Pole Position, aber nicht Startplatz eins: Pascal Wehrlein erlebte einen dramatischen Auftakt in die Formel-E-Saison 2025/26 in Sao Paulo. Der Porsche-Werksfahrer machte im ersten Qualifying der Saison für das Rennen heute (live ab 18:00 Uhr bei DF1) eigentlich alles richtig und ließ die gesamte Konkurrenz hinter sich, wird in der Startaufstellung aber dennoch nicht Rang eins einnehmen. Dieser geht stattdessen an Rivale Jake Dennis im Kundenporsche von Andretti.
Kuriose Strafe kostet Wehrlein die Pole
Schon vor dem Finale der Qualifying-Duelle konnte Dennis kurioserweise bereits über Startplatz eins jubeln. Denn zu diesem Zeitpunkt wurde bekannt, dass Wehrlein in der Startaufstellung um drei Plätze nach hinten versetzt wird, da er in der Boxengasse während des Qualifyings die Räder durchdrehen ließ. Durch diese Strafe, die mit Sicherheit für einige Diskussionen sorgen wird, startet der Formel-E-Weltmeister von 2024 somit von Rang vier. Ein kleiner Trost: Zumindest die drei Punkte für die Pole Position nimmt Wehrlein trotzdem mit.
Wehrleins Porsche-Team hatte schon vor dem Start in die neue Saison für Schlagzeilen gesorgt. Ab der nächsten Saison (2026/27) werden die Zuffenhausener mit einem zusätzlichen zweiten Werksteam an den Start gehen. Das Formel-E-Starterfeld wächst somit wieder mindestens auf elf Teams an.
Formel-E-Urgestein nach geklärter Zukunft im Aufwind
Durch die Wehrlein-Strafe geht Rang zwei in der Startaufstellung derweil mit Dan Ticktum im Cupra-Kiro an einen weiteren Boliden mit Porsche-Antrieb. Edoardo Mortara (Mahindra) wird Rang drei vor Wehrlein einnehmen. Nyck de Vries im zweiten Mahindra schloss die Top-5 ab und sorgte somit für eine überaus gelungene erste Qualifying-Session für das seit Saison 1 (2014/15) in der Formel E vertretene Team.
Für Mahindra gab es zuletzt mehrere gute Nachrichten. Neben den sportlichen Erfolgen gab der indische Autobauer vor wenigen Wochen nach langer Unsicherheit bekannt, dass man auch in der Gen4-Ära ab 2026/27 als Hersteller in der Formel E bleiben wird.
Antonio Felix da Costa, der nach seiner unglücklichen Ehe mit Porsche nun beim Jaguar-Werksteam fährt und zuletzt medial gegen die Team-Kultur bei Porsche schoss, Norman Nato (Nissan) und Jean-Eric Vergne von Neueinsteiger Citroen belegten die Plätze sechs bis acht. Citroen steigt zu dieser Saison als Nachfolger von Konzern-Schwester Maserati als Partner der Monaco Sports Group (ehemals Venturi) in die Formel E ein.
Weltmeister Oliver Rowland verpasst Duelle und wird strafversetzt!
Eine Enttäuschung erlebte derweil der amtierende Weltmeister Oliver Rowland im zweiten Nissan, der als Fünfter seiner Qualifying-Gruppe ausschied und sich nur auf Rang zehn qualifizierte. Im Anschluss schwang bei Rowland bereits früh in der Saison Frust mit. „Leute, es tut mir leid, aber das ist nicht wie man es macht“, funkte er an sein Team.
Rowland wird zu allem Überfluss im Rennen auch um drei weitere Plätze in der Startaufstellung zurückversetzt. Kurioserweise stammt diese Strafe noch aus der Vorsaison. Beim Saisonfinale in London, bei dem Rowlands Nissan-Team im Kampf um die Team- und Herstellermeisterschaft Porsche unterlag, verursachte Rowland eine Kollision mit Nico Müller. Da Rowland im Anschluss selbst ausschied muss er die Strafe nun in Sao Paulo absitzen.
Porsche-Neuling Nico Müller und Rookies verpassen Top-10
Eigentlich wäre Rowland direkt hinter Mitch Evans im zweiten Jaguar gestartet, der sich Rang neun sichern konnte. Das Jaguar-Team hat in diesem Jahr nach dem Abschied des langjährigen Teamchefs James Barclay mit Ex-McLaren-Teamchef Ian James einen neuen Mann an der Spitze. James‘ McLaren-Team musste am Ende der vergangenen Saison nach dem Rückzug des Traditionsrennstalls die Pforten schließen, womit in diesem Jahr nur noch zehn Teams in der Formel E starten.
Die Top-10 wurden von Sebastien Buemi im Envision-Jaguar komplettiert, der direkt vor Nico Müller startet. Der Schweizer übernimmt zu dieser Saison das zweite Werks-Porsche-Cockpit von Felix da Costa. Die drei Rookies im Feld verpassten allesamt ebenfalls die Top-10. Bestplatzierter Rookie wurde Pepe Marti auf P14, der den Deutschen David Beckmann bei Kiro-Porsche abgelöst hat. Vollzeit-Rookie Joel Eriksson konnte den 18. Platz erreichen.
Für den dritten Rookie im Feld, Lokalmatador Felipe Drugovich (Andretti-Porsche) endete die Session verfrüht. Der ehemalige Formel-2-Champion war in Kurve 4 zu optimistisch beim Einlenken, traf auf der Innenseite die Mauer und musste seinen Boliden mit einer gebrochenen Radaufhängung abstellen. Der Vorfall löste eine Rote Flagge aus. Drugovich nimmt in der Startaufstellung Platz 17 ein. Direkt davor startet der zweite Deutsche im Feld, Maximilian Günther (DS Penske).
Abt-Pleite zum Auftakt: Letzte Startreihe!
Zu einem Desaster verkam das Qualifying für Lola Yamaha Abt rund um das deutsche Team Abt Sportsline. Sowohl Lokalmatador Lucas Di Grassi als auch Zane Maloney mussten ihre Autos bereits mehrere Minuten vor dem Ende ihrer Qualifying-Gruppen mit augenscheinlich technischen Problemen an der Box abstellen, ohne auch nur eine einzige schnelle Runde absolviert zu haben. Di Grassi konnte danach in einem hitzigen Austausch mit seinen Ingenieuren beobachtet werden. Zu allem Überfluss erhielt Di Grassi auch noch eine 3-Platz-Startplatzstrafe, da er während der Roten Flagge nicht genug verlangsamt hatte. Dies warf ihn jedoch lediglich hinter Maloney auf den letzten Platz zurück.
Auch bei Abt gibt es in dieser Saison Neuheiten, obwohl die Fahrerpaarung unverändert bleibt. Der langjährige Teamchef Thomas Biermaier hat sich zurückgezogen, seit dieser Saison leitet der ehemalige Techeetah-Boss Mark Preston die Geschicke. Preston ist im Gegensatz zu Vorgänger Biermaier keine Figur aus dem Abt-Lager, sondern ist Motorsportdirektor von Partner Lola Cars.
Reibungsloser Ablauf nach Desaster-Auftakt
Für die Formel E dürfte nach einem bislang reibungslosen Samstag in Sao Paulo mutmaßlich vor allem Erleichterung vorherrschen, nachdem jegliche Action auf der Strecke am Freitag unterbunden worden war. Aufgrund eines technischen Problems mit dem Funk musste nämlich die einzige Session, das erste Freie Training, abgesagt werden.


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