Irre Aufholjagd in Mexiko: Nick Cassidy hat das 150. Formel-E-Rennen der Geschichte in Mexiko-City für sich entschieden und übernimmt die Führung in der Weltmeisterschaft. Für den Neuseeländer ist es der zwölfte Sieg in der Elektroweltmeisterschaft und der erste für Neueinsteiger Citroen, der zu dieser Saison Stellantis-Schwestermarke Maserati abgelöst hatte.

“Wir hatten einen Traumstart. Ich bin so stolz auf mein Team“, so Cassidy im Anschluss. Der Sieg in Mexiko gilt mittlerweile fast schon traditionell als gutes Omen. In den letzten drei Jahren wurde der Mexiko-Sieger jeweils am Ende des Jahres Weltmeister!

Cassidy verteidigt Sieg in packendem Vierkampf, Rowland wieder auf Podest

Cassidy, der nur von Startplatz 13 ins Rennen gegangen war, übernahm in einem Rennen mit durch unterschiedliche Attack-Mode-Strategien zahlreichen Führungswechseln, in der 30. von 38 Rennrunden die Spitzenposition und gab diese bis ins Ziel nicht wieder her. In einem packenden Schlussspurt, der sich zu einem Vierkampf um den Sieg mauserte, verteidigte Cassidy beherzt und setzte sich schlussendlich mit 0,651 Sekunden Vorsprung gegen Edoardo Mortara im Mahindra durch.

Dahinter komplettierte der amtierende Weltmeister Oliver Rowland den dritten Platz und stand damit als einziger Fahrer bei beiden der ersten zwei Saisonrennen auf dem Podest. Rowland sicherte sich P3 in der vorletzten Runde mit einem starken Überholmanöver gegen Jake Dennis im Andretti-Porsche, der das Auftaktrennen für sich entschieden hatte.

Porsche enttäuscht nach zwischenzeitlicher Doppelführung

Dennis musste den Schlussspurt nach einem Kontakt mit Mortara mit einem beschädigten Frontflügel überstehen und musste sich am Ende sogar nur mit Rang fünf begnügen, nachdem er in der Schlussrunde auch noch von Taylor Barnard (DS Penske) überholt wurde. Immerhin konnte der Formel-E-Weltmeister von 2023 aber noch den Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde in den Top-10 mitnehmen.

Nicht wie erhofft lief das Rennen derweil für das Porsche-Werksteam. Pascal Wehrlein, der als Mexiko-Spezialist gilt und in den letzten vier Jahren stets auf dem Podest stand, erreichte nur Rang sechs. Nachdem Wehrlein und sein neuer Teamkollege Nico Müller zu Rennbeginn noch teilweise über eine Doppelführung verfügt hatten, ging beiden im Strategiepoker nach und nach die Puste aus, wobei keiner letztendlich mehr im Spitzenkampf vertreten war. Besonders Müller wurde am Ende durchgereicht und holte nur P9.

Porsche trauert an diesem Wochenende um den ehemaligen Rennfahrer Hans Hermann, der am Freitag im Alter von 97 Jahren verstorben war und mit Porsche unter anderem die 24 Stunden von Le Mans gewann. Die Zuffenhausener gehen an diesem Wochenende anlässlich des 75-jährigen Motorsport-Jubiläums der Marke zu Ehren des 550 Spyder, mit dem Hermann 1954 den Klassensieg bei der Carrera Panamericana errang, mit einer historischen Silber-Sonderlackierung an den Start. Diese stand bereits vor dem Tod Hermanns fest.

Pole-Setter Sebastien Buemi schmeißt Rennen in Kurve 1 weg

Zwischen den beiden Werks-Porsche-Boliden reihten sich Pepe Marti im Kundenporsche von Cupra-Kiro und Jean-Eric Vergne im zweiten Citroen-DS ein. Für Marti sind es in seinem erst zweiten Formel-E-Rennen und seinem Horrorcrash beim Debüt in Sao Paulo die ersten Punkte in der Meisterschaft. Die Top-10 wurden von Rowland-Teamkollege Norman Nato abgeschlossen.

Eine Katastrophe ereignete sich gleich zu Beginn des Rennens für Pole-Setter Sebastien Buemi. Der Schweizer behielt am Start zunächst zwar die Führung, verbremste sich im Anschluss aber direkt kolossal in Kurve 1 und fiel bis auf den letzten Platz zurück! Doch da hörte das Drama nicht auf. Nachdem sich Buemi zwischenzeitlich wieder bis auf Rang sechs vorgearbeitet hatte, zog sich der Formel-E-Champion von 2016 einen Reifenschaden zu und war im Anschluss abgeschlagen Letzter. Schlussendlich beendete Buemi das Rennen auch auf dem letzten Platz.

Antonio Felix da Costa räumt Maxmilian Günther ab

Bitter wurde es in der 25. Runde auch für Maximilian Günther (DS Penske), der auf Punktekurs liegend in der Haarnadel von Kurve 5 von Jaguar-Werksfahrer Antonio Felix da Costa abgeräumt wurde, der sich aggressiv gegen seinen Jaguar-Vorgänger Cassidy zu verteidigen versuchte und sich dabei beim Bremsen verschätzte. Auch Dan Ticktum (Kiro-Porsche) wurde in die Situation verwickelt und stellte wie Felix da Costa seinen Boliden an der Box ab. Günther wiederum fuhr weiter, beendete das Rennen aber nur auf der zwölften Position. Gegen Felix da Costa läuft derzeit eine Untersuchung durch die Sportkommissare.

Für den ersten Ausfall des Rennens sorgte in der 17. Runde Nyck de Vries (Mahindra), der seinen Boliden in der Auslaufzone von Kurve 1 mit einem technischen Problem abstellte. Für de Vries war es das Ende eines gelaufenen Wochenendes: Nachdem er schon im Qualifying nur P19 erreichte, während sein Teamkollege Mortara Dritter wurde, war de Vries auch im Rennen bis zu seinem Ausfall weit von den Punkterängen entfernt. De Vries‘ Ausfall löste zunächst eine Full-Course-Yellow-Phase aus, die aufgrund anhaltender Bergungsarbeiten schließlich in der 20. Runde in ein vollständiges Safety-Car umgewandelt wurde. In Runde 22 konnte das Rennen wieder freigegeben werden.

Lola Yamaha Abt rund um das deutsche Team Abt Sportsline konnte das Rennen zwar mit beiden Autos beenden, verpasste jedoch anders als beim Saisonauftakt die Punkteränge. Während Lucas Di Grassi 13. wurde, belegte Zane Maloney P16.

Formel E 2026: So geht es weiter

Nach der langen Pause zwischen den ersten beiden Rennen geht es nun zunächst wieder etwas regelmäßiger weiter. In drei Wochen (31. Januar 2026) steht das Debüt-Rennwochenende der Formel E rund um das Hardrock-Stadium in Miami an, welches auch von der Formel 1 für den Miami Grand Prix genutzt wird. In der zwölften Saison der Formel E stehen insgesamt erstmals 17 Rennen an elf Austragungsorten an.