Spektakel zum Saisonstart: Jake Dennis hat das erste Rennen der neuen Formel-E-Saison für sich entschieden. Für den Briten ist es der siebte Sieg in der Elektroweltmeisterschaft. Er führt damit auch zum ersten Mal seit seinem Titelgewinn 2023 die Gesamtwertung der Formel E an.

In einem bis zum Schluss spannenden Rennen, in dem sich die Fahrer mit teilweise beinharten Methoden bekämpften, setzte sich der Andretti-Porsche-Pilot nach 30 Runden schlussendlich mit 1,349 Sekunden Vorsprung gegen dem amtierenden Weltmeister Oliver Rowland im Nissan durch. Rowland kämpfte sich mit einer starken Performance von Startplatz 13 nach vorne.

Horror-Crash bei Formel-E-Auftakt: Rote Flagge nach Überschlag

Für den größten Aufreger des Rennens sorgte ein Horror-Unfall von Rookie Pepe Marti (Kiro-Porsche) in seinem ersten Formel-E-Rennen. Der Spanier und ehemalige Red-Bull-Junior hatte das Cockpit beim US-amerikanischen Team vom Deutschen David Beckmann übernommen. Der Auslöser des Zwischenfalls lag zunächst in einem Unfall von Jaguar-Werksfahrer Mitch Evans in der 27. Runde. Der Neuseeländer krachte in die Barrieren der vorletzten Kurve, was eine Full-Course-Yellow-Phase auslöste.

Augenscheinlich verschlief Marti den Beginn der Full-Course-Yellow-Phase aber und fuhr mit hoher Geschwindigkeit ins Heck von sowohl Nico Müller (Porsche) als auch Antonio Felix da Costa (Jaguar). Marti überschlug sich, wobei sein Bolide im Anschluss sogar zu brennen anfing. Marti konnte das Auto aus eigener Kraft schnell verlassen und regte sich dabei sichtlich auf. Die Rennleitung rief zwangsläufig eine Rote Flagge aus.

Citroen bei Formel-E-Debüt auf Anhieb auf dem Podium

Für Felix da Costa beendete der Zwischenfall jegliche Chance auf Punkte. Zwar kam er auf Rang sechs gewertet an die Box während der Rot-Phase, jedoch mussten aufgrund des Kontakts Reparaturen an seinem Auto durchgeführt werden. Aufgrund dessen musste Felix da Costa den letzten Platz einnehmen und belegte im Ziel nur P11.

Das Podium komplettierte der amtierende Vizeweltmeister Nick Cassidy nach Start von P15 in seinem ersten Rennen für Neueinsteiger Citroen. Citroen steigt zu dieser Saison als Nachfolger von Konzern-Schwester Maserati als Partner der Monaco Sports Group (ehemals Venturi) in die Formel E ein.

Beide Deutsche in den Punkten bei starker Porsche-Performance

Für Porsche-Werksfahrer Pascal Wehrlein endete der Saisonauftakt auf der vierten Position. Rookie Felipe Drugovich schloss im zweiten Andretti-Porsche zunächst die Top-5 ab, während Wehrleins neuer Teamkollege im Werkteam, Nico Müller, Rang sechs belegte. Doch Drugovich erhielt im Anschluss an das Rennen zwei 5-Sekunden-Zeitstrafen, die ihn auf P12 zurückwarfen. Der Lokalmatador war unter Full-Course-Yellow-Bedingungen zu schnell gewesen und überholte währenddessen zudem Wehrlein und Cassidy. Müller rückte auf Platz fünf auf. Damit beanspruchten aber dennoch drei Autos mit Porsche-Antrieben die ersten fünf Positionen.

Porsche hatte schon vor dem Start in die neue Saison für Schlagzeilen gesorgt. Ab der nächsten Saison (2026/27) werden die Zuffenhausener mit einem zusätzlichen zweiten Werksteam an den Start gehen. Das Formel-E-Starterfeld wächst somit wieder mindestens auf elf Teams an.

Nachgehakt: Audi weiter nur F1? – Porsche 2026 mit 2 Werksteams (09:12 Min.)

Mit Maximilian Günther als Sechster erreichte auch der zweite Deutsche im Feld die Punkteränge. Dahinter folgte das Envision-Jaguar-Duo rund um Vollzeit-Rookie Joel Eriksson und Routinier Sebastien Buemi.

