Immer wieder Ungarn. Gleich zweimal kündigte Jenson Button hier einen Teamwechsel an - beide Male zum jeweils anderen Team. Man nannte es Buttongate - I und II. Immer wieder Ungarn. Ein Jahr zuvor kochten die Emotionen hoch. Die Michelin-Laufflächen sollen nicht regelkonform gewesen sein. Man nannte es Tyregate - am Rennergebnis änderte das allerdings nichts. Fernando Alonso gewann in der ungarischen Hitze seinen allerersten Grand Prix und überrundete einen gewissen Michael Schumacher. Immer wieder Ungarn. Auch 2006 ging es auf dem Hungaroring heiß her, auch wenn die Temperaturen völlig entgegengesetzt zur Menge der Niederschläge standen. Man hätte es Chaosgate nennen können. Auch damals gab es einen Debütsieger: nach 113 erfolglosen Anläufen gewann Jenson Button seinen allerersten Formel 1-Grand Prix.

Jensons erster Sieg - in Ungarn. -
Jensons erster Sieg - in Ungarn. -Foto: Sutton

Immer wieder Ungarn. "Ich habe die Strecke nie besonders gemocht", gesteht Button heute. "Aber das hat sich im letzten Jahr geändert." Bei McLaren Mercedes darf man dem Ungarn GP seit letztem Donnerstag auch wieder voller Freude und ganz entspannt entgegensehen. Die Gate-Affäre des Jahres 2007 ist - zumindest vorläufig - vom Tisch. McLaren droht keine Strafe für die angebliche Spionageaffäre. Man nennt sie Stepney- und/oder Coughlan-Gate. Den Fahrern ist das sowieso egal. "Wir Fahrer müssen es auf der Strecke machen, dadurch, dass wir nach unseren besten Möglichkeiten arbeiten und fahren", gibt Felipe Massa die Richtung vor, die da lautet: volle Attacke.

Nach den technischen Problemen der letzten Rennen, muss Ferrari wieder Boden auf McLaren gutmachen. Bedenken wegen des Ausfalls seines Teamkollegen am Nürburgring hat Massa nicht. "Es ist wahr, dass wir in diesem Jahr ein paar Probleme mit der Zuverlässigkeit hatten; viele davon haben wir gerichtet und wir sind dabei, andere auszusortieren, inklusive derer, die wir zuletzt hatten", verriet er. Doch die Zuverlässigkeit ist nicht die einzige Sorge der Italiener. Immer wieder Ungarn. Der Hungaroring ist eine der kürzesten und langsamsten Strecken des Rennkalenders. Die Temperaturen sollen hoch sein, die Reifen werden wieder die beiden weichsten Mischungen sein, der Kurs verlangt nach viel Abtrieb und wenig Höchstgeschwindigkeit - alles ist in dieser Saison schon dagewesen, zum Beispiel in Monaco; dort sah Ferrari jedoch alles andere als gut aus. Droht ein weiteres Debakel wie beim Tyregate 2003?

Fernandos erster Sieg - in Ungarn. -
Fernandos erster Sieg - in Ungarn. -Foto: Sutton

"Wir werden in Ungarn angreifen, wo wir jeden widerlegen werden, der glaubt, diese Strecke passt nicht zu Ferrari", widerspricht Massa. "Auch wenn wir ein ähnliches Setup wie in Monaco verwenden, so fühlen sich die beiden Strecken völlig anders an", unterstützt ihn Nico Rosberg in seinem Glauben. "Der Hungaroring ist anstrengender, da es höhere Geschwindigkeiten und höhere Temperaturen gibt." Nur mit Überholmanöver wie beim Chaosrennen im Vorjahr oder beim nicht minder chaotischen Rennen am Nürburgring sollte niemand rechnen. "Ich habe in der GP2 herausgefunden, dass es schwierig ist, zu überholen", weiß Heikki Kovalainen, "und das heißt, dass es wie in Monaco grundlegend sein wird, ein gutes Qualifying für das Rennen zu haben."

Das Qualifying ist entscheidend auf dieser Strecke. Diesen Satz hört man in Ungarn immer wieder. Auch Bridgestone-Technikchef Kees van de Grint beschreibt die Siegchancen von einem Startplatz außerhalb der ersten Reihe als äußerst gering. "Außer man hat eine sehr clevere Strategie." Da war doch mal was? 1998 gewann Michael Schumacher vom 3. Startplatz mit einer Dreistoppstrategie, schnellsten Rennrunden am Stück und Problemen bei Mika Häkkinen. Doch das ist die Ausnahme; wenn die Wettervorhersage stimmt - aber wann ist schon der Fall? "Im vergangenen Jahr haben wir für extrem hohe Temperaturen getestet, und dann hatten wir weniger als 20 Grad und Regen", erinnert sich Robert Kubica. In diesem Jahr ist die Vorehrsage das gleiche. "Aber alles kann passieren." Immer wieder in Ungarn.