Damit hat sogar Mercedes nicht gerechnet. George Russell holt die Formel-1-Pole in Aserbaidschan. So weit so normal. Der Abstand dagegen ist alles andere als normal. Über acht Zehntelsekunden nimmt Russell Charles Leclerc auf Position zwei ab. Im Vergleich zu seiner ersten Runde in Q3 steigerte er sich um über eine Sekunde.

Etwas über eine Zehntel davon ist zwar auf Windschatten zurückzuführen, doch Russell weiß selbst: "Das ganze Wochenende von FP1 an hat sich schon toll angefühlt. Ich habe mich selbstbewusst gefühlt. Ich komme immer mehr mit diesem Auto und dem, was es von mir verlangt, zurecht."

Russell warnt: Schreibt Kimi Antonelli noch nicht ab!

Russells großer Weltmeisterschafts-Gegner heißt Kimi Antonelli. Der beförderte sich mit einem Fehler in Kurve eins aber selbst ins Aus. Das Rennen startet er von Position 16. Abschreiben will ihn Russell deshalb aber nicht. "Er ist in Monza als 19. gestartet, morgen als 16. Also sollte er ein paar Runden früher in Führung gehen."

Dabei dürfte der Brite ein ähnliches Ergebnis wie in Monza verhindern wollen. Dort startete Russell von Platz zwei, wurde aber noch von Antonelli überholt. Mittlerweile will sich der Brite aber wohler im W17 fühlen. "Es fühlt sich alles intuitiver an. Ich hatte aber auch einen Windschatten, der mir noch eine zusätzliche Zehntel gegeben hat", berichtet Russell.

Diese zusätzliche Zehntel ist auch in den Daten ersichtlich. Russell gewinnt im Vergleich zu seinen vorherigen Versuchen noch einmal rund 1,5 Zehntel. Und das obwohl der vor ihm fahrende Isack Hadjar rund vier Sekunden entfernt war. "Als ich den Abstand zu P2 gesehen habe, war ich geschockt." Dazu holt der Brite vor allem Zeit in Kurve 1 und der Schlosspassage. Die dürfte er in den vorherigen Versuchen konservativer angegangen sein.

Interessant ist, dass Russell auch bei seinem vorherigen Versuch hinter Hadjar fuhr. Allerdings war er dort noch weiter hinter dem Red Bull, ungefähr sieben Sekunden statt nur vier. Insgesamt wurden es so 0,837 Sekunden Vorsprung auf Charles Leclerc.

Seine letzte Runde war bereits Russells dritter Q3-Versuch. Mercedes blieb das gesamte Segment auf einem Reifensatz. "Nur McLaren ist in die Box gekommen. Die Reifen blieben einfach gut. Ich wollte dann einfach bei dem bleiben, was wir hatten."

Die große Diskrepanz zur ersten Runde entstand vor allem dadurch, dass Russell eine Sicherheitsrunde setzen wollte. "Ich wusste, dass die erste Runde nicht die beste wird, weil ich noch Sprit an Bord hatte. Ich wollte nur eine Sicherheitsrunde fahren. Die braucht man hier."

WM-Comeback? George Russell spürt keinen Druck

Mit mittlerweile 81 Punkten Rückstand sind die WM-Chancen für George Russell gering. Unmöglich ist eine Aufholjagd bei noch neun zu fahrenden Rennen allerdings nicht. "Seit der Sommerpause bin ich bei drei der vier Rennen in der ersten Startreihe gestartet", resümiert Russell.

Doch zu Antonelli ist es noch ein weiter Weg. "Die Performance heute war zwar großartig. Aber abseits davon war seine Performance diese Saison fast fehlerfrei", weiß Russell. "Ich glaube immer noch daran und ich werde weiterkämpfen, bis es unmöglich ist. Aber ich fühle keinen Druck, ich fühle Freude, wenn ich in das Auto steige. Weil ich mich wohlfühle."

Der größte Gegner abseits von Antonelli erwischte außerdem ebenfalls ein schwieriges Qualifying und startet nur von Platz acht. "Ich denke, eigentlich war Verstappen der größte Gegner." Theoretisch wäre damit der Weg frei zu Russells erstem Sieg seit dem Österreich-GP.

Auch im Qualifying kam es wieder zu engen Szenen auf dem Weg auf die Start/Ziel-Gerade. Über diese diskutierte die Formel 1 schon gestern. Wir haben im folgenden Video darüber gesprochen. Jetzt anschauen!

Beinahe-Crash in Baku: Hamilton verwarnt! Muss die FIA eingreifen? (15:57 Min.)