Horror-Vorstellung von Mahindra nach teaminternen Crash

Für den indischen Autobauer Mahindra, der das Rennen von den Startplätzen drei und fünf in Angriff genommen hatte, verkam das Rennen zu einem Desaster. Zunächst war es zwischen den beiden Mahindras am Start in Kurve 1 zu einem Kontakt gekommen, als sich Nyck de Vries beim Bremsen verschätzte. Beide Piloten mussten in die Auslaufzone abbiegen und verloren mehrere Positionen.

Edoardo Mortara fuhr dabei in den Augen der Rennleitung zudem auch offenbar zu übermütig auf die Strecke zurück und erhielt eine 5-Sekunden-Zeitstrafe, da er die vor dem Wochenende ausgegeben Anweisungen des Rennleiters nicht befolgt hatte. Doch damit nicht genug: Nach sieben Runden musste schließlich de Vries an die Box zu einem Reifenwechsel kommen.

Dieser passte zudem der Rennleitung nicht, die gegen de Vries eine Durchfahrtsstrafe für einen „unsicheren Boxenstopp“ verhängte. Der ehemalige Formel-1-Pilot beendete das Rennen im Anschluss zwar dennoch auf dem zehnten Rang (P9 nach Drugovich-Strafe), nachdem er in der letzten Runde Zane Maloney im Lola Yamaha Abt überholt hatte, dürfte aber dennoch alles andere als zufrieden mit dem Rennverlauf sein. Maloney erbte nach der nachträglichen Strafe gegen Drugovich den letzten Platz in den Punkten und sorgte somit für ein Erfolgserlebnis beim deutschen Team Abt. Für Maloney ist es sogar der erste Punkt in der Formel E in seinem 17. Start.

In der 23. Runde folgte schließlich die Krönung eines gelaufenen Nachmittags als Mortara in Kurve 6 von Lucas Di Grassi (Lola Yamaha Abt) in die Mauer geschickt wurde. Mortara musste noch auf der Strecke abstellen, während Di Grassi sich noch zur Box zurückschleppen konnte, das Rennen aber auch aufgab. Der Vorfall löste eine Safety-Car-Phase aus.

Rowland beendet Rennen von Nissan-Teamkollege

Auch der von Platz zwei gestartete Dan Ticktum (Kiro-Porsche) war derweil ein Opfer der Startkollision. Der Brite wurde ebenfalls von de Vries getroffen, zog sich einen Reifenschaden zu und musste an die Box kommen. Dabei wurde es ihn noch schlimmer. Denn zu diesem Zeitpunkt zeigte das Auto einen unsicheren Zustand an. Die Cupra-Kiro-Boxencrew arbeitete aber dennoch daran, weshalb Ticktum eine Durchfahrtsstrafe erhielt. Zudem ließ Ticktum noch in der Boxengasse die Räder durchdrehen, was zu einer weiteren Durchfahrtsstrafe führte. Völlig frustriert stellte Ticktum sein Auto im Anschluss ab.

Kurioserweise blieb die Mahindra-Kollision nicht der einzige teaminterne Kontakt. In der 18. Runde kam es schließlich auch zwischen den beiden Nissan-Piloten Rowland und Norman Nato zu einem Kontakt, bei dem sich auch Nato einen Reifenschaden zuzog. Nachdem er in Anschluss an den notwendigen Reifenwechsel zunächst wieder auf die Strecke gefahren war, beendete auch der Franzose sein Rennen kurz darauf frühzeitig.

Auch Taylor Barnard (DS Penske) und Jean-Eric Vergne (Citroen-DS) beendeten das Rennen nicht, obwohl sich beide Piloten lange im Kampf um die Punkte befanden. Nach der Roten Flagge kehrte Vergne jedoch aus bislang unbekannten Gründen nicht mehr auf die Strecke zurück, während Barnard sein Auto eine Runde vor Schluss abstellte. Vergne erhielt zu allem Überfluss im Nachhinein auch noch eine 5-Sekunden-Strafe für zu schnelles Fahren unter Full-Course-Yellow-Bedingungen. Da er diese aber nach seinem Ausfall nicht mehr absitzen konnte, wird diese in eine Strafversetzung um drei Plätze in der Startaufstellung beim nächsten Rennen umgewandelt.

Formel E 2025/26: So geht es weiter

Nach dem Saisonauftakt im Dezember steht wie im vergangenen Jahr eine lange Pause an, bis die Saison 2026 fortgesetzt wird. Das zweite Saisonrennen steht am 10. Januar auf dem aus der Formel 1 bekannten Kurs in Mexiko-City an. In der zwölften Saison der Formel E stehen erstmals 17 Rennen an elf Austragungsorten an.