Der Februar könnte so schön sein: Täglich gibt es Neuigkeiten von den Testfahrten, die neuen Autos erblicken der Reihe nach das Licht der F1-Welt und die Vorfreude auf den bevorstehenden Saisonstart sorgt für jede Menge Spannung.

Crash. Boom. Max.

In diese Neujahrs-Idylle platzt in jedem Jahr mit juristischer Regelmäßigkeit FIA-Präsident Max Mosley herein. Jahr für Jahr sorgt er mit Regeländerungen und Änderungen an geplanten Regeländerungen für Schlagzeilen.

Renault steht gefrorenen Motoren offen gegenüber., Foto: RenaultF1
Renault steht gefrorenen Motoren offen gegenüber., Foto: RenaultF1

Auf diese Weise erlangten seine seitenlangen Regelbriefe und Faxe nicht nur bei Paul Stoddart einen gefürchteten Kultstatus. Die Inhalte variierten in den letzten Jahren vom Sicherheitsfeldzug, über den Parc Fermé-Wahn und die FIA-Sticker bis hin zu unsäglichen Qualifying-Änderungen, Aerodynamikbeschneidungen, Einbremsungsversuchen, Rillenmassakern und Motoren-Kastrationen.

Nachdem Max die Automobilhersteller in diesem Februar bisher nur mit seinem Vorschlag ihnen alle Einnahmen zu streichen verärgert hatte, folgte in den letzten sieben Tagen gleich ein mehrfacher Ideen-Rundumschlag, der den Plänen der fünf aktiven Automobilhersteller nur wenig bis gar nicht in den Kram passen dürfte. Schließlich wünschen sie sich die F1 als Schaufenster für technologische Entwicklungen.

Max Mosley plädiert hingegen für eine Kostenspar-Formel, in der die privaten Teams mit den Herstellern mithalten können. Um diese Zukunft planen zu können und gleichzeitig die Gefahr einer Konkurrenzrennserie zu bannen, warf Mosley den Herstellern am Montag den Fehdehandschuh vor die Füße.

Mosley möchte den Einschreibeschluss für die F1-Saison 2008 auf April 2006 vorverlegen. Auf diese Weise müssten sich die Hersteller in den kommenden Wochen entscheiden, ob sie 2008 eine eigene Rennserie betreiben oder der F1 erhalten bleiben möchten. Wer die Einschreibefrist verpasst, müsste wie das Super Aguri Team auf die Gnade der eingeschriebenen Hersteller und der FIA hoffen.

Allerdings macht Mosley den Herstellern wenig Hoffnung. Denn er plant auch ein Team-Limit von maximal 12 Rennställen zu etablieren. "Derzeit haben wir sechs Teams. Drei oder möglicherweise vier sprechen darüber, eintreten zu wollen. Und wir haben die fünf GPMA-Teams", rechnet Mosley vor, dass die Hersteller bei einer verpassten Fristwahrnehmung möglicherweise draußen bleiben müssen.

Nico machte den Aufstieg aus der GP2 in die F1 bereits vor., Foto: Sutton
Nico machte den Aufstieg aus der GP2 in die F1 bereits vor., Foto: Sutton

Dass er mit dem Team-Limit von 12 Rennställen seinen eigenen Worten von vor ein paar Wochen widerspricht, scheint der Präsident in Kauf zu nehmen. Noch vor wenigen Monaten hatte Mosley angekündigt, dass er bis 2008 zwölf und danach sogar vierzehn Teams in der F1 sehe. Diese Meinung scheint er aber genauso schnell geändert zu haben, wie jene über manche Regeln oder das Qualifying-Format.

Apropos Regeln: Am gleichen Tag verkündete Mosley einen Vorschlag, der es den Motorenherstellern ab der Saison 2008 drei Jahre lang verbieten soll ihre bei der FIA eingereichte Grundkonstruktion zu verändern. Lediglich Zuverlässigkeitsprobleme sollen in geringem Maße behandelt werden dürfen. Ansonsten sollen aus den teuersten Einheits-V8 dieser Tage (deren Dimensionen vom Reglement stark limitiert werden) 'billige' Langzeit-Einheitsmotoren werden, die das Kräfteverhältnis gleich auf drei Jahre hinweg festlegen.

Bis auf Renault war für diese Einfrierung des Motorenreglements angeblich kein Team oder Hersteller zu begeistern. Allerdings steigert dies die Spekulationen, wonach Renault aufgrund seiner Kostenspar-Initiative aus dem Herstellerverbund ausbrechen und sich der FIA anschließen könnte. Noch deutlicher wird dies, da Teamboss Flavio Briatore auch eine Einfrierung der sündhaftteuren Aerodynamik und deren vielfältigen Flaps, Winglets und Flügelchen fordert.

Wenn es nach Max Mosley geht, dann sollen F1-Teams zukünftig aber nicht nur ausbrechen, sondern auch auf- und absteigen können! Gemäß dem Ligensystem im Fußball soll es zwei F1-Klassen geben, wobei die besten GP2-Teams aus der zweiten Liga in die Königsklasse aufsteigen sollen.

Lustige Flügel, seltsame Regeln: Max ist für jeden Spaß zu haben., Foto: FIA
Lustige Flügel, seltsame Regeln: Max ist für jeden Spaß zu haben., Foto: FIA

Damit dies klappt, soll das Budget auf ein vernünftiges Maß begrenzt werden. Aus der GP2 erhielt Mosley für diese Pläne nur Kopfschütteln: Durango-Teamboss Ivone Pinton lehnte schon jetzt einen Aufstieg ab, da er das benötigte Budget niemals organisieren könne und er bei einem Abstieg viel zu viele Angestellte und Kostenpunkte hätte.

Der noch für den Saisonstart angekündigte Frieden zwischen der FIA und der GPMA sowie eine gemeinsame Zukunft scheinen derzeit in weiter Ferne zu liegen. Außer die Hersteller gehen auf Mosleys Holzhammer-Methode ein und lassen sich von der angedrohten Streichung der Einnahmen und der vielleicht bald vorgezogenen Einschreibefrist zu einer vorschnellen Unterschrift des neuen Concorde Agreements zwingen.

Im Kreise der GPMA hielt man sich zunächst mit Reaktionen zurück und ließ nur übermitteln, dass man sich dazu nicht äußern werde. Manchmal ist das wirklich das Beste. Nur Max scheint dieses Motto nicht zu kennen...