Es sah nach einer perfekten Revanche für das Desaster beim Formel-1-Rennen in Monza aus. Lewis Hamilton drehte im ersten Q3-Run in Madrid die schnellste Runde und bevor alle für ihren zweiten Versuch ausrückten, sah es danach aus, als ob er endlich seinen Qualifying-Bann brechen und seine erste Pole Position in über drei Jahren einfahren könnte – und damit selbstverständlich auch die erste für Ferrari.

Doch dann kam alles anders. Nach dem letzten Run reichte es für die Roten nur noch für die Startpositionen 4 und 5 auf einer Strecke, die aufgrund ihrer Überholfeindlichkeit beim Debüt-Wochenende schon wenig schmeichelhafte Monaco-Vergleiche abbekommen hatte. Auch wenn seine Wortkargheit andere Schlüsse zuließ, betonte Hamilton über diesen Ausgang nicht unbedingt enttäuscht zu sein. "Ich denke, es war okay. Das Qualifying verlief ziemlich unkompliziert, wir hatten keine echten Probleme", lautete seine Bilanz.

Keine Ferrari-Pole: Hamilton verschießt sein Pulver schon im ersten Q3-Run

Seiner Ansicht nach entspricht das Qualifying-Ergebnis der Leistung seines Boliden, auch wenn der erste Run etwas anderes verheißen hatte. "Ich habe im ersten Q3-Run eine Super-Runde rausgehauen und dann konnte ich einfach nicht noch mehr Grip oder Power finden", erklärte der siebenfache Formel-1-Weltmeister. "Es war eine gute Ausführung des Teams, sie haben einen sehr guten Job erledigt, leider hatten wir nicht die Pace."

Dabei sah der Ferrari nicht erst im ersten Q3-Run schnell aus sondern schon seit Freitag. Dort mauserte sich der SF-26 in den Händen von Hamilton und Leclerc zum klaren ersten Verfolger von Mercedes. Doch im Vergleich zum Qualifying-Ergebnis legte die Konkurrenz bei McLaren und Red Bull in Form von Verstappen beziehungsweise Norris noch einmal eine deutliche Schippe drauf, während Ferrari auf der Stelle trat.

Monza-Crash schuld - Konnte sich Charles Leclerc deshalb im Qualifying nicht steigern?

"Ich denke, die meisten Leute haben für heute eine neue Power Unit oder eine neue Spezifikation eingebaut und ich hatte dieselbe Spezifikation", glaubt Charles Leclerc einen Grund für diese Stagnation in seinem Unfall letzte Woche auszumachen.

Während der Rest des Feldes für die Trainings noch einen alten Motor zur Verfügung hatte, hat Leclerc aktuell diesen Luxus nicht. Er ließ durchblicken, dass Ferrari im Moment noch untersucht, ob der Monza-Motor zu retten ist. "Wir müssen noch ein paar Checks durchführen, also sind wir noch nicht 100 Prozent sicher", so Leclerc.

So verlor Ferrari im Formel-1-Qualifying seine Rundenzeit

Gleichzeitig trat Ferrari seit dem Freitag wohl auch beim Setup etwas auf der Stelle, wie Lewis Hamilton bekräftigte. "Charles hat vielleicht eine Sache geändert und ich zwei", schätzte der WM-Dritte. Die Schwachstellen des Boliden lassen sich dabei auf mehrere Stellen herunterbrechen. Zum einen büßen beide Fahrer auf der Geraden zwischen den Schikanen von T5/6 und T7/8 über zwei Zehntel ein, was mit dem Batterieeinsatz zusammenhängen könnte.

Vor allem bei Leclerc fällt das stark ins Gewicht, da er bereits in der ersten Schikane eineinhalb Zehntel liegen ließ und somit schon nach dem ersten Sektor vier Zehntelsekunden hinten lag. Zweitens bekommen die Roten den letzten Sektor wie schon am Freitag immer noch nicht richtig hin. Zwar konnte man die letzten drei Kurven, wo im Training am meisten Zeit verloren ging, aussortieren, dafür büßen Leclerc und Hamilton nun im größtenteils rhythmischen zweiten Sektor und bis Kurve 20 konstant Zeit ein. Der Rückstand über die gesamte Runde wird nur von Norris' Fehler in der letzten Kurve etwas kaschiert, ansonsten wären die Ferraris wohl vier bis fünf Zehntelsekunden hinten und nicht nur zwei.

Hamiltons Ferrari-Prognose für das Rennen: "Landen neben dem Podium"

Der Madring verspricht vor seinem Formel-1-Debüt eine Veranstaltung mit nicht vielen Überholmanövern zu werden. Doch auf der anderen Seite ist der Reifenverschleiß, der aus einer Kombination von Graining auf den Vorderreifen und thermalen Verschleiß auf den Hinterreifen resultiert, enorm - und damit auch das Reifendelta pro Runde. Also ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen.

Hamilton glaubt trotzdem nicht daran, dass sich viel an den Positionen der beiden Scuderia-Fahrer verändern wird. "Unser realistisches Ziel für morgen? Direkt neben dem Podium", prognostizierte Hamilton. Also P4 - genau dort, wo er sich qualifiziert hat. "Hoffentlich können wir das Rennen richtig exekutieren und haben ein bisschen Pace. Auch wenn wir uns schwer tun werden zu überholen, wenn wir hart arbeiten, gibt es vielleicht eine Chance, auf das Podium zu kommen."