Ausgerechnet in Baku geht es zum ersten Mal für Audi mit einem Doppel-Aus in Q1 katastrophal schief. Vor den ersten Trainings hätte da wohl niemand drauf gewettet, war das Team doch mit einem riesigen Update-Paket nach Aserbaidschan gereist. Ist dieses Update ein Fehlschlag? Nico Hülkenberg sucht die Verantwortung eher bei Fernando Alonso.

Ein doppeltes Q1-Aus ist schließlich eine immense Enttäuschung. Nicht nur wegen den Updates - generell hatte Audi in der ersten Formel-1-Saison schließlich bisher solide Qualifyings abgeliefert. Bis Baku war immer mindestens ein Audi ins zweite Segment gekommen. Hier aber blieb Gabriel Bortoleto auf P17 mit deutlichen 0,264 Sekunden Rückstand hinter Liam Lawson hängen, Nico Hülkenberg auf P18 mit 0,385 Sekunden Rückstand.

Ausritt von Fernando Alonso kostet Nico Hülkenberg im Qualifying doppelt

"Es war Pech, ich sollte hier nicht stehen", sieht Hülkenberg das Ergebnis jedoch direkt nach dem Qualifying nicht als repräsentativ für das Potenzial des Autos. Auf seinem letzten Q1-Versuch hatte er nämlich Pech. Ein paar Sekunden vor ihm rutschte Fernando Alonso mit stehenden Reifen in den Notausgang von Kurve 15. Gelbe Flaggen kamen, Alonso fuhr direkt vor ihm wieder auf die Strecke.

Hülkenberg musste vom Gas gehen. Da es eine einfache gelbe Flagge war, hätte er aber die Runde zumindest noch beenden können. Doch das Pech verdoppelte sich für ihn. Vor ihm hatte auch Sergio Perez die gelbe Flagge passiert und seine Runde komplett abgebrochen. Er war es aber, von dem sich Hülkenberg auf dem Weg zur Ziellinie den Windschatten stehlen hatte wollen.

Der topspeedschwache Audi brauchte Windschattenhilfe erst recht. Gabriel Bortoleto hatte auf seiner besten Runde Windschatten gehabt und war die ganze Vollgas-Passage deshalb zwischen fünf und zehn km/h schneller als Hülkenberg gewesen. "Ohne ein Auto vor dir verlierst du gut eine halbe Sekunde auf der Geraden, damit fliegst du eindeutig raus", meint Hülkenberg. "Diese Kombination hat uns heute gekillt." Vor der gelben Flagge lag er vor der besten Zeit des den letzten Q2-Platz haltenden Liam Lawson und damit auf Kurs zu einem Q2-Aufstieg.

Doch bei genauerer Betrachtung hat die Geschichte einen weiteren Faktor. Lawson war eine halbe Runde früher schon Opfer einer anderen gelben Flagge geworden, für den in Kurve 3 ausrutschenden Lance Stroll. Das war überhaupt erst der Grund gewesen, warum Hülkenberg im Mittelsektor bis zu drei Zehntel Vorsprung auf den Racing Bull gehabt hatte.

Warum schwächelt Audi mit dem Update in Baku?

So ist die Story des Baku-Ergebnisses mehr als nur eine des Pechs. Nur im 1. Training war Bortoleto in die Top-10 gekommen. Danach schaffte es kein Audi mehr über P13 hinaus. Bortoleto bemängelt insgesamt ein zähes Wochenende: "Das ganze Wochenende hatten wir kaum Pace, kaum Grip, kaum Topspeed - und in Monza waren wir ja fast in Q3, obwohl es dort noch mehr Geraden gibt."

"Da steckt mehr dahinter, das müssen wir verstehen", mahnt Bortoleto davon, alles nur auf der Streckencharakteristik abzuladen. Das macht dann die Nachfragen nach den Updates unvermeidlich. Von Frontflügel über Unterboden bis zur Motorabdeckung und dem Heckflügel ist schließlich alles neu am Audi. In FP1 war man Vergleichstests gefahren, mit Hülkenberg noch in der alten Spezifikation. Ab FP2 setzten beide auf die neuen Teile.

"Ich glaube nicht, dass es das ist", winkt Bortoleto aber ab. "Fühlt sich an, als hätten wir mit dem Update Abtrieb gewonnen. Seltsam, ich weiß nicht, was das los ist. Das Update scheint zu funktionieren. Vielleicht haben die anderen Teams auch was gebracht, oder vielleicht ist es der Topspeed. Zu früh, das zu sagen."

Für Hülkenberg mag es da eine Verständnisfrage sein. Baku ist mit seinem glatten Asphalt und der fehlenden Vielfalt bei den Kurventypen eine ungewöhnliche Strecke. Technische Änderungen zu evaluieren und sofort zu verstehen ist hier schwierig: "Wir werden es in den nächsten Wochen sicher besser verstehen und mehr rausholen. Das Gefühl gestern stimmte zuversichtlich, direkt vom Start weg. Da habe ich keine Sorgen oder Fragezeichen, es ist sicher besser."