Die Achterbahnfahrt von Mercedes am Formel-1-Wochenende in Baku setzte sich beim Qualifying am Freitag nahtlos fort. George Russell war für den Rest der Welt erneut eine Nummer zu groß und holte auf dominante Art und Weise seine fünfte Pole Position in dieser Saison und die zwölfte seiner Karriere. Auf der anderen Seite der Garage ging das Debakel weiter. Kimi Antonelli crashte bereits im Q1 und landete auf P16. Erster Verfolger von Russell war Ferrari-Pilot Charles Leclerc. Für Max Verstappen war nach Pech im letzten Run nicht mehr als Platz acht drin. Im Mittelfeld erlitt Audi das erste Doppel-Q1-Aus der Saison. Alle Reaktionen zur Formel 1 heute in Baku gibt es im Live-Ticker.

Nach Bestzeiten im Q1 und Q2 war George Russell im Finale der haushohe Favorit - zumal sich Mercedes-Teamkollege Kimi Antonelli mit seinem Fahrfehler bereits selbst eliminiert hatte. Der Brite war für den ersten Run das erste Auto am Pit-Exit, dahinter folgten Verstappen, Sainz, Norris, Piastri. Erst nach vier Minuten verließ Hadjar die Box, dann zogen auch Leclerc, Hamilton, Gasly und Colapinto nach. Alle Fahrer absolvierten auf dem Soft-Reifen mehrere Preparation-Laps, bevor sie auf dem 6,003 Kilometer langen Baku City Circuit auf Zeitenjagd gingen.

Mit 1:43.713 Minuten war der erste Versuch von George Russell nicht überzeugend. Lando Norris war knapp schneller, Oscar Piastri nahm dem Mercedes-Fahrer anderthalb Zehntel ab und stand damit zunächst an der Spitze. In den noch ausstehenden fünf Minuten war allerdings noch mit einigen Kontern zu rechnen, denn der Großteil der Fahrer war noch damit beschäftigt, Benzin zu verbrennen und die Reifen ins Arbeitsfenster zu bringen.

Der zweite Versuch von Russell war mit 1:43.037 Minuten eine deutlichere Ansage an die Konkurrenz. Franco Colapinto sorgte drei Minuten vor dem Ende mit einem Verbremser in Kurve 15 für eine gelbe Flagge. Der Argentinier konnte nach einem Wendemanöver in der Auslaufzone weiterfahren. In der Schlussminute demoralisierte Russell den Rest der Welt mit 1:42.526 Minuten und war damit unantastbar auf Pole Position. Als Zweiter verlor Charles Leclerc monumentale achteinhalb Zehntelsekunden auf den Mercedes-Fahrer.

McLaren hatte als einziges Team im Q3 auf zwei Reifensätze zurückgegriffen. Oscar Piastri holte mit einer letzten Verbesserung den dritten Platz. Lando Norris konnte seinen Reifen wegen eines Verbremsers in Kurve drei nicht nutzen und kam nicht über Platz fünf hinter Isack Hadjar hinaus. Der Franzose stach bei seinem Comeback nach der Verletzungspause Max Verstappen aus - der wiederum befand sich auf seinem letzten Versuch hinter Norris, als dieser sich verbremste. Damit war auch sein Run ruiniert, womit er hinter Pierre Gasly auf P8 hängenblieb. Lewis Hamilton landete vor dem Franzosen auf Platz sechs. Die Top-10 komplettierten Carlos Sainz und Franco Colapinto.

Qualifying - Session 3
Zwischenfälle:-
Top-5:1. George Russell - 2. Charles Leclerc - 3. Oscar Piastri - 4. Isack Hadjar - 5. Lando Norris

Q1 in Baku: Drama um Kimi Antonelli, Audi geht erstmals mit beiden Fahrern K.o.

Das war Q1: In Baku sind Unterbrechungen und Verzögerungen der Standard, dementsprechend ging auch das Q1 später als geplant los. Aufgrund von Reinigungsarbeiten auf der Rennstrecke startete der erste Teil über 18 Minuten mit einer Verspätung von vier Minuten. Die Sorge vor roten Flaggen war groß, sodass sich ein Großteil der Fahrer bereits am Pit-Exit aufgereiht hatte, als die Ampel auf Grün schaltete. Nach drei Minuten waren dann alle Autos auf der Strecke.

Die erste Messlatte legte Isack Hadjar mit 1:44.702 Minuten. Teamkollege Max Verstappen klagte derweil über Aufsetzen der Vorderachse beim Anbremsen. Er lag hinter Lewis Hamilton und Oscar Piastri auf Platz vier, verbesserte sich dann aber und schob sich vor Hadjar. Während George Russell mit 1:44.277 Minuten gleich darauf das Kommando vom Niederländer an der Spitze übernahm, eliminierte sich Kimi Antonelli selbst. Der Italiener touchierte in Kurve eins mit dem linken Vorderrad die Wand und riss sich die Aufhängung ab. Er wollte das Auto zurück an die Box bringen, doch Renningenieur Peter Bonnington wusste es besser: "Stell besser ab, Junge. Das werden wir nicht reparieren können." Für Antonelli war das Qualifying damit gelaufen, obwohl er mit seiner Rundenzeit für das Q2 qualifiziert war.

