Motorsport-Magazin.com Plus
Tipp
MotoGP / Hintergrund

Die Bradl-Bilanz aus drei Jahren - Bradl und LCR Honda: Highlights und Blamagen

Stefan Bradl durchlebte bei LCR Honda Höhen und Tiefen. Das Resümee einer sehr emotionalen Partnerschaft.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Stefan Bradls Zeit bei LCR Honda ist vorbei. Seit 2012 bestritt der Deutsche 52 Rennen für das Team von Lucio Cecchinello, in denen es einige Höhenflüge, aber auch einige Tiefpunkte und Rückschläge gab.

"Ich bin mit einem seltsamen Gefühl hier hergekommen. Es ist das letzte Rennen in einem Team, mit dem ich schöne drei Jahre hatte. Ich mag die Jungs und die Atmosphäre hier und am Sonntag werde ich wohl sehr traurig sein", sagte Bradl schon am Donnerstag vor dem Rennen in Valencia. Er sollte Recht behalten. Zum Abschied gab es am Sonntag Rang acht, ehe er kurz nach 15 Uhr seine LCR Honda endgültig an der Box abstellte.

Was bleibt aus Bradls drei Jahren in den Diensten von LCR Honda? Motorsport-Magazin.com mit einem Resümee ausgewählter Traum- und Horror-Rennen.

Die Glanzlichter

In Laguna Seca lief alles nach Wunsch - Foto: Honda

Laguna Seca 2013 - Fast perfektes Wochenende
An diesem einen Rennwochenende im Juli 2013 hing der Himmel über Laguna Seca für Bradl voller Geigen. Jorge Lorenzo und Dani Pedrosa waren nach Verletzungspausen angeschlagen, sodass es mit Marc Marquez und Valentino Rossi nur zwei fitte Topfahrer gab. Da Marquez auf seiner letzten Runde im Qualifying patzte, sicherte sich Bradl seine erste Pole Position. Im Rennen startete er gut und führte das Feld 18 Runden lang an. Marquez unterlag er am Ende zwar um 2,2 Sekunden, dennoch überwog die Freude über den ersten Podestplatz in der Königsklasse. "Es war sehr emotional, diesen besonderen Moment meiner Karriere gemeinsam mit meinem Vater, dem ich die Leidenschaft für diesen aufregenden Sport verdanke, zu feiern", sagte Bradl.

Le Mans 2012 - Auf Tempo der Werkspiloten
Im Qualifying hatte es Bradl im vierten MotoGP-Rennen seiner Karriere nicht über Rang 13 hinausgeschafft. Im Rennen zündete er aber den Turbo seiner Honda. Auf der Startrunde konnte er sich bereits um sechs Plätze verbessern und hing ab Runde vier Dani Pedrosa im Heck. Gemeinsam schnappte sich das Duo bis zur Zielflagge Cal Crutchlow und Andrea Dovizioso und kam hinter Lorenzo, Rossi und Stoner auf den Plätzen vier und fünf ins Ziel. Für Bradl war es das erste Spitzenergebnis, denn auch Pedrosa - zu diesem Zeitpunkt WM-Dritter - fehlten am Ende nur drei Sekunden.

Bradls erstes starkes Duell: Gegen Dovi in Mugello - Foto: Milagro

Mugello 2012 - Kampf um das Podium
In seinem neunten Rennen in der MotoGP durfte sich Bradl 2012 in Mugello zum ersten Mal berechtigte Hoffnungen auf sein erstes Podium machen. Mit einem gute Start von Platz acht übernahm er auf der ersten Runde Rang fünf und ließ wenig später auch Nicky Hayden hinter sich. Ab der fünften Runde fuhren Bradl und Andrea Dovizioso (damals bei Tech 3 Yamaha) Rad an Rad, ohne dass sich jemand entscheidend absetzen konnte. Bis drei Runden vor Schluss lag Bradl bei Start/Ziel-Durchfahrt immer knapp voran, doch dann wendete sich das Blatt um Nuancen. Am Ende gaben nur 0.046 Sekunden den Ausschlag und Bradl musste sich mit Rang vier begnügen.

