MotoGP

Tom Lüthi: So geht es dem verletzten MotoGP-Rookie von Marc VDS

Tom Lüthi muss nach dem Knöchelbruch die MotoGP-Testfahrten in Valencia auslassen. Sogar bis zum Januar-Test in Sepang wird es für den Marc-VDS-Piloten eng.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Die MotoGP-Testfahrten 2017 in Valencia hatte sich Tom Lüthi ganz anders vorgestellt. Während seine Rookie-Kollegen Franco Morbidelli, Takaaki Nakagami und Xavier Simeon erste Erfahrungen auf ihren Arbeitsgeräten für 2018 sammeln, ist Lüthi zum Zuschauen verdammt. Er ist zwar in Valencia vor Ort und beobachtet das Geschehen am TV und von der Service-Road aus genau, an Motorradfahren ist gut zwei Wochen nach dem Knöchelbruch am linken Fuß aber noch nicht zu denken. Lüthi ist immer noch auf Krücken unterwegs.

Für den Schweizer eine schwierige Zeit, wie er am Mittwoch in Valencia verriet: "Mein Fuß wird immer besser, aber ich muss Geduld haben. Ich kann jetzt zuhause mit der Physiotherapie beginnen. Dabei wird es darum gehen, Beweglichkeit im Fuß zu erreichen und ihn früher oder später auch wieder belasten zu können. Bei der Operation wurden zwei Schrauben eingesetzt, aber im Moment hält der Fuß noch keiner Belastung stand. Außerdem muss ich meine Kraft im Oberkörper erhalten, was nicht so einfach ist."

Auf einem Motorrad wird Lüthi 2017 aller Voraussicht nach nicht mehr sitzen. Für die MotoGP-Maschinen gilt ab 1. Dezember ohnehin ein Testverbot, doch auch eine Ausfahrt auf einem anderen Bike wird für Lüthi schwierig werden. "Ich hoffe, dass ich im Januar ein paar Runden auf einem Dirt-Bike fahren kann. In diesem Jahr wird es nicht mehr möglich sein", glaubt er. Sogar auf eine vollständige Genesung bis zum ersten offiziellen Test des Jahres in Sepang von 28. bis 30. Januar, der gleichzeitig das Ende der Wintertestsperre bedeutet, will sich Lüthi nicht festlegen: "Hoffentlich bin ich bis dahin wieder voll fit. Es wird aber auf jeden Fall knapp."

Lüthi studiert MotoGP-Rookies in Valencia-Test

So bleibt Lüthi aktuell nichts anderes übrig, als passiv Erfahrungen für die MotoGP zu sammeln. "Es ist kein besonders gutes Gefühl, hier zusehen zu müssen", gestand er in Valencia. "Es war aber interessant, auf der Strecke draußen Nakagami und Morbidelli zuzusehen und zu erkennen, wo bei ihnen die Unterschiede zu Marquez oder anderen erfahrenen MotoGP-Piloten liegen." Nakagami und Morbidelli werden ja wie Lüthi 2018 eine Kunden-Honda fahren. Der Japaner Nakagami bei LCR Honda, Morbidelli sogar als Teamkollege von Lüthi bei Marc VDS.

Während die drei MotoGP-Rookies 2018 neben Lüthi in Valencia also bereits zwei volle Testtage auf ihren Maschinen abspulen, wird der 31-jährige Routinier erst im Januar erstmals die Honda RC213V fahren. Zumindest konnte Lüthi 2016 bereits erste MotoGP-Erfahrungen als Testfahrer für das Projekt von KTM sammeln. Er fuhr die RC16 damals beim KTM-Privattest in Mugello und auch später in Spielberg, wo mit Ausnahme des Repsol-Honda-Werksteams die gesamte MotoGP-Prominenz versammelt war.

2016 sammelte Lüthi in Mugello erste MotoGP-Erfahrungen - Foto: KTM

Lüthi zeigte sich damals von der irren Beschleunigung der rund 270 PS starken MotoGP-Prototypen fasziniert. In der Moto2 musste er in etwa mit der halben Motorleistung auskommen. "Die Beschleunigung ist einfach unglaublich. Auch beim Hochschalten hat man ständig extrem viel Drehmoment zur Verfügung. Der Speed ist nicht so viel anders, in der Moto2 erreicht man ja auch knapp 300 Stundenkilometer. Die Beschleunigung ist sicher die größte Umstellung.

Lüthi: Keine Zeit für MotoGP-Technik

Auch die Vielzahl an technischen Elementen, die es während der Fahrt auf einer MotoGP-Maschine zu bedienen gilt, war für Lüthi beeindruckend. Die Moto2-Bikes müssen ja ohne jegliche elektronische Fahrhilfen auskommen, während in der MotoGP am Lenker Dinge wie Traktionskontrolle oder Motor-Mapping konstant angepasst werden müssen, hinzu kommt eine wahre Informationsflut über das Dashboard. "Da langweilt man sich definitiv nicht", lacht Lüthi. "Für einen Rookie ist es schon schwierig, das Vorderrad überhaupt am Boden zu halten. Daran muss man sich erstmal gewöhnen und hat zunächst überhaupt keine Zeit, sich über die ganze Einstellungsvarianten Gedanken zu machen. Da braucht man als Rookie sicher einige Kilometer, um sich daran zu gewöhnen."


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