Egal ob Patrick Faure, Nick Fry oder Bernie Ecclestone: Zu Beginn dieses Jahres waren alle Verantwortlichen sicher, dass man bis zum Saisonbeginn in Bahrain eine Lösung im Konflikt zwischen den Rechteinhabern und den Automobilherstellern finden würde. Doch es geschah nichts.

Am Rennwochenende in Bahrain hörten wir wieder pausenlos, dass es in den kommenden Tagen zu einer Einigung kommen würde. Es geschah wieder nichts. Drei Rennwochenenden später verblüffte Renault-Teamchef Flavio Briatore am Freitag in Imola mit der Aussage, dass man kurz davor stehe eine Vereinbarung zu unterschrieben.

"Wir werden bei Bernie unterschreiben, ja", verriet er gegenüber Autosport. "Aber wir haben noch nicht unterschrieben. Ich hatte gerade keinen Stift. Aber wir wollen so früh wie möglich unterschreiben." Am besten noch am gleichen Wochenende in Imola. Es geschah jedoch nichts.

Es gibt nichts, um zu unterschreiben

Der Grund dafür ist schnell erklärt: Es gibt noch gar kein Concorde Agreement oder eine sonstige Vereinbarung, die man unterschreiben könnte. Das bestätigte ein GPMA-Sprecher gegenüber motorsport-magazin.com. "Es gibt sowohl einen schriftlichen Entwurf seitens der Rechteinhaber, also der CVC und Bernie Ecclestone, als auch ein Dokument der Hersteller, in dem sie darlegen, wie sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen", erklärte der Herstellersprecher. Einen konkreten und unterschriftsreichen Vertrag gibt es aber noch gar nicht. Deshalb ist nicht ganz klar, was Flavio Briatore denn unterschreiben möchte, sobald er seinen Kugelschreiber gefunden hat...

Eine Bestätigung für diese Aussage lieferte McLaren-Boss Ron Dennis. "Es gibt einige Entwürfe, aber es gibt noch viel zu tun, bevor wir ein Dokument haben, mit dem wir alle zufrieden sind." Das gemeinsame Ziel sei es die F1 "zu stärken und zu stabilisieren", so Dennis. "Wir können die F1 besser machen, wenn wir ein großes Ganzes sind."

Damit spricht Dennis die Grundprinzipien und Ziele der GPMA respektive deren Vorgängerorganisation GPWC an. Diese haben sich trotz der wechselnden Mitglieder und Führungspersonen niemals geändert: Noch immer versucht man der F1 zu mehr Stabilität, Transparenz und höheren sowie gerechter verteilten Einnahmen zu verhelfen.

Aber was heißt das eigentlich konkret? Die GPMA plädiert beispielsweise dafür, dass mehr Stabilität in den Rennkalender kommt und die Streckenbetreiber nicht finanziell am Hungertuch nagen müssen respektive Unsummen an Verlusten einfahren. Die Teams sollen mehr Mitspracherechte bei der Wahl der Strecken erhalten und den Streckenbetreibern einen gewissen Schutz bieten.

Aber auch die finanziellen Verhandlungen drehen sich nicht nur um die fünf Hersteller und deren jeweilige Teams. "Wir verhandeln, damit alle einen besseren Deal erhalten", sagte uns der GPMA-Insider. Allerdings lasse man sich nicht unter Druck setzen. Schließlich habe man das aktuelle Concorde Agreement bis Ende 2007 unterschrieben und habe man sich bei der FIA fristgerecht für die Saison 2008 angemeldet. Somit gibt es keinen Grund zur Eile oder für überhastete Vertragsabschlüsse.

Es wird vorerst nichts geschehen

Während die GPMA ihre langfristigen Interessen wahren möchte, drängt der neue Rechteinhaber CVC natürlich lieber heute als morgen auf eine Einigung. Die Angst des neuen Rechteinhabers ist klar: Wer so viel Geld in ein Investment steckt, möchte auch möglichst bald die Kosten refinanziert sehen und erste Gewinne einfahren. Problematisch ist jedoch der schwindende Einfluss auf das eigene "Produkt": Das Starterfeld hängt vom Ausgang der Verhandlungen und Max Mosleys Regeländerungs-Plänen ab. Der Zugang zum Paddock hängt von der Akkreditierungspolitik der FIA ab. Und eine Etablierung und Bewerbung der Marke Formel 1 unter marketingtechnischen Aspekten der freien Wirtschaft fand bislang nur äußerst spärlich statt.

Mittendrin steht Bernie Ecclestone, dessen Rolle wieder einmal ebenso undurchsichtig wie sein gesamtes Formel 1-Gebilde ist. "Sie haben ständig Meetings", sagte Bernie am Wochenende über die Hersteller. "Ich sagte zu ihnen: Schaut euch doch mal an, wie viel Geld ihr für Mineralwasser ausgebt. Das ist mehr, als ihr von mir wollt."

Den Grund für die vielen und andauernden Meetings nannte Bernie allerdings nicht: Das sind nämlich die ständig wechselnden Angebote seitens des F1-Zampanos. Einmal gibt es einen Deal ab sofort, dann einen ab 2008 und plötzlich sollen nicht mehr die Teams, sondern die Hersteller den Vertrag unterzeichnen. Das erklärt den vermehrten Gesprächsbedarf, über deren Inhalte sich die fünf Hersteller übrigens einig sein sollen. Die angebliche Kluft zwischen den GPMA-Mitglieder soll nicht existieren.

Nur Flavio Briatore tanzt gerne einmal aus der Reihe. "Sobald wir eine Lösung gefunden haben, werden wir am Nürburgring unterschreiben", kündigte der Italiener an. "Ich möchte auf niemanden warten. An irgendeinem Punkt müssen wir mit den Verhandlungen aufhören." Und so wird es auch im Rahmen des Europa GP am Nürburgring wieder einige Meetings geben. Aber auch da wird wohl nichts geschehen...