Formel E

Formel E 2018: Di Grassi stänkert gegen Qualifying-Lotterie

Lucas di Grassi fühlt sich beim Qualifying in Mexiko benachteiligt und macht seinem Ärger Luft. Warum gibt es überhaupt eine Quali-Lotterie in der Formel E?
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Lucas di Grassi hat es im Moment nicht einfach in der Formel E. Der amtierende Champion hat als einziger Fahrer im aktuellen Feld noch immer null Punkte auf dem Konto. Technische Schwierigkeiten begleiten den Audi-Piloten seit dem Saisonauftakt in Hongkong. Zuletzt kassierte er für die Rennen in Santiago de Chile und Mexiko auch noch Strafversetzungen in der Startaufstellung um 10 Plätze, weil Audi jeweils den Inverter in seinem Auto wechseln musste.

Alles wäre nicht schon alles schlimm genug, hatte di Grassi beim Mexico-City eProx obendrein auch noch Los-Pech. Er wurde in die erste der insgesamt vier Qualifying-Gruppen gelost - die meist schlechteste, weil sie das Zeittraining beginnen muss. Die ersten fünf Fahrer dieser Gruppe, die sich auf Zeitenjagd machen, sind wegen der schlechteren Streckenbedingungen zumeist benachteiligt.

Di Grassi: Format ist total nutzlos

Di Grassi setzte sich in seiner Gruppe zwar als Erster durch, wurde von den Fahrern in den folgenden Gruppen allerdings bis auf den zwölften Startplatz durchgereicht. Nach dem Qualifying hatte er die Nase voll und beschwerte sich via Twitter über das nicht unumstrittene Format, das so nur in der Formel E zum Einsatz kommt.

"Dieses Qualifying-System in der Formel E mit den Gruppen ist total nutzlos. Wenn du in Gruppe 1 bist, schränkt das dein Wochenende meist völlig ein. #NICHTFAIR", wetterte di Grassi kurz nach dem Qualifying in Mexiko. Obendrein kassierte er im Rennen auch noch eine 5-Sekunden-Zeitstrafe, weil er seine Inverter-Strafe, also plus 10 Plätze in der Startaufstellung, nicht vollständig absitzen konnte.

Immer wieder Beschwerden über das Qualifying

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Fahrer über die Auslosung der Qualifying-Gruppen beschweren. Vor allem bei den Rennen in Mexiko und Montreal waren die Piloten, die als erste auf die Strecke gehen mussten, häufig im Nachteil. So auch diesmal im Autodromo Hermanos Rodriguez, wo die Zeiten der ersten fünf Fahrer nicht mithalten konnten und am Ende zu den langsamsten gehörten.

Strecken wie Mexiko werden während der Saison nur selten genutzt. Deshalb sammelt sich häufig Staub auf dem Asphalt, den die Fahrer erst einmal 'runterfahren' müssen. Dazu stehen vor dem Qualifying nur zwei Trainings-Sessions zur Verfügung. Deshalb verbessern sich die Streckenbedingungen im Verlauf des Renntages konstant und bevorteilen dadurch zumeist die Fahrer, die in der Gruppe 4 und damit der letzten Qualifying-Gruppe starten.

Unterschiedliche Lösungen für Formel-E-Qualifying

Mehrfach war eine Veränderung des Formates seitens einiger Fahrer gefordert worden, konnte sich bislang aber nicht durchsetzen. Eine Idee sah vor, die Fahrer je nach Meisterschaftsstand in die vier Gruppen einzuteilen. So wären die fünf in der Gesamtwertung am besten platzierten Fahrer zusammen in Gruppe 4 gestartet. Mit Blick auf den Titelkampf sahen viele Beobachter diese Option als gerechteste Lösung an.

Hier zieht Daniel Abt seine Startgruppe für ein Formel-E-Qualifying - Foto: LAT Images

Eine weitere Idee war, nach der Gruppenphase ein weiteres Zwischen-Qualifying einzuführen. In dieser Session wären die jeweils Gruppenbesten gegeneinander gefahren, um anschließend in der Superpole die fünf vordersten Startplätze unter sich auszumachen. Auf diese Weise wäre es egal, wie die Streckenbedingungen sind - es wäre nur darum gegangen, sich in seiner eigenen Gruppe gegen die Konkurrenz durchzusetzen.

Rennstrecken verlangen nach Gruppierung

Die Auslosung der Gruppen gibt es seit dem Beginn der Formel E. Während in vielen anderen Rennserien wie der Formel 1 alle Fahrer zeitgleich auf Zeitenjagd gehen und sich für die nächste Runde qualifizieren können, wählte die Formel E einen anderen Ansatz. Der Grund: Die Serie fährt meist auf engen Stadtkursen. Wenn sich gleichzeitig 20 Fahrer auf der Strecke befinden, kommt es schnell zu Blockaden, in deren Folge Runden abgebrochen werden müssten. Um solche Staus auf den meist relativ kurzen Kursen zu umgehen, starten die Gruppen zu je fünf Fahrern nacheinander.

Ein ähnliches Modell gab es zum Beispiel in der deutschen Formel 4. Als das Starterfeld zeitweise rund 40 Autos groß war, wurden die Piloten in zwei Qualifying-Gruppen unterteilt. Die Startaufstellung des ersten Rennens ergab sich aus den schnellsten Rundenzeiten im Qualifying. Der Fahrer mit der absoluten Bestzeit startete von der Pole Position. Der schnellste Fahrer aus der anderen Gruppe belegte den zweiten Startplatz.

Die weiteren Autos wurden gemäß ihrer Qualifying-Gruppe hinter den beiden schnellsten Fahrern jeder Gruppe in der Startaufstellung aufgereiht. Somit war auch im Falle von unterschiedlichen Witterungsbedingungen größtmögliche Chancengleichheit gegeben. Die Gruppeneinteilung der Fahrer ergab sich aus dem Ergebnis im Training.

Abt: Gruppe 4 ist nicht immer die beste

Dass die Quali-Gruppe 1 in der Formel E nicht immer benachteiligt ist, zeigte sich kurioserweise beim diesjährigen Mexiko-Qualifying. Nicht nur di Grassi war nicht zufrieden, auch Audi-Teamkollege Daniel Abt war nicht unbedingt happy nach seinem sechsten Startplatz. Der Kemptener war in Gruppe 4 und der damit vermeintlich besten gestartet. Doch keinem der fünf Fahrer gelang es, sich für einen der vorderen fünf Plätze und damit für das Superpole-Shootout zu qualifizieren.

"Man hat gesehen, dass es nicht immer am besten ist, in Gruppe 4 zu sein", sagte Abt, der mit seiner eigenen Performance zufrieden war und die Gruppe als Schnellster beendete. Audi-Teamchef Allan McNish sagte: "Als Daniel seine Runde beendet hatte, war ich nicht sicher, wo er landen würde. Normalerweise wäre er schneller gewesen, aber aus irgendeinem Grund hatte diese Gruppe Probleme mit dem Grip."

So funktioniert das Qualifying in der Formel E

Die Fahrer werden mittels einer öffentlichen Lotterie am Freitag zufällig in vier unterschiedliche Gruppen mit jeweils fünf Fahrern gelost. Die fünf schnellsten Fahrer aus dem Quali ziehen in die Superpole ein. Hier darf jeder Fahrer eine schnelle Runde fahren, um sich eine bestmögliche Platzierung für das anschließende Rennen zu sichern. Der Rest des Feldes startet anhand der erzielten Rundenzeiten aus der Gruppenphase.


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