Die vonseiten der FIA vorgegebene Marschrichtung für die Zukunft der Formel 1 ist klar. Weg mit komplexen Hybrid-Turbomotoren, zurück zu einem simplen V8. Die Debatte um die für den Beginn der 2030er geplante nächste Motor-Revolution geht einher mit der Frage, ob das die Teilnahme von Audi bedroht. Konzern-CEO Gernot Döllner steckt nun die Rahmenbedingungen für den Verbleib ab.

Dass die 2026 eingeführte neue Motorformel sehr stark von den Interessen der teilnehmenden Autokonzerne geformt wurde, ist kein Geheimnis. Im Frühjahr, als der Frust über das daraus entstandene Energiemanagement-Produkt unter Fahrern und Fans den Höhepunkt erreichte, stellten FIA-Vertreter im Hinblick auf die nächste Generation klar: Man wolle "keine Geiseln von Autoherstellern sein, die entscheiden, ob sie Teil unseres Sports sind oder nicht."

Der FIA-Traum ist ab 2030 oder 2030 ein komplett neuer Motor. V8, betrieben mit nachhaltigem Treibstoff, eine minimale Hybrid-Komponente. Ist das nun aber etwas, das gerade Audi nicht will? Die Ingolstädter wurden schließlich zu nicht unwesentlichen Teilen mit der aktuellen Turbo-Hybrid-Formel mit ihrem hohen Elektroanteil an Bord gezogen.

Für Audi gibt es in der Formel 1 nur eine rote Linie

Bereits vor Monaten hatte das Audi-Lager verlautbaren lassen, dass man prinzipiell für die anlaufenden Diskussionen offen sei, aber auf jeden Fall einen Turbomotor haben möchte. Würde der von der FIA und von Präsident Mohammed Ben Sulayem erträumte V8-Sauger dann das Ende des Projektes bedeuten? "Nein, von einem roten Tuch würde ich nicht sprechen", stellt Audi-CEO Gernot Döllner auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com jetzt aber erst einmal klar.

Döllner umreißt positive erste Diskussionen mit der FIA und den anderen Herstellern in den letzten Wochen und Monaten: "Ich glaube, dass da ein ausgewogenes und vernünftiges Reglement am Ende herauskommt, wo Effizienz eine Rolle spielen wird, und sowieso nachhaltiger Kraftstoff. Also das wäre jetzt eine rote Linie, würde ich dann sagen. Dann wäre es irgendwann nicht mehr möglich. Aber das steht ja gar nicht zur Diskussion."

Solange das Thema Effizienz großgeschrieben wird, hat Audi kein Problem, das ganze zukünftige Motorkonzept für die 2030er auf den Prüfstand zu stellen und alle möglichen Ideen zu evaluieren: "Der restliche Prozess, das Abwägen zwischen Effizienz, Emotionalität, wie präsent sind die Motoren."

Formel-1-Projekt ist jetzt auch bei Audi voll angekommen

Gegen sinnvolle Budget-Kontrolle hätte sowieso niemand was. Simple V8-Motoren würden das Beschränken des Budgets relativ zu den aktuellen Hybrid-Triebwerken einfacher machen, selbst wenn schon die aktuellen Motoren unter einer Budget-Grenze entwickelt werden müssen. "Da bin ich sehr froh, das kann ich auch sagen, dass das, was dort diskutiert wird, zum Ziel hat, einfach mit geringerem Einmalaufwand die Antriebseinheit der Zukunft zu entwickeln", hebt Döllner hervor.

Insgesamt sei das Formel-1-Projekt laut Döllner inzwischen auch definitiv im Konzern angekommen, auch auf der emotionalen Schiene: "Der Zündmoment war eindeutig, als wir das erste Rennen in Melbourne hatten und die Mitarbeiter einfach stolz waren. Wenn man heute durch Ingolstadt oder Neckarsulm läuft, wie viele Kolleginnen und Kollegen da Teamkleidung tragen. Das zeigt glaube ich schon, was es auch mit der Firma macht."