Der Baku City Circuit wird für Kimi Antonelli an diesem Formel-1-Wochenende zum absoluten Endgegner. Nachdem ihm gestern ein Defekt an seinem Mercedes den Trainingstag ruinierte, scheiterte er heute im Qualifying an den Mauern des Highspeed-Stadtkurses. Es war nur ein kleiner Fehler des WM-Leaders, der im Q1 zum direkten K.o. führte. Die Stimmung beim Shooting Star der F1 war selten so gedrückt. Im Rennen muss der Fehler korrigiert werden.
"Das war mein Fehler, sehr unnötig. Und ehrlich gesagt bin ich deshalb sehr, sehr wütend. Ich werde versuchen, es morgen besser zu machen", so Antonelli nach seinem frühen Feierabend gegenüber Sky Sports F1. Auf seiner zweiten fliegenden Runde hatte er am Scheitelpunkt von Kurve eins die Mauer touchiert und sich die linke Vorderradaufhängung abgerissen. "Das war eine Fehleinschätzung von mir, weil sich die Strecke so schnell veränderte. In Q1 einfach unnötig und ein guter Reminder, dass das für mich so nichts wird. Ich muss einen viel besseren Job machen."
In den Trainings am Donnerstag hatte er aufgrund eines Hydraulikdefekts nur die Hälfte des Pensums von George Russell absolviert, hatte sich im FP3 am Freitagmittag als Dritter aber scheinbar davon erholt. "Ich habe drei Viertel des FP1 und eine Hälfte des FP2 verpasst, da kommst du in keinen Rhythmus. Aber ich habe heute den Fehler gemacht. Es ist sicher beides, aber es geht auch auf mich. Ich war definitiv nicht zu 100 Prozent da", will Antonelli nicht nach Ausreden suchen.
Er hatte zwei Faktoren schlichtweg unterschätzt. Einerseits machte er den zunehmenden Grip für die beim Einlenken deutlich direktere Vorderachse verantwortlich, andererseits spielten auch die Windböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h eine Rolle. "Ich hatte im Vergleich zur Runde davor einen stärkeren Gegenwind, wodurch die Vorderachse direkter war. Ich habe in etwa an derselben Stelle eingelenkt, aber das Auto hat stärker eingelenkt und ich habe die Mauer gestreift."
Mercedes muss Kimi Antonelli zum Abstellen überreden
Nach dem Unfall in der ersten Kurve des 6,003 Kilometer langen Stadtkurses in Aserbaidschan wollte der 20-Jährige das Auto erst noch mit aller Gewalt zurück an die Box bringen, doch Renningenieur Peter Bonnington hatte die Lage schon überblickt. "Stell besser ab, Junge, das bekommen wir nicht mehr repariert", so Bono am Funk.
"Es war einfach frustrierend. Ich habe mein Bestes versucht, zurückzukommen, aber sie haben mir gesagt, dass der Schaden zu groß ist. Also musste ich abstellen, was noch nerviger ist. Ich hatte natürlich gehofft, dass sie es reparieren können. Denn meine Runde war ja noch okay, um weiterzukommen", erklärt Antonelli, der im Q1 mit seinem ersten Versuch vor dem Crash immer noch den 15. Platz belegte und damit ins Q2 einzog.
Mercedes-Deputy-Teamchef Bradley Lord glättete die Wogen am Mikrofon von Sky. "Das kann passieren, auch wenn es einem im Q1 doof vorkommen mag. Da geht es nicht wirklich um viel, aber es kann einfach passieren, wenn man ein Rennauto am Limit bewegt", so der Vertreter von Toto Wolff. Er sieht gute Chancen auf eine Aufholjagd: "Wenn er morgen in der frühen Phase des Rennens smart fährt, hat er sicher die Pace, um im Feld nach vorne zu kommen."
Formel 1 erwartet nächste Antonelli-Gala nach dem Monza-Wunder
Erst vor drei Wochen lieferte Kimi Antonelli bei seinem Heimspiel in Monza eine Gala ab. Nach einer Motorenstrafe ging er von Platz 19 ins Rennen und übernahm in Runde 18 erstmals die Führung, um das Rennen schlussendlich auch zu gewinnen. "Ihr solltet Kimi nicht abschreiben. Er ist in Monza von P19 gestartet, jetzt von P16 sollte er noch ein paar Runden früher in Führung gehen", schiebt Pole-Setter George Russell die Favoritenrolle sogar noch an den Teamkollegen ab.
Der Italiener ist nach seinem Fehler auf jeden Fall hochmotiviert, am Samstag nicht mit leeren Händen aus Baku abzureisen. "Ehrlich gesagt, Vollgas. Ich habe nichts zu verlieren und muss einfach mein bestmögliches Rennen fahren", kündigt er an. "Ich will mich am Start aus allem Ärger heraushalten und danach heißt es Angriff."
Vor dem Hintergrund der an diesem Wochenende dominanten Mercedes-Pace rechnet er sich beste Chancen aus, für eine Aufholjagd das richtige Tool zu haben. "Es wird hier aber sicher etwas härter als in Monza, weil das Überholen hier etwas schwieriger ist. Aber ich glaube, dass wir ein gutes Rennen haben können", sagt er. Der Teamkollege ist diesmal aber wohl außer Reichweite: "George macht hier einen unglaublichen Job. Er fühlt sich dieses Wochenende im Auto sehr gut, da macht er ganz klar den Unterschied. Da muss ich auch ehrlich sein."



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