Cal, wie war die Erfahrung MotoGP bislang?
Cal Crutchlow: Scheiße, im Moment genieße ich es nicht so sehr. Es ist schwierig, weil wir noch nicht das richtige Setup für mich gefunden haben. Ich fühle mich noch nicht so wohl auf der Maschine. Aber wenn wir das schaffen, dann wird es laufen. Wenn das in Sessions oder Rennen so ist, dann war ich ganz gut unterwegs. Ich muss mich jetzt einfach bei jedem Rennen wohl fühlen. Ich muss so viele Strecken lernen und es ist schwierig, wenn man da hinkommt und erwartet, dass es gleich gut läuft.

Es gab aber ein paar neue Strecken für dich, auf denen du echt gut warst...
Cal Crutchlow: Ja, aber... wenn die Streckentemperatur hoch ist, dann haben wir noch Probleme mit der Maschine. Das ist momentan nicht so gut, denn es ist Sommer. Wenn wir arbeiten können, wäre das anders. Wir hätten nach Mugello testen sollen, war mein Gefühl. Wir hätten dort einiges herausfinden können. Aber das ist leicht gesagt. Wir müssen einfach weiterarbeiten und schauen, was passiert. Aber zu der Zeit, wenn wir die Strecke gelernt haben, fahren wir auch schon wieder ab.

Kannst du mir den Ablauf erklären, wie du eine Strecke lernst, wenn du am Dienstag oder Mittwoch dort ankommst?
Cal Crutchlow: Ich habe mir das alles schon viele Jahre im Fernsehen angesehen. Ich weiß also normalerweise, wo es hingeht, aber man erkennt die Steigungen nie. Daher ist es schwierig. Ich fahre mit dem Rad oder dem Scooter ein paar Runden. Das hilft. Es ist schön, wenn man an eine neue Strecke kommt, aber wenn die Jungs gleich in der ersten Session den Streckenrekord unterbieten, dann ist das einfach nur lächerlich. Da kann man nur schwer etwas dagegenhalten.

Cal Crutchlow lernt nicht mit Spielkonsolen, Foto: Milagro
Cal Crutchlow lernt nicht mit Spielkonsolen, Foto: Milagro

Spielst du auf der Playstation?
Cal Crutchlow: Nein. Ich spiele nicht auf der Playstation. Ich habe nicht die Zeit, um mit Kinderspielen herumzualbern.

Auf welche der kommenden Strecken freust du dich am meisten?
Cal Crutchlow: Keine Ahnung. Die nächsten muss ich erst lernen, aber ich freue mich auf Brünn und Misano, weil ich die kenne. Ich mag es aber, wie Laguna Seca aussieht, dort geht es gegen den Uhrzeigersinn, das sollte gut funktionieren. Aber es gibt auch andere Leute, die Strecken lernen müssen. Als Valentino Silverstone lernen musste, war er weiter zurück als ich. Ich denke, wir machen ordentliche Arbeit.

Wenn wir von den Rennlinien sprechen, wie groß ist da der Unterschied zwischen Supersport, Superbike und MotoGP? Einfach die Linien, nicht die Maschinen...
Cal Crutchlow: Da ist kein zu großer Unterschied bei den Linien. Die 600er Supersport ist näher an einem GP-Bike als das Superbike, das ist hundertprozentig so. Es fühlte sich ähnlicher an. Das Superbike ist völlig anders. Ich denke, nächstes Jahr wird die 1000er viel näher am Superbike dran sein.

Siehst du dir die Superbike-WM momentan auch an?
Cal Crutchlow: Jaja, ich schaue immer. Es läuft gut. Ich denke, es zeigt, wie hart es in der MotoGP zugeht, denn die drei, die an der Spitze der WM stehen, waren früher alle in der MotoGP. Das beweist immer wieder, wie schwierig es hier ist.

Wie sehen deine Erwartungen für den Rest der Saison aus?
Cal Crutchlow: Ich erwarte, dass ich hier [Sachsenring] auf dem Podest stehe und danach jedes Rennen gewinne (lacht). Nein, ich habe keine Erwartungen. Ich gehe einfach mit dem Gedanken ins Wochenende, dass wenn ich einen guten Job mache und mein Bestes gebe, ich zufrieden sein kann. Auf den Strecken, die ich kenne, erwarte ich stärker zu sein als auf Strecken, die ich nicht kenne. Misano und Brünn sollten mir besser liegen, aber wir werden sehen. Es ist leicht gesagt, aber es ist dann schwierig, wenn man dort ist.

Du bist ein großer Rad-Fan. Was ist dein Runderekord auf dem Mountain Circuit auf der Isle of Man mit dem Rad?
Cal Crutchlow. Eine Stunde 42 Minuten.

Cal Crutchlow trainiert gerne auf dem Rad, Foto: Milagro
Cal Crutchlow trainiert gerne auf dem Rad, Foto: Milagro

Wie oft fährst du dort?
Cal Crutchlow: Normalerweise immer, wenn ich Radeln gehe. Wir müssen immer auf die Strecke. Wenn ich auf der Isle of Man bin, muss ich die Strecke immer irgendwann kreuzen. Hin und wieder fahre ich die Strecke ganz ab. So um die Stunde und 42 Minuten war meine Bestzeit, denke ich. Das war aber im Winter, es war windig und regnete etwas, es könnte also um einiges schneller gehen.

Wie ist deine Beziehung zu Colin?
Cal Crutchlow: Die ist gut. Ich kann nichts Schlechtes über ihn sagen, er hilft mir wirklich toll. Alles läuft gut zwischen uns. Wir haben aber völlig verschiedene Fahrstile, daher ist es schwierig über Daten oder Abstimmungen zu reden. Das funktioniert bei uns einfach nicht, weil wir zu unterschiedlich fahren. Einer ist groß, der Andere klein, das geht nicht. Aber mit seinem Strecken-Wissen hilft er mir immer aus, das ist gut. Er ist ein guter Entwicklungsfahrer und weiß, was bei der Yamaha funktioniert.