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MotoGP

WM-Anwärter: Wer hat die besten Karten in Brünn?

Gleich fünf Piloten dürfen sich aktuell Chancen auf den WM-Titel ausrechnen. Wir checken, in welche Richtung das Pendel am Sonntag ausschlagen könnte.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Die MotoGP geht an diesem Wochenende in Brünn in ihre zweite Saisonhälfte. Nur zehn Punkte trennen die Top-Four Marquez, Vinales, Dovizioso und Rossi, 26 Punkte zurück lauert Pedrosa. Jedes der ausstehenden neun Rennen kann eine kleine Vorentscheidung bringen, so auch der Tschechien-GP am Sonntag. Motorsport-Magazin.com prüft die Ausgangsposition der Titelanwärter vor dem ersten von neun Endspielen.

Wenn der Regen fällt...

Das Wetter ist die große Unbekannte für den Rennsonntag in Brünn. Fest steht nur, dass es deutlich kühler wird, die Temperaturen werden um circa 10 Grad auf Werte um die 20 Grad fallen. Regen ist durchaus möglich, die Wahrscheinlichkeit für das MotoGP-Rennen liegt bei 50 Prozent. Ein Grand Prix im Nassen ist natürlich immer unberechenbar, jegliche Prognosen wären Kaffeesudleserei.

Eine nasse Session gab es an diesem Wochenende bereits - Foto: Ducati

Nimmt man das bei Regen gefahrene erste Freie Training vom Freitag aber als Anhaltspunkt her, dürfen sich aber alle fünf WM-Anwärter im Nassen Siegeschancen ausrechnen. Marquez, Pedrosa, Rossi und Vinales belegten die Ränge zwei, vier, fünf und sechs. Nur Dovizioso lag als 13. weit zurück, hat aber eine Erklärung dafür parat. "Ich war neben Marc der einzige Fahrer, der den harten Regenreifen am Hinterrad ausprobiert hat", erklärt der Ducati-Pilot und Regenspezialist. Das Spitzenquintett ist sich aber einig, dass man in Brünn lieber ein Trockenrennen hätte.

Das Kräfteverhältnis im trockenen Brünn

In diesem Fall gestaltet sich die Ausgangslage schon etwas klarer. Was die reine Pace betrifft, ist Polesitter Marc Marquez der Mann, den es zu schlagen gilt. Er knallte im aussagekräftigen vierten Training nicht nur die schnellste Runde, sondern gleich eine Serie davon auf den tschechischen Asphalt. Kein anderer Fahrer war konstant so flott unterwegs wie der amtierende Weltmeister. Der von P2 startende Rossi kam ihm von den Titelrivalen noch am nächsten, es folgen Pedrosa (Startplatz 3), Vinales (P7) und Dovizioso (P4). Doch Marquez stapelt tief: "Dani hat eine sehr gute Pace, das haben wir schon bei unserem Privattest hier gesehen. Auch die Yamaha-Piloten werden da sein. Sie haben sich im Laufe des Samstags massiv gesteigert und vor allem Valentino kann am Sonntag noch einmal zulegen."

Marquez sicherte sich die beste Ausgangsposition - Foto: HRC

Tatsächlich zeigt sich Altmeister Rossi wieder deutlich selbstbewusster als noch zuletzt am Sachsenring. "Ich habe mich am Freitag schon ganz gut gefühlt und konnte mich heute noch einmal steigern. Das Qualifying war stark und die erste Startreihe ist ein kleiner Vorteil, denn es können sechs oder sieben Fahrer um das Podium kämpfen. Es ist ein gutes Wochenende", freute sich Rossi am Samstagabend.

Weniger optimistisch zeigt sich Teamkollege Vinales, der in Brünn bislang nicht richtig auf Touren kam und vor allem im kurvigen Stadionbereich Probleme hat: "Wir haben noch nicht das richtige Setup gefunden. Ich habe Probleme beim Anbremsen und mit der Kurvengeschwindigkeit. Wir müssten noch viele Dinge probieren, haben aber nur noch das Warm Up. Hoffentlich ist zumindest das trocken."

Reifen als Schlüssel im Tschechien-GP

Klar ist für die Piloten, dass das Rennen am Sonntag einmal zu einer Reifenschlacht wird. Die Michelin-Slicks bauen in Brünn rasant ab, vor allem am Hinterrad. "Schon nach zwei Runden gibt es den ersten Drop, nach rund 15 Runden dann noch massiver", verrät Dovizioso. Der Grand Prix geht über 22 Umläufe. "Die letzten zehn Runden werden sehr schwierig", stimmt Marquez zu. In dieser Saison war das Verwalten der Reifen meist eine Stärke von Ducati und Dovizioso, doch auch die Honda-Piloten haben laut eigenen Aussagen beim Brünn-Privattest in der Sommerpause massiv in diesem Bereich gearbeitet - ein möglicher Vorteil.

Die letzten zehn Runden werden sehr schwierig.
Marc Marquez

Die kühleren Temperaturen am Sonntag hingegen könnten Yamaha wieder in die Karten spielen. So problematisch die M1 des Jahrgangs 2017 bei großer Hitze ist, so stark ist sie oftmals am anderen Ende des Temperaturenspektrums. Entscheidend für den Ausgang des Tschechien-GPs könnten also einmal mehr die Bedingungen sein - wie so oft in dieser MotoGP-Saison!


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