Die Strategen von McLaren Mercedes sind schon seit einigen Tagen mit Berechnungen beschäftigt. Der Auffahrunfall von Lewis Hamilton in der Boxengasse von Montreal bescherte dem Briten eine Strafversetzung, welche die Taktiker einplanen mussten. Hamilton selbst machte sich darüber wenig Gedanken, er hatte seit Donnerstag nur ein Ziel: "Ich muss auf die Pole Position fahren, um so nah wie möglich an den Top10 zu starten."

Diese Möglichkeit wollte ihm das Team geben. "Wir hatten die Pace, auf der Pole zu stehen", betonte Ron Dennis. "Das war der Platz, wo Lewis sein wollte und musste, um den Schaden der Strafe zu minimieren. Wir hatten die passende Spritmenge und die passende Reifenwahl, um auf der Pole zu stehen." Doch Hamilton fuhr nur die drittschnellste Zeit. "Es war ein enttäuschendes Qualifying für uns und ich muss mich beim Team entschuldigen", sagte Hamilton. "Ich habe keine gute Arbeit abgeliefert." Er machte auf beiden schnellen Runden im Q3 einen Fehler ausgangs Kurve 7 und verlor dadurch drei Zehntel. "So ist das Leben, ich habe gepusht und wollte das Beste aus dem Auto herausholen."

Noch gibt Hamilton das Rennen nicht verloren. "Kimi hat schon mal bewiesen, dass man von hinten vorfahren kann", klammerte er sich an den Strohhalm. "Wir haben noch immer eine gute Benzinmenge, um bis zum ersten Boxenstopp Plätze gutzumachen", fügte Dennis hinzu. "Wir wollen das Rennen noch immer gewinnen." Trotz der Stärke der Ferrari glaubt Hamilton an seine Pace. "Sie scheinen schnell zu sein, aber das ist nichts Neues. Unsere Pace ist auch gut und ich konnte sie im Q3 nicht voll ausschöpfen."

Lewis Hamilton entschuldigte sich beim Team., Foto: Sutton
Lewis Hamilton entschuldigte sich beim Team., Foto: Sutton

Demnach ist sich Hamilton sicher, dass McLaren mit einem starken Team und einem tollen Auto der einzige Herausforderer von Ferrari ist. "Leider hatten wir dieses Jahr öfter mal Pech, aber das kann jeden erwischen. Es ist noch eine lange Saison und ich habe keinen Zweifel daran, dass wir immer stärker werden und dieses Wochenende ist auch noch nicht vorbei.

Wie viel McLaren hinter den Kulissen investiert, verriet Dennis: "Wir haben hier Aerodynamikteile eingesetzt, die noch gar nicht für dieses Rennen gedacht waren." Eigentlich sollten sie erst in Silverstone zum Einsatz kommen. Auch wurden in der Nacht noch neue Teile eingeflogen, weil Hamilton bei seinem Ausflug am Donnerstag eines der neuen Aero-Sets beschädigte. "Das ist von außen nicht zu sehen, aber wir pushen hart, um konkurrenzfähig zu sein." Noch sei man in einer vernünftigen Position, um Ferrari im Titelkampf zu fordern. Denn BMW Sauber sieht Dennis nicht als Titelanwärter. "Aber wenn sie, wie in Kanada, gewinnen und dadurch Ferrari Punkte wegnehmen, ist das gut für uns." Mit Silverstone und Hockenheim erwartet Dennis zwei Strecken, auf denen McLaren sehr gut sein soll.

Heikki Kovalainen hilft das nichts. Er hatte sich mit einer schweren Spritladung als Fünfter qualifiziert, muss jedoch von Platz 10 ins Rennen gehen. "Er und Nakajima versuchten, Webber aus dem Weg zu gehen, doch dabei kam es zu Missverständnissen und dann gab es für Heikki keinen Platz mehr zum Ausweichen", beschrieb Dennis die Situation. Die FIA-Rennkommissare beurteilten die Szene so: "Das Fahrzeug mit der Nummer 23 fuhr sehr langsam auf einer Aufwärmrunde und hat dabei das Fahrzeug mit der Nummer 10 auf dessen schneller Runde behindert."

Kovalainen wollte sich dazu nicht äußern. "Ich versuchte aus dem Weg zu gehen, aber die Stewards haben so entschieden - mehr habe ich dazu nicht zu sagen." Da die Untersuchung und der mögliche Ausgang dieser dem Team noch während des Qualifyings bewusst waren, änderte sie Kovalainens Strategie für das Q3. "Die Zeiten sahen nicht rosig aus, aber das lag nur an meiner Strategie", verriet der Finne. "Wir passten seine Strategie an, um den Schaden zu minimieren", bestätigte Dennis. "Er hat angesichts seiner Spritmenge tolle Arbeit geleistet." Das sollen seine Boxenstopps im Rennen belegen. "Unser Auto ist gut", trauerte Dennis einer besseren Ausgangslage seiner Fahrer nach, "aber das hat sich nicht in unseren Positionen niedergeschlagen." Jetzt gilt es erneut, den Schaden zu begrenzen.