Mit fünften Plätzen gibt sich ein Valentino Rossi nicht gerne ab, doch in Barcelona konnte er die Position insofern gut wegstecken, weil es nach seiner Meinung wieder vorwärts gegangen war. "Auf der positiven Seite haben wir den Abstand zum Ersten halbiert und das ist nicht schlecht. Uns fehlten nur sieben Sekunden, in Le Mans waren es mehr als 14, aber diesmal konnte ich Stoner sogar sehen. Die anderen waren auch nicht weit weg", freute er sich.

Falsche Änderung

Mit Platz fünf wollte er aber auch keine große Feier anstimmen, vor allem weil er nach dem Training am Samstag etwas an der Maschine geändert hatte, um mehr Stabilität zu bekommen. Das wollte er im Warm-Up ausprobieren, aber da war die Strecke nass, weswegen man die Änderung im Rennen nur aufgrund der Erkenntnisse im Nassen eher blind einsetzte. "Aber vielleicht lagen wir damit falsch, weil ich in der Kurve rutschte und nicht zulegen konnte. Dadurch konnte ich meine Zeit nicht weit genug verbessern, um zumindest Dovizioso und Spies anzugreifen. Ich denke, hätten wir den Fehler nicht gemacht, dann wären sie in Reichweite gewesen."

Immerhin konnte er festhalten, dass die Front der Maschine in den vergangenen beiden Rennen besser war und er damit gut fahren konnte. Die Lösung dieses Problems hat aber andere Probleme aufgeworfen. Und gerade deswegen musste sich Rossi auch die Frage gefallen lassen, ob der verringerte Abstand zur Spitze nicht vielleicht eher an den Bedingungen als an einer Steigerung bei Ducati lag. Der Italiener räumte ein, dass Casey Stoner vielleicht noch schneller gekonnt hätte, doch er betonte, dass die weißen Flaggen, die das Rennen zum Flag-to-Flag-Race machten, am meisten störten, da es nie wirklich zu regnen begann, aber alle verunsichert wurden.

Einen Preis bezahlt

"Sieben Runden vor Schluss fuhr ich in den hohen 1:43ern und ich dachte, ich kann Dovizioso holen, um mir so Sic [Simoncelli] vom Leib zu halten, aber für diese Runden zahlte ich meinen Preis, denn die Reifen rutschten noch mehr", sagte Rossi, der das Rennen allgemein zum Einschlafen gefunden hatte, weil kaum überholt wurde. Auf der anderen Seite konnte sich der neunfache Weltmeister darüber freuen, mit seiner im November operierten Schulter erstmals in diesem Jahr ein Rennwochenende ohne Schmerzmittel durchgehalten zu haben. "Es fühlt sich jetzt etwas falsch an und wir müssen an der Reaktionsfähigkeit der Schulter arbeiten. Die ersten Einschätzungen waren etwas zu optimistisch, aber wir haben hart gearbeitet und die Kraft beginnt sich wieder aufzubauen."

Trotzdem wusste er auch, dass damit nicht alles eitel Wonne ist. Sollte bei Yamaha alles laufen und sollten bei Honda alle Fahrer fit und gut unterwegs sein, fehle nach wie vor ein wenig für Spitzenplätze, gab er zu. Daher muss er aktuell auch eher auf Fehler der Gegner warten. "Aber die Bereiche, wo wir arbeiten müssen, sind klar und Ducati arbeitet daran. Wir sind auf einem Weg, den wir jetzt fortsetzen müssen", erklärte Rossi. Wenn alles nach Plan läuft, würde er sich klarerweise in Mugello ein Spitzenergebnis wünschen, einen Sieg hält er dort aber doch für etwas zu optimistisch.

Das Getriebe-Fragezeichen

"Neben meinem physischen Zustand darf man dieses Jahr nicht ein großes Problem mit Namen Honda vergessen, wenn es um den Sieg geht. Sie muss man schlagen und da fehlt uns etwas." Unter anderem das passende Getriebe, das Honda dieses Jahr auf die Sprünge geholfen haben soll. Rossi betonte, er mache in diesem Punkt Druck. Die Einführung des Teils hänge einerseits mit der Motor-Rotation zusammen, andererseits sei er gar nicht sicher, ob das Getriebe dieses Jahr überhaupt noch kommen kann. "Ich denke, das Heck bei der Beschleunigung zu verbessern ist wichtiger als das Getriebe. Die Honda ist nicht nur wegen der Schaltung stark, die Honda ist aus mehreren Gründen stark", betonte er.