Colin, wie geht's?
Colin Edwards: Ich bin heute Morgen aufgewacht, also kann es nicht so schlecht sein.
OK, und wie geht es den Verletzungen?
Colin Edwards: Die Rippen tun noch etwas weh, das dauert einfach Zeit. Das Schlüsselbein fühlt sich toll an.
Beschreibe die bisherige Saison aus deiner Sicht...
Colin Edwards: Es gab einen tollen Moment, aber nichts Besonderes. Die letzten Rennen... das Problem als Motorrad-Rennfahrer ist, man erinnert sich normalerweise immer ans letzte Rennen und nicht die ganze Saison. In Assen haben wir etwa eine schlechte Reifenwahl getroffen. Da sollte man nie einen weichen Vorderreifen fahren, aber weil das Wetter so schlecht war, haben wir einen Vorderreifen verheizt, der ein besseres Ergebnis gebracht hätte. In Mugello fuhren wir im Rennen mit dem weichen Reifen, als wir einen harten hätten nehmen sollen. Es war nicht toll, aber wir hatten ein paar Momente.
Wie läuft die Arbeit mit Cal? Geht es gut, bist du mit ihm befreundet wie mit Ben?
Colin Edwards: Ja, ich und Cal verstehen uns gut. Da gibt's keine Probleme. Er ist am Lernen.
Lernst du auch von ihm etwas?
Colin Edwards: Ob ich von ihm etwas lerne? Ich bin mir nicht sicher, ob ich noch viel von den jungen Leuten lernen kann. Sie können aber gerne so viel von mir lernen, wie sie möchten.

Vor einiger Zeit sah ich ein Video mit dir als Drill Sergeant. Wie war das?
Colin Edwards: Yamaha hatte da eine Idee, das Video für YES zu machen. YES ist einer meiner Sponsoren - Yamaha Extended Service. Die Idee kam auf, irgendwer schrieb das Drehbuch, sie fragten an, wann wir das machen können und wir sagten zu. Diese Art Arbeit geht mir recht leicht von der Hand, wir haben das in einem Tag durchgezogen.
Es ist kein Geheimnis, dass du ein Freund von Schusswaffen und dem Militär bist. Wie oft machst du Schussübungen hinter dem Haus?
Colin Edwards: Ich habe das früher oft gemacht. Während des Jahres habe ich nicht so viel Zeit, aber ich übe immer und spiele da mit Langdistanz-Zeug herum. Immer wenn ich Zeit habe, kommen ein paar Freunde vorbei und wir gehen schießen.
Trägst du an der Rennstrecke auch eine Waffe, irgendwo in der Kombi vielleicht?
Colin Edwards: Nein, aber manchmal wünsche ich mir, ich täte das.
Wie sieht deine Zukunft aus?
Colin Edwards: Keine Ahnung. Ich habe mir die Tour de France angesehen, vielleicht setze ich mich auf ein Rad und fahre damit ein wenig herum. Ich weiß aber echt nicht. Wir werden sehen, es gibt da ein paar Angebote. Wir werden sie gegeneinander abwägen und dann sehen, wo es hingeht.
Sehen wir dich nächstes Jahr auf einer 1000er?
Colin Edwards: Das ist möglich. Nächstes Jahr sind es ja alles 1000er - Superbike oder MotoGP. Es besteht also definitiv die Möglichkeit.
Ich habe auch ein paar Fragen von unseren Lesern. Die erste: hast du auch Motorräder zuhause, die du privat fährst?
Colin Edwards: Zuhause habe ich wohl 35 oder 36 Maschinen im Boot Camp. Nur eine davon fahre aber ich. Ich fahre nicht auf der Straße, ich bin jetzt seit circa 15 Jahren nicht auf der Straße gefahren.

Eine andere Frage von unseren Lesern: Cal hat gerade die Isle of Man besucht, möchtest du da auch einmal hin?
Colin Edwards: Ich war so 2001 oder 2002 dort. Damals war David Jeffries wirklich gut. Ich würde das Rennen sicher nicht mitmachen, da würde ich vorher nach Hause fahren und fischen gehen. Das ist eine ganz andere Welt. Ich habe einfach nicht die Gehirnkapazität, um die ganzen Bäume, Zäune, Brücken und Mauern im Kopf zu behalten, während ich fahre. Ich will einfach ans Limit gehen und dort kann man das nicht machen, dort muss man wissen, was man tut. Hut ab vor den Jungs, aber das ist nichts für mich.
Die letzte Leserfrage könnte etwas eigenartig klingen: glaubst du, dass Osama bin Laden wirklich getötet wurde?
Colin Edwards: Scheiße, das könnte eine große Verschwörung sein, wer weiß. Ich glaube nicht mehr viel von dem, was unsere Regierung sagt - das betrifft eigentlich jede Regierung. Ich denke, das ist alles nur für die Öffentlichkeit so. Teil deinen Bullshit aus und halte die Leute in der Bar. Ich weiß nicht, wenn es so ist, dann toll. Die Zeit wird es zeigen.

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