke von 1:57 Minuten kein einziges Mal unterboten, Dovizioso nur einmal (Lap 6) um knappe zwei Hundertstelsekunden. In den letzten fünf Runden blieben die beiden Ducati-Asse viermal, Marquez dreimal unter diesem Wert.

Damit kickten sie Crutchlow und Rossi aus dem Kampf um die Podestplätze, denn beide hatten keine Reserven mehr. Sie hielten zwar ihre Pace von niedrigen 1:57er-Zeiten, doch eine Steigerung wie beim Top-Trio war nicht mehr drin. Der unterlegene Crutchlow äußerte nach dem Rennen daher die Vermutung, Ducati habe gegen Ende das Motor-Mapping verändert. In der Pressekonferenz darauf angesprochen, verneinte Dovizioso allerdings: "Nein, ich habe das Mapping im Rennen nicht verändert. Mein Fahrstil war heute entscheidend, denn ich konnte mir die Reifen so einteilen, dass ich am Ende pushen konnte."

Starker Alvaro Bautista

Etwas abseits des Kampfes um den Sieg zeigte Alvaro Bautista ein starkes Rennen. Vor allem die zweite Rennhälfte des Spaniers beeindruckte. So war er zwischen Runde 12 und 18 nicht nur viermal der schnellste Mann im Feld, sondern war auch der einzige, der in der zweiten Hälfte das Tempo der Spitze mitgehen konnte.

Ergebnis Lap 11-21:

Pos. Fahrer Zeit/Rückstand
1.Jorge Lorenzo19:30,514 Min.
2.Andrea Dovizioso+0,605 Sek.
3.Alvaro Bautista+0,770
4.Marc Marquez+0,858
5.Cal Crutchlow+3,207

Im Vergleich zum schnellsten Mann der zweiten Rennhälfte - Jorge Lorenzo - büßte Bautista nur 0,770 Sekunden ein und war damit in diesem Abschnitt sogar eine Spur schneller als Marc Marquez. Zu seinem Unglück war Bautista aber nur von Rang 14 gestartet und hatte im Pulk des hinteren Mittelfelds nach nur vier Runden bereits 3,8 seiner letztlich 7,5 Sekunden Rückstand auf die Siegerzeit eingebüßt. Somit reichte es am Ende nur zum neunten Platz.


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