MotoGP

KTMs erster Testtag 2017: Chassis-Vergleich als Hauptarbeit

Bradley Smith und Pol Espargaros erste Amtshandlung als KTM-Fahrer ist es, Chassis auszusieben. Drei haben sie zur Wahl, aber fahren können sie nur eins.
von Sophie Riga

Motorsport-Magazin.com - Von allen Fahrern im MotoGP-Fahrerfeld haben Pol Espargaro und Bradley Smith im Moment wohl die meiste Entwicklungsarbeit vor sich. Während sich die Kollegen und Neuzugänge bei Yamaha und Co. auf Referenzen eines alteingesessenen Herstellers zurückgreifen können, muss sich das ehemalige Tech3-Duo selbst um diese Referenzen kümmern. Der Test in Sepang ist nur der erste Schritt. "Bei Tech3 hatte man ein Fenster, in dem man arbeiten konnte", vergleicht Smith. "Unsere Aufgabe ist es jetzt, herauszufinden, wo dieses Fenster bei KTM liegt. Wenn wir es erstmal gefunden haben, können wir anfangen uns zu verbessern."

Die Arbeit beginnt für Smith und Espargaro in Sepang am Chassis. "Wir haben drei zu testen, ein altes und zwei neue", erklärt Espargaro. Das Älteste war bereits im Einsatz, als die beiden Piloten noch gar nicht für KTM im Einsatz waren, Testfahrer Mika Kallio startete damit in Valencia. Chassis Nummer zwei ist die 2017er-Version, Nummer drei ist ein Mittelweg aus beidem. Das Fazit fällt nach einem Tag Testarbeit einstimmig aus: Chassis Nummer zwei scheint der richtige Weg zu sein.

Wenn wir das Arbeits-Fenster erstmal gefunden haben, können wir anfangen uns zu verbessern.
Bradley Smith

Im Falle KTM ist der Punkt Chassis sowieso um einiges spezieller als bei der Konkurrenz. Statt wie Honda und Co. auf Aluminium zu setzen, vertrauen die Österreicher auf Stahlrohrrahmen. Ein unkonventioneller Weg, der Smith und Espargaro aus ihrer Gewohnheit reißt und vor schwierige Entwicklungsarbeit stellt. Einen Vergleich zu anderen Teams und deren Umgang können sie nicht ziehen, die Entwicklung des KTM-Chassis hängt allein an ihnen. Zwar sind die Verstellmöglichkeiten am Stahl-Chassis vielfältiger, doch ohne Erfahrung ist es für Fahrer und Team schwierig, die beste Einstellung zu finden. Vorerst gilt es für Smith und Espargaro jedoch, sich für eines der drei Chassis zu entscheiden.

"Wir haben erst das Chassis aus dem letzten Jahr getestet und dann das neue. Die 2017er-Version scheint aber der richtige Ansatz zu sein", fasst Smith die Meinung beider Piloten zusammen. Und das, obwohl weder Smith, noch Espargaro das dritte Chassis überhaupt getestet haben. "Wir müssen das dritte Chassis natürlich trotzdem noch ausprobieren, um sicher zu sein, dass wir nichts übersehen", findet Smith. Espargaro schließt sich seinem Teamkollegen an: "Wir werden davon etwas erfahren, egal, ob positiv oder negativ. Aber wer weiß? Vielleicht wird das andere Chassis noch viel besser."

Reifen? Nebensache!

Die Arbeit am Chassis-Arbeitsfenster scheint also vorerst auf der sicheren Seite. Es gibt jedoch noch genug andere Baustellen, die an der KTM bearbeitet werden müssen. Am Motor ist seit den letzten Testfahrten in Valencia derselbe, daran ändern Smith und Espargaro nichts. Ein wichtiger Punkt, an dem Arbeit zurzeit möglich ist, sind die Reifen. Espargaro, der den Tag auf Rang 16 beendete, ist im Vergleich zu Smith die deutlich bessere Zeit gefahren. Der Brite landete nur auf Rang 27 und wurde damit Letzter.

Wir können einen Rhythmus und die Pace halten.
Pol Espargaro

Der immense Zeitenunterschied zwischen den beiden liegt allerdings nur an den unterschiedlichen Reifenmischungen der KTM-Piloten. Während Pol mit dem weicheren Pneu auf Bestzeitenjagd ging, sah Smith für solche Unternehmungen keinen Grund. "Der Reifen, den heute alle für ihre schnelle Rundenzeit verwendet haben, wird nächsten Oktober nicht zur Verfügung stehen. Warum sollte ich also eine Rundenzeit jagen, die am Ende für die Rennsimulation völlig unwichtig ist?", stellt Smith eine berechtigte Frage in den Raum. "Ich ziehe es vor, an Problemen zu arbeiten, die sich ändern lassen."

Espargaro hingegen freut sich nicht nur über seine bessere Zeit, sondern auch über die Konstanz, die er mit seinem neuen Motorrad an den Tag legen konnte. "Es war schön zu sehen, dass wir auf beiden Reifen unsere Zeiten über mehrere Runden halten konnten. Es war nicht nur eine schnelle Runde", erklärt der Spanier. "Wir können einen Rhythmus und die Pace halten."


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