Jorge Lorenzo verlor am Samstagvormittat in Mugello durch Valentino Rossis Sturz und die dabei zugezogene Verletzung einen seiner härtesten Gegner im Kampf um den WM-Titel 2010. Freude machte ihm das keine. Denn Lorenzo musste in seinem Blog betonen, dass er immer nur gegen die Besten fahren will und Rossi ist eben einer der Besten, wenn nicht der Beste. "Wenn es nach mir ginge, würden immer noch alle Legenden des Sports fahren. Ich beziehe mich auf Leute wie Mike Hailwood, Giacomo Agostini, Kevin Schwantz, Eddie Lawson, Mick Doohan und so weiter. Ich würde alles geben, um gegen sie fahren zu können und deswegen hasse ich es jetzt, nicht gegen Rossi zu fahren", meinte Lorenzo.

Lorenzo zeigte aber vor allem viel Anteilnahme mit seinem verletzten Teamkollegen und meinte, er fühle sich schlecht, weil Rossi eine schwere Zeit habe. "Ich hatte leider selbst viele große Verletzungen, aber ich denke, nie so eine schlimme wir Rossi am Samstag. So eine Zeit ist schwer und mir tut es für ihn leid, denn im Krankenhaus vergeht die Zeit immer sehr langsam." Als seinen eigenen schlimmsten Moment bezeichnete Lorenzo den Unfall in Barcelona 2008, als er eine schwere Gehirnerschütterung davontrug und das Rennen auslassen musste. "Eine Knochenverletzung ist das eine, da weißt du, sie heilt, außer es gibt Probleme durch Verkalkung oder ähnliches. Der Kopf ist eine andere Sache und ich erinnerte mich zwei, drei Tage an nichts."

Eine dumme Geschichte

Daher fragte er damals auch alle fünf Minuten, wie er denn gestürzt war. Die Ärztin stellte ihm deswegen die Aufgabe, eine recht simple Geschichte zu wiederholen. "Ich schaffte es nicht einmal. Sie ging ungefähr so: 'Ana Perez hat zwei Kinder und ging in den Supermarkt, weil es zuhause keine Tomaten mehr gab und dort fand sie...' Sie ist dumm, aber ich erinnere mich nicht und ich gebe zu, dass ich Angst hatte", berichtete er. Zudem war eine Pupille damals größer als die andere, was auch Sorgen bereitet hatte, doch nach drei Tagen normalisierte sich wieder alles.

Lorenzo nahm auch Bezug auf sein Schild für Rossi, das er in der Startaufstellung in Mugello gezeigt hatte, worauf stand: "Vale, jeder kann Schmerz fühlen, aber nicht jeder kann eine Legende sein". Lorenzo hatte das Schild von Hand geschrieben und meinte, er habe es gemacht, da er so viel Unterstützung vom Team bekam, als er in Barcelona außer Gefecht war. Für ihn ist Rossi auch so etwas wie ein Lehrer, der allen gezeigt habe, wie man fahre und die Rennstrategie meistere. "Wir sind dankbar dafür, was er dem Sport gebracht hat und ich denke, er kommt wieder. Alle großen Champions haben solche Momente erlebt. Michael Schumacher hatte 1999 eine ähnliche Verletzung und gewann dann viele Titel."

Wie wäre das Duell ausgegangen?

Was das Rennen in Mugello betraf, so meinte Lorenzo, dass es eben manchmal passiere, dass Gegner wie Dani Pedrosa in Italien außerhalb der normalen Möglichkeiten unterwegs sind. "Dann muss man sich mit Platz zwei begnügen. Was mich geärgert hat, war die Tatsache, dass ich eine halbe Sekunde langsamer war als im Training. Das sorgt mich - aber auch nicht mehr als notwendig, denn jedes Rennen ist anders." Zum Ausgang des Titelkampfes ohne Rossi meinte Lorenzo, dass man annehmen könnte, wer auch immer am Ende gewinnt, hätte es wohl auch mit dem Italiener im Einsatz geschafft. Dennoch fand er diese Sicht nicht besonders aufbauend. "Ich bin dieses Jahr stärker als früher, ich habe schon zwei Rennen gewonnen und führe die WM an und jetzt werden wir nie wissen, was in einem Duell zwischen uns beiden passiert wäre."