Audi fuhr mit Upgrades für den R26 für das Formel-1-Wochenende in Baku am Donnerstag groß auf. Ganze 14 Weiterentwicklungen hatten Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto in den Trainings am Auto. Die Resultate fielen jedoch wenig berauschend aus. Im zweiten Training fielen beide Fahrer im Klassement zurück. Hülkenberg hatte zudem im FP1 einen Getriebeschaden erlitten und wurde deshalb erst spät auf die neuen Teile umgerüstet. Die ersten Erkenntnisse sind ermutigend, doch die Pace muss erst noch umgesetzt werden.

"Wir müssen jetzt zu den Ingenieuren gehen, alles genau unter die Lupe nehmen und versuchen, bis morgen eine Lösung zu finden, denn im Moment sehen wir nicht gerade gut aus", erklärt Bortoleto, der vom ersten zum zweiten Training von P10 auf P14 abrutschte. Am Mittag hatten ihm 1,3 Sekunden auf die Bestzeit von Mercedes-Fahrer George Russell gefehlt. Im FP2 betrug der Gap auf den Briten, der abermals Platz eins holte, ganze zweieinhalb Sekunden.

Noch eklatanter waren die Abstände gegenüber der direkten Konkurrenz. Im Mittelfeld hatte im ersten Training Liam Lawson das Kommando. Der Neuseeländer fuhr im Racing Bulls auf die siebte Position und war dabei drei Zehntel schneller als Bortoleto. Im FP2 war Alpine-Pilot Pierre Gasly als Siebter der Leader im Mittelfeld – und dabei eine ganze Sekunde schneller als Bortoleto.

"Wir glauben, etwas konkurrenzfähiger zu sein, aber heute konnten wir das nicht zeigen. Hoffentlich können wir die Dinge für morgen in den Griff bekommen, denn im Moment haben wir einfach ein wenig Schwierigkeiten, den Grip zu finden", so der Brasilianer. Dass Audi die Track-Evolution nicht wie die Konkurrenz nutzen konnte, gibt ihm zu denken: "Die Strecke ist für alle staubig, daher würde ich nicht sagen, dass es daran liegt. Ich schätze, es ist einfach der Grip."

Nico Hülkenberg von Defekt gestoppt: Audi-Upgrades mit Verspätung am Auto

Für Nico Hülkenberg war es ein noch durchwachsenerer Trainingstag. Er sortierte sich in beiden Sessions im Klassement unmittelbar hinter Bortoleto ein. Im ersten Training fuhr er die alte Spezifikation des R26, während Bortoleto schon das Paket mit insgesamt 14 neuen Teilen am Auto hatte. "Es gab jede Menge Informationen zu sammeln und vieles, was wir erst einmal verstehen mussten. Die Sessions verliefen nicht ganz reibungslos, da es einige Herausforderungen zu bewältigen galt, aber das Gesamtbild ist ermutigend", sagt der 39-Jährige.

Im FP1 musste er fünf Minuten vor Schluss wegen eines Defekts am Getriebe abstellen. Das Auto kam daraufhin erst spät in der Garage an, weshalb das Team die neuen Teile bei ihm für das FP2 erst mit Verspätung montieren konnte. "Das Problem ist nichts, was uns zu denken geben sollte", gibt Audi-Renndirektor Allan McNish Entwarnung. Er macht sich stattdessen Gedanken über die neuen Teile, die in Baku noch eingeordnet werden müssen.

Audi leidet auf Formel-1-Kurs von Baku auf den Geraden

Denn Audi hat sich für das Wochenende auf dem Stadtkurs in Baku damit ein gehöriges Stück Arbeit aufgehalst. "Seit Österreich haben wir eigentlich nichts mehr ans Auto gebracht, es ist also schon eine ganze Weile her. Und das war immer Teil unseres Zeitplans, Teile zu diesem Rennen mitzubringen", so der Schotte. "Und das hier ist eine knifflige Strecke dafür, denn sie entwickelt sich natürlich ständig weiter."

Die Daten zeigen, dass Audi vor allem in den Highspeed-Sektionen einen großen Zeitverlust erleidet. Gegenüber Gasly verlieren Bortoleto und Hülkenberg schon in den ersten beiden Kurven drei respektive fünf Zehntelsekunden. Bis zum letzten Sektor bleibt der Brasilianer einigermaßen dran, kann in manchen Passagen sogar Zeit gutmachen. Im finalen Streckenabschnitt gibt es dann ab Turn 16 allerdings die Packung von der Konkurrenz.

"Die Strecke selbst lässt sich im Wesentlichen in zwei Bereiche unterteilen. Es gibt viele Kurven und dann gibt es im dritten Sektor eine riesige, lange Gerade. Es ist also ohnehin ziemlich klar, wo unsere Leistungsunterschiede auf dieser Strecke liegen", räumt McNish die Defizite unumwunden ein. Die Updates sollten aber unabhängig davon funktionieren: "Heute ging es nur um diesen Aspekt der Korrelation. Morgen geht es darum, es anzuwenden."

Monza-Performance macht Audi-Renndirektor Hoffnung für Formel-1-Qualifying in Baku

Hoffnung macht ihm die Audi-Performance aus Monza. Dort verpassten Bortoleto und Hülkenberg zwar das Q3 und wurden auch im Rennen nur Elfter und Zwölfter, doch das Team stand auf dem Highspeed-Kurs deutlich besser als erwartet da. "Genau wie in Monza ist es von Vorteil, wenn man im Windschatten fahren kann. Vielleicht nicht ganz in dem Maße wie in Monza, aber ich denke, es könnte von Vorteil sein, wenn man das nutzen kann", so McNish. "Was das Rennen angeht, hängt es davon ab, wie schnell man auf der Geraden ist – ob man überholt wird oder selbst überholt."