176,7 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit erreichte Valentino Rossi am Sonntag bei seinem Sieg auf Phillip Island im Rennen. Ein beeindruckender Wert, der den Kurs südlich von Melbourne zur aktuell schnellsten Strecke im Kalender der Motorrad-Weltmeisterschaft macht. Der Australien-Grand-Prix war auch das schnellste Rennen in den letzten zehn Saisons, doch zuvor waren die besten Piloten der Welt schon auf Kursen unterwegs, die Phillip Island in Sachen Tempo mit Leichtigkeit in den Schatten stellen. Hier wurden die schnellsten Rennen in der Geschichte der Motorrad-Weltmeisterschaft gefahren:

1. Spa-Francorchamps: 217,370 km/h

Barry Sheene feierte seinen einzigen Belgien-Sieg in Rekordzeit -
Barry Sheene feierte seinen einzigen Belgien-Sieg in Rekordzeit -Foto: Milagro

Vor mittlerweile 37 Jahren, also in der Saison 1977, erreichte Barry Sheene bei seinem Sieg im Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps unglaubliche 217,370 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Ein Wert, der bis heute nicht einmal annähernd erreicht wurde und wahrscheinlich einen Rekord für die Ewigkeit darstellt. Die damals noch 14,120 Kilometer lange Strecke verfügte mit Ausnahme der Haarnadel von La Source durchwegs über schnelle Kurven, was in Kombination mit langen Geraden das sagenhafte Tempo erklärt. Noch bis 1990 wurde in Spa auf der verkürzten Strecke gefahren, doch nach diversen Umbauarbeiten wurde der Schnitt von 1977 nie mehr erreicht.

2. Hockenheim: 203,959 km/h

Mick Doohan siegte 1992 in Hockenheim souverän -
Mick Doohan siegte 1992 in Hockenheim souverän -Foto: Milagro

Auch Platz zwei in der Hitliste der schnellsten Motorrad-WM-Strecken nimmt ein Kurs ein, den man heute hauptsächlich mit der Formel 1 in Verbindung bringt. Doch in Hockenheim wurde bis 1994 auf der alten Variante mit den langen Geraden durch den Wald auch Motorrad gefahren. Die Strecke mit ihren damals über 6,8 Kilometer war bekannt für legendäre Windschattenschlachten. Eine solche benötigte Mick Doohan 1992 aber gar nicht, um den Rekord von 203,959 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit aufzustellen. Ein Wert, der nach dem Umbau des Hockenheimrings und der Übersiedelung der Motorrad-Weltmeisterschaft an den Sachsenring aktuell und auch in Zukunft auf deutschem Boden unerreichbar scheint.

3. Monza: 200,293 km/h

Agostini und die MV Agusta waren in Monza ein unschlagbares Duo -
Agostini und die MV Agusta waren in Monza ein unschlagbares Duo -Foto: Milagro

Das Autodromo nazionale di Monza ist auch heute noch eine echte Hochgeschwindigkeitsstrecke, doch hat das aktuelle Layout im Vergleich zur bis 1973 gefahrenen Variante fast schon die Bezeichnung Mickey-Mouse-Kurs verdient. Keine einzige der heute drei Schikanen Variante del Rettifilo, Variante della Roggia und Variante Ascari war damals existent. Die 5,750 Kilometer lange Strecke verfügte nur über fünf wirkliche Kurven. Giacomo Agostini erreichte bei seinem Heimrennen 1967 200,293 km/h im Schnitt. In Anbetracht des damaligen Materials und der Sicherheitsvorkehrungen ein haarsträubendes Tempo.

4. Salzburgring: 194,420 km/h

Doohan liebte den Salzburgring -
Doohan liebte den Salzburgring -Foto: Milagro

Aktuell ist Österreich nicht Austragungsland eines Motorrad-Grand-Prix, doch bis 1994 war der Salzburgring unweit der deutschen Grenze nicht nur eine der bei Fahrern und Fans beliebtesten sondern auch schnellsten Strecken im Kalender. Im Wesentlichen bestand der Kurs aus zwei langen Vollgaspassagen mit der superschnellen Fahrerlagerkurve an einem und der engen Nocksteinkehre am anderen Ende. Mick Doohan bezeichnete die Gegengerade und die Anfahrt einst als seine absolute Lieblingspassage auf einer Rennstrecke: "Es war, als würde man versuchen, ein Motorrad bei 290 Stundenkilometern durch ein Nadelöhr zu fädeln, während man seine Gegner touchiert und an beiden Seiten von Leitplanken umgeben ist. Es war schnell und gefährlich, aber auch enorm lustig." Doohan ist es auch, der mit 194,420 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit aus dem Jahr 1994 den Rekord am Salzburgring hält.

5. Assen: 179,877 km/h

Rossi setzte sich 2004 in einem Duell gegen Sete Gibernau durch -
Rossi setzte sich 2004 in einem Duell gegen Sete Gibernau durch -Foto: Milagro

Als einzige derzeit noch im Kalender der Motorrad-Weltmeisterschaft befindliche Strecke schafft es der TT-Circuit von Assen in unsere Hitliste der schnellsten Kurse der Geschichte. Der Rekordwert von 179,877 Stundenkilometern wurde von Valentino Rossi 2004 aber noch auf dem alten Layout erzielt. Die traditionsreichste Strecke in der Geschichte der Geschichte der Motorrad-WM verfügte damals noch über viele überhöhte Kurven, was es den Piloten erlaubte, deutlich höhere Geschwindigkeiten zu erzielen, als das normalerweise möglich gewesen wäre. 2006 wurde diese charakteristische Eigenschaft aus Sicherheitsgründen entfernt und die Strecke völlig umgebaut. Seither liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit bei rund 170 km/h.