MotoGP

Kleiner Mann mit großer Bedeutung - Pedrosa im Titelkampf Zünglein an der Waage?

Der Titelkampf zwischen Valentino Rossi und Jorge Lorenzo spitzte sich in Aragon weiter zu. Wird am Ende Dani Pedrosa zum MotoGP-Königsmacher 2015?
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - 14 Punkte liegt Jorge Lorenzo nach seinem Sieg von Aragon in der Weltmeisterschaft noch hinter Valentino Rossi zurück. Bei noch vier ausstehenden Rennen nicht viel, sollte Lorenzo aber auch nur in einem der verbleibenden Grands Prix Probleme haben, wird er wohl auf Hilfe von außen bauen müssen. Marc Marquez wurde gemeinhin bereits in der ganzen Saison als der Fahrer gesehen, der im Titelkampf zwischen den beiden Yamaha-Piloten den entscheidenden Vorteil zugunsten eines der beiden Piloten bringen könnte. Das Problem dabei für Lorenzo ist aber, dass Marquez ihm eben nicht nur helfen kann, sondern ihm mit durchaus großer Wahrscheinlichkeit wohl auch noch schaden wird, indem er ihm ein oder sogar mehrere Male besiegt.

Eine Angst, die Lorenzo im Zusammenhang mit Dani Pedrosa wohl eher nicht haben muss. Er ist zwar aktuell wieder schnell unterwegs, um unter normalen Bedingungen in einem Rennen die Pace von Lorenzo oder Marquez mitzugehen, reicht es aktuell aber wohl nicht ganz. Sehr wohl kann Pedrosa aber Valentino Rossi das Leben schwer machen und ihm Punkte abnehmen, wenn dieser wie zuletzt in Aragon wieder einmal ein schwaches Qualifying zeigt. Fast die gesamte Renndistanz hatte Rossi Zeit, um die Nuss Pedrosa zu knacken, biss sich am Ende aber die Zähne daran aus.

Pedrosa besiegte in Aragon Rossi im Duell um Platz zwei - Foto: Yamaha

Pedrosa schlägt Rossi mit eigenen Waffen

Pedrosa, im Vorjahr und vor allem in dieser Saison meist ein dankbares Opfer für Rossi, zog dem Altmeister in Aragon ganz einfach den Nerv. Spannend daran war, dass ihm das genau mit einer Taktik gelang, die Rossi perfektioniert hat. Gemeint ist der sofortige Konter bei einem Überholmanöver des Gegners. Ging Rossi in Kurve vier an Pedrosa vorbei, schlug der in Turn 5 zurück. Bremste Rossi am Ende der Start-Ziel-Geraden später, schlüpfte Pedrosa am Ausgang der ersten Kurve wieder durch. Stach Rossi im Linksknick vor der langen Gegengeraden innen hinein, ließ ihn Pedrosa ins Leere fahren und beschleunigte ihn in der Folge eiskalt aus.

Eigentlich ist das nicht so meine Stärke. Dass ich mich hier dann ausgerechnet gegen Valentino durchsetzen kann, freut mich natürlich sehr.
Dani Pedrosa

Keine Spur also vom zu zögerlichen Zweikampfverhalten, das Pedrosa in der Vergangenheit oft vorgeworfen war. Auch er selbst war nach dem gewonnen Duell gegen Rossi sichtlich stolz: "Eigentlich ist das nicht so meine Stärke. Dass ich mich hier dann ausgerechnet gegen Valentino durchsetzen kann, freut mich natürlich sehr." Und Pedrosa könnte in dieser Saison noch öfter Grund zur Freude haben, zeigte er doch auf Strecken wie in Sepang oder Motegi einige seiner besten Rennen in der MotoGP.

Pedrosa zurück im Spitzenfeld

Doch egal, welche Rolle Pedrosa nun im Titelkampf spielen wird, für ihn und seine Fans ist einzig und allein von Bedeutung, dass er zumindest wieder in einer Liga mit Rossi, Lorenzo und Marquez fährt, die Big-Four der letzten Jahre ihrem Namen also auch wieder gerecht werden. Viel wurde an Pedrosa, der am 29. September seinen 30. Geburtstag feierte, in der jüngsten Vergangenheit gezweifelt. Sowohl vor als auch nach seiner Armpump-Operation musste er eine Menge Kritik einstecken, doch nun scheint er seine körperlichen Beschwerden überwunden zu haben und kann so sein Leistungsvermögen zumindest wieder besser abrufen.

Pedrosa könnte für Lorenzo noch sehr wichtig werden - Foto: Repsol

Wie stark Pedrosas in Aragon wirklich war, zeigt ein Blick auf die Ergebnisse seiner Kollegen auf den drei weiteren Factory-Hondas. Marc Marquez wurde von der unbarmherzigen RC213V des Jahres 2015 einmal mehr abgeworfen, dieses Mal schon in der zweiten Runde. Cal Crutchlow belegte Rang sieben, 23 Sekunden hinter Pedrosa. Scott Redding verlor als Zwölfter gar 46 Sekunden auf seinen Markenkollegen.


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