Sachsenring 2013 - die erste Führungsrunde:
Nach Top-Zeiten in den Trainings war Platz vier in der Startaufstellung fast eine kleine Enttäuschung am Samstag. Doch Bradl startete sensationell und schob sich an Marquez, Crutchlow und Rossi vorbei. Als Führender bog er in die zweite Runde ein und gab erst auf der sechsten Lap seine Spitzenposition ab. Für Bradl waren es die ersten Führungskilometer in der MotoGP. Zunächst Rossi, später auch Crutchlow verdrängten Bradl aber schon nach zehn Runden von einem Podiumsplatz. Bis ins Ziel verlor zwar über vier Sekunden auf Rang drei. Dennoch egalisierte er damit sein bis dahin bestes MotoGP-Ergebnis.

Die bittersten Momente

Bradl führte am Sachsenring 2014 zwar, fiel aber weit zurück - Foto: LCR Honda

Sachsenring 2014 - Das Desaster-Rennen
Es hätte sein Rennen werden können. Bradl stand in Reihe eins und feuchte Bedingungen auf der Strecke sorgten für chaotische Verhältnisse nach der Einführungsrunde. Während alle Top-Piloten die Box für einen Wechsel auf das Trocken-Bike ansteuerten, stand Bradl mutterseelenalleine an der Spitze der Startaufstellung. In den Minuten zuvor hatte er das Setup seines Bikes im Grid verstellen lassen, um einen Trumpf gegen seine Rivalen zu haben.

"Das Umbauen der Hinterradfederung hat zu lange gedauert und die Mechaniker haben ein Teil verloren. Daher hatten wir keine Chance mehr, auch vorne noch umzustellen. Daher hatte ich ein Halb-Trocken/Halb-Regen-Setup mit dem ich durch die Gegend gefahren bin. Das war ein Griff ins Klo", gestand Bradl. Zwar führte er in den ersten Runden das Rennen an, fiel letztlich aber auf den 16. Platz zurück und fuhr damit das schlechteste MotoGP-Ergebnis seiner LCR-Ära ein.

Ein Knöchelbruch legte Bradl gegen Saisonende 2013 lahm - Foto: Milagro

Sepang 2013 - Knöchelbruch
An das Rennen in Sepang im Jahr 2013 werden sich Bradl-Fans nur mit Argwohn zurückerinnern. Im 4. freien Training rutschte der Deutsche in Kurve eins weg und schlitterte mit seiner Honda in die Auslaufzone. Eigentlich keine große Sache, wäre Bradl nicht mit seinem rechten Fuß an einem aufgerissenen Stück Kunstrasen hängen geblieben. "Mein Lenker hat sich kurz im Kunstrasen eingegraben und ein Stück davon ein wenig angehoben. Dort hat sich leider mein rechter Fuß verfangen. Ich habe den Schmerz sofort gespürt", sagte Bradl. Diagnose: Knöchelbruch. Die Folgen: Operation, Zwangspause in Sepang und auf Phillip Island sowie ein Rückfall in der WM-Wertung.

Katar 2014 - In Führung liegend out
Beim Eröffnungsrennen 2014 stand Bradl nur in Reihe drei, doch wieder einmal startete er ausgezeichnet und reihte sich hinter Jorge Lorenzo auf Platz zwei ein. Als der Yamaha-Pilot schon nach wenigen Kurven abflog, erbte Bradl die Führung und gab sie nicht mehr ab. Allerdings war das Rennen für Bradl bereits in Runde neun zu Ende. Beim Anbremsen von Turn 6, dem spitzesten Linksknick der gesamten Strecke, klappte das Vorderrad weg. "Viele Fahrer sind in Linkskurven gestürzt, also war die Feuchtigkeit vielleicht zu hoch und das hat das Gripniveau beeinflusst", vermutete Bradl nach dem Rennen.

Aragon und Valencia 2012 - Podiumschance weggeworfen
Im Saisonfinish seines Rookie-Jahres verspielte Bradl auf spanischem Boden gleich zweimal einen möglichen ersten Podiumsplatz - beide Male auf spanischem Boden. In Aragon befand sich Bradl im Duell mit Ben Spies um den dritten Rang, als er schon nach fünf Runden crashte. Wenige Wochen später in Valencia kämpfte Bradl mit Kats Nakasuga und Dani Pedrosa erneut um das Podium. Doch diesmal war in der zehnten Runde Schluss. So musste Bradl seine erste Saison ohne Podestplatz auf Rang acht der WM-Wertung beenden.


Weitere Inhalte:
Tissot