MotoGP

Meinung: Pfiffe gegen Marquez sind eine Schande für MotoGP-Fans

Schluss mit den Pfiffen und dem Bejubeln von Stürzen! Warum Marc Marquez und alle anderen MotoGP-Fahrer Respekt verdient haben. Ein Kommentar:
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Nein, es ist nicht okay, wenn man einen MotoGP-Fahrer bei der Siegerehrung auspfeift. Erst recht nicht, wenn sich der Mann im Rennen nichts zu Schulden hat kommen lassen. Und schon gar nicht akzeptabel ist, wenn man bei einem Sturz eines Fahrers jubelt. Unter keinen Umständen. Nie.

MotoGP: Misano Madness - das Wichtigste in 45 Sekunden: (00:45 Min.)

Marc Marquez sieht sich seit Oktober 2015 immer wieder massiven Anfeindungen durch mutmaßliche "MotoGP-Fans" gegenüber. Am schlimmsten ist es für den amtierenden Weltmeister seither in Italien. So auch an diesem Wochenende in Misano: Jubel auf den Tribünen bei seinen Stürzen im Qualifying und im Warmup, Pfiffe als Lohn für einen grandios erkämpften Sieg unter schwierigsten Bedingungen am Sonntagnachmittag.

So sehr sich die italienischen Zuschauer diesmal auch durch zahlreiches Erscheinen (95.000 am Sonntag) und durch tolle Stimmung trotz der Abwesenheit ihres großes Idols Valentino Rossi auszeichneten, so sehr disqualifizierten sie sich im Gegenzug durch ihre unsportlichen Aktionen gegen Marquez.

Das Sepang-Beil endlich begraben

Nein, wir werden an dieser Stelle nicht wieder über die Schuldfrage im Umfeld des Sepang-Clash diskutieren. Diese Causa liegt nach fast zwei Jahren endgültig bei den Akten bzw. in unseren Online-Archiven. Und genauso sollten alle Rossi-Fans endlich ihren Groll gegenüber dem eindeutig talentiertesten Motorradfahrer unserer Zeit im Keller oder im Garten beerdigen anstatt diesen als permanente Ausrede für ihre Hasstiraden zu benutzen.

Was für Marquez gilt, gilt übrigens für alle Fahrer der MotoGP: Diese Männer sind Helden - allesamt! Wer die komplexesten Motorräder des Planeten derartig bewegen kann, hat unser aller Respekt verdient. Und wer auch nur im Ansatz erkennt, welcher Leistung es bedarf, ein Motorrad auf nasser Fahrbahn von weit über 300 km/h von Gegnern umzingelt auf Kurventempo abzubremsen und dann einzulenken - dem sollten Pfiffe eigentlich im Hals stecken bleiben.

Kurze Unmutsbekundungen der Zuschauer nach sportlichen Fouls oder rüden Attacken mag man mit der Begründung der ersten Emotion ja noch durchgehen lassen. Permanente Hasskampagnen sicher nicht. Vor allem das Bejubeln von Stürzen ist ein absolutes No-Go. Denn im Motorradsport kann jeder Sturz dein letzter sein.

Jeder Sturz kann der letzte sein

In meiner Journalisten-Laufbahn musste ich in der Motorrad-WM bereits Shoya Tomizawa, Marco Simoncelli und Luis Salom verabschieden und ihre tödlichen Unfälle live mitverfolgen. Nie im Leben würde mir einfallen, bei einem Sturz zu jubeln oder zu applaudieren. Trotz der MotoGP-Jahre auf meinem Buckel stockt mir immer noch für einen Moment der Atem, wenn ich Abflüge wie jenen von Jack Miller in Le Mans oder zuletzt von Jonas Folger in Silverstone sehe.

Selbst Unfälle bei langsamerem Tempo haben nie höhnischen Applaus verdient, denn auch die tun weh und können eine gebrochene Hand oder eine Knöchel-Fraktur nach sich ziehen. Wir alle wären mit derartigen Verletzungen wohl wochenlang krankgeschrieben. Die Motorrad-Helden hingegen zwingen sich oft schon wenige Tage später wieder auf ihre PS-Monster. All das sollten wir nie vergessen, wenn wir aus sicherer Entfernung über die Fahrer urteilen.

Die MotoGP-Asse bieten uns Sonntag für Sonntag eine perfekte Renn-Show unter Einsatz ihrer Gesundheit. Genau deshalb hat jeder einzelne davon unseren Respekt verdient. Abschließend bleibt mir nur noch eines zu sagen. An alle Pfeifer und Sturzbejubler: Bleibt künftig bitte zuhause!


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