Drama gab es aber nicht nur bei Mercedes. Lando Norris funkte seinem Team, dass sein McLaren nicht richtig lief. Der Weltmeister blieb trotzdem draußen und war nur 13. Erst mit seinem letzten Versuch verbesserte er sich auf Platz sieben und zog damit ins Q2 ein. Auf den K.o.-Rängen befanden sich in der Schlussphase Oliver Bearman, Nico Hülkenberg, Fernando Alonso, Sergio Perez, Valtteri Bottas und Lance Stroll.

Von diesen Kandidaten konnte sich nur Bearman als 13. in die nächste Runde retten, und zwar auf Kosten von Gabriel Bortoleto. Der Brasilianer scheiterte als 17. knapp, eine Position hinter ihm schied auch Nico Hülkenberg aus. Damit flogen erstmals in dieser Saison beide Audi im Q1 raus. Dahinter machten wieder einmal Aston Martin und Cadillac die letzten beiden Startreihen unter sich aus. Auf Platz 19 entschied Fernando Alonso diesen Kampf zwar für sein Team, doch sowohl er als auch Stallgefährte Lance Stroll haben für das Rennen Startplatzstrafen infolge von Power-Unit-Wechseln.

Qualifying - Session 1
Zwischenfälle:Kimi Antonelli reißt sich die linke Vorderradaufhängung in Kurve eins ab und musste abstellen
ausgeschieden: 17. Gabriel Bortoleto - 18. Nico Hülkenberg - 19. Fernando Alonso - 20. Sergio Perez - 21. Lance Stroll - 22. Valtteri Bottas
Top-5: 1. George Russell - 2. Max Verstappen - 3. Isack Hadjar - 4. Lewis Hamilton - 5. Charles Leclerc

Q2 in Baku: Williams und Carlos Sainz mit Q3-Premiere

Das war Q2: Das 15-minütige Q2 lief nur eine Minute bis zur ersten gelben Flagge. Arvid Lindblad verbremste sich und musste in Kurve vier in den Notausgang. Der Rookie konnte nach einem Wendemanöver aber weiterfahren. Die ersten verwertbaren Rundenzeiten gab es erst nach sechs Minuten zu sehen. Auf dem Soft-Reifen (C5) hatte George Russell mit 1:43.686 Minuten beim ersten Schlagabtausch die Nase vorne. Charles Leclerc verlor als Zweiter anderthalb Zehntel, dahinter folgte das McLaren-Duo mit Norris und Piastri nahezu gleichauf. Beide verloren dreieinhalb Zehntel auf Russell. Lewis Hamilton war als Dritter auf dem Niveau der McLaren-Fahrer.

Red Bull musste als dritte Kraft etwas abreißen lassen. Isack Hadjar lag fünfeinhalb Zehntel über der Bestzeit, Max Verstappen war als Siebter noch einmal vier Hundertstel langsamer. Der Franzose konnte sich auf dem Soft-Reifen nach fünf Runden aber noch einmal verbessern und war danach Dritter. Verstappen brauchte sieben Runden, fuhr dann aber bis auf 0,020 Sekunden an die Bestzeit von Russell heran. Der wiederum verbesserte sich am Ende aber noch einmal auf 1:43.462 Minuten und distanzierte Verstappen damit um zweieinhalb Zehntel.

Vor der Schlussphase lagen Alex Albon, Liam Lawson, Arvid Lindblad, Franco Colapinto und Pierre Gasly außerhalb der Top-10. Die beiden Alpine-Fahrer hatten allerdings noch keine Rundenzeiten abgeliefert und setzten mit dem letzten Run alles auf eine Karte. Gasly schob sich auf die achte Position vor, Colapinto schaffte es im zweiten Anlauf als Zehnter ebenfalls ins Q3. Als Neunter löste auch Carlos Sainz sein Ticket fürs Finale. Für den Spanier und Williams bedeutete dies das erste Q3 der Saison.

Qualifying - Session 2
Zwischenfälle:-
ausgeschieden:11. Oliver Bearman - 12. Liam Lawson - 13. Alex Albon - 14. Esteban Ocon - 15. Arvid Lindblad - 16. Kimi Antonelli
Top-5:1. George Russell - 2. Max Verstappen - 3. Charles Leclerc - 4. Oscar Piastri - 5. Isack Hadjar

Das Wetter: Die Bedingungen waren am Freitag signifikant kühler als am Trainingstag. Beim Qualifying herrschten 24 Grad Celsius, am Vortag ging das FP2 zur gleichen Zeit um 16:00 Uhr bei 30 Grad über die Bühne. Der Asphalt war mit 35 Grad Celsius rund zehn Grad kühler. Aus südwestlicher Richtung wurden vom Kaspischen Meer her Windböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h verzeichnet. Die Luftfeuchtigkeit betrug 68 Prozent.