MotoGP

Winglet-Verkleidung: KTM zündet in Austin erste Ausbaustufe

KTM fährt in Austin erstmals mit einer neuen Verkleidung. Die Piloten freuen sich über mehr Anpressdruck und weniger Wheelys.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Nun ist mit KTM auch der letzte der sechs MotoGP-Hersteller im Zeitalter der Winglet-Verkleidungen angekommen. Die einfach aufgesetzten Flügel aus den vergangenen beiden Saisons sind in diesem Jahr ja verboten, die Ingenieure der Königsklasse haben aber Wege gefunden, um die aerodynamischen Elemente in ihre Verkleidungen zu integrieren. Dabei gingen die Werke unterschiedlichste Wege. Yamaha etwa montierte Flügel an die Seiten der M1 und zog eine weitere Carbonschicht darüber, Ducati durchlöcherte die Front seiner Desmosedici gleich komplett.

KTM mit völlig neuem Konzept

KTM setzt nun wieder auf eine neue Lösung. An der RC16 gibt es keinerlei innenliegende Winglets oder Kanäle, durch die ein Luftstrom geleitet werden könnte. Vielmehr wurde eine Art Wulst an der Front verbaut, der in steilem Winkel angestellt wurde und so Anpressdruck generiert. Eine Variante, die prompt für gerümpfte Nasen im MotoGP-Paddock sorgte, widerspricht sie nach Meinung einiger Beobachter doch dem Reglement. Dort steht in Paragraph 2.4.4.7.8 geschrieben:

"Teile oder Formen, die aus der Verkleidung hervorstehen und nicht in die Stromlinienform intergiert sind (zum Beispiel Flügel, Finnen, Ausbuchtungen etc.) und einen aerodynamischen Effekt erzielen (zum Beispiel Anpressdruck erzeugen, Luftströme unterbrechen etc.) sind nicht erlaubt. Der Technische Direktor entscheidet darüber, ob ein Teil oder eine Verkleidung in die obenstehende Definition fällt."

In Austin war die neue Verkleidung erstmals zu sehen - Foto: Screenshot

Um diese neue Verkleidung also einsetzen zu dürfen, musste sich zuerst den Segen des Technischen Direktors der MotoGP, Danny Aldridge, holen. Der scheint das Update bewilligt zu haben. Positiv für KTM: Da man die erste Saison in der Königsklasse bestreitet, darf man laut Reglement beliebig viele Updates an der Verkleidung vornehmen, während der Konkurrenz nur eine Änderung gestattet ist.

KTM-Piloten loben Fortschritte

Ihren Zweck erfüllt die neue Verkleidung der RC16 auf jeden Fall bereits. "Das ist ein guter Schritt nach vorne für uns", stelle Pol Espargaro fest. "In Argentinien etwa hat sich das Motorrad über die Bodenwellen extrem viel bewegt und wir konnten so nicht die volle Power ausnutzen. Hier gibt es auf der Gegengeraden eine leichte Kurve, eine Bodenwelle und es geht bergauf und bergab, das Motorrad ist mit der neuen Verkleidung aber dennoch stabil und wir können unsere Power besser ausspielen. Wir gewinnen also in allen Bereichen der Geraden."

Die Idee war es, Wheelys zu minimieren und das ist gelungen. Für uns ist das natürlich sehr positiv, denn jetzt verlieren wir nicht mehr so viel Zeit in den Beschleunigungszonen.
Bradley Smith

Tatsächlich ist KTM in puncto Topspeed absolut in einer Liga mit der Konkurrenz, ausgenommen die Raketen von Ducati, angekommen. In der Topspeed-Liste liegen sechs Ducatis voran, Alvaro Bautista erzielte mit 339,9 Stundenkilometern den Bestwert. Beste Nicht-Ducati war Jonas Folgers Yamaha M1 mit 332,3 km/h, nur 2,1 km/h schneller als Pol Espargaros KTM RC16 auf der mit 1200 Metern längsten Geraden des MotoGP-Kalenders.

"Es ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung", stellte auch Bradley Smith zufrieden fest. "Die Idee war es, Wheelys zu minimieren und das ist gelungen. Für uns ist das natürlich sehr positiv, denn jetzt verlieren wir nicht mehr so viel Zeit in den Beschleunigungszonen."

KTMs neue Verkleidung ohne Nachteile

Interessant: Während man bei den anderen Herstellern stets Vor- und Nachteile bei den Winglet-Verkleidungen erkannte und aktuell mit Ausnahme von Suzuki auch ausschließlich auf konventionelle Designs setzt, sieht man bei KTM nur Vorteile. "Wir haben uns in den Bereichen verbessert, in denen wir es wollten und sind gleichzeitig nirgends schlechter geworden", stellte Espargaros Crewchief Paul Trevathan zufrieden fest. "Das Motorrad ist damit in der Beschleunigung besser und erzeugt auch beim Anbremsen mehr Druck auf dem Vorderrad."

Auch mit der neuen Verkleidung liegt aber noch eine Menge Arbeit vor KTM. Pol Espargaro und Bradley Smith beendeten den Trainingsfreitag auf den Rängen 20 und 23, verloren 2,442 beziehungsweise 3,373 Sekunden auf die Bestzeit von Weltmeister Marc Marquez.


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