Nach Bestzeiten in allen drei Trainings war Mercedes als Favorit ins Qualifying der Formel 1 in Madrid gegangen, nur um in Q3 dann abgezockt zu werden. Kimi Antonelli muss sich aber wenigstens dabei nur über Kleinigkeiten und den zweiten Platz ärgern. George Russells vermeintliches Spätsommerhoch endet mit einer schwachen Vorstellung und Zweifel von Toto Wolff.

Russell hatte das Madrid-Wochenende mit Bestzeit in FP1 sehr gut begonnen, doch daran nie wieder anknüpfen können. Dabei verrannte er sich mehrfach beim Setup. Schon nach einem schwachen FP2 - 0,337 Sekunden Rückstand auf Antonelli - gab er das zu Protokoll, meinte, man müsse wohl wieder zurückbauen.

In FP3 kam er jedoch nicht in Fahrt. Für das Qualifying reduzierte Russell daraufhin erneut den Anstellwinkel des Frontflügels. Was wieder nicht funktionierte, wie Teamchef Toto Wolff danach im ORF-Interview verriet: "In der Session hat er es wieder reingetan. Dann weißt du nicht, was dich mit dem Auto erwartet."

Wolff zweifelt an Russell-Plan: Hier braucht man Vertrauen und Rhythmus

"Normalerweise musst du auf Stadtkursen Runde um Runde um Runde fahren, damit du immer näher an die Mauern kommst, da hilft das natürlich nicht, das Setup zu verändern", hat Wolff Zweifel an Russells Taktik. "Das müssen wir uns anschauen." Die Konsequenz war, dass Russell von Beginn des Qualifyings an wieder mit der Balance haderte. Nun plötzlich mit einer überhitzenden Hinterachse, die er davor nicht gehabt hatte.

So rutschte er gleich in Q1 leicht gegen die Wand. Der Rhythmus schien sich bis Q3 dann nicht einstellen zu wollen: "Ich fühlte mich, als ob ich dabei wäre, aber auf der letzten Runde war ich ungefähr drei Zehntel schneller, wollte in Kurve 11 härter pushen, und die Reifen gaben das nicht her. Dann war die ganze Zeit weg. Ein bisschen nervig."

Russell hatte raus aus dem Bereich von Kurve 8 bereits einen Quersteher, und schleppte die überbelasteten Hinterreifen dann über den Rest der Runde. Seine Sektoren zwei und drei brachten relativ zu seinem ersten Q3-Versuch keine nennenswerte Verbesserung. Damit zementierte er sich auf Platz sechs ein. 0,314 Sekunden hinter Kimi Antonelli.

Kimi Antonelli traut sich nach Fehler im Pole-Showdown nicht mehr

Und dabei ließ Antonelli auf seinem finalen Q3-Schuss ebenfalls Zeit liegen: "Ein bisschen in der ersten Schikane, und dann in Kurve 13 nach der Steilkurve. Da hatte ich auf dem ersten Versuch einen großen Rutscher gehabt. Dann hatte ich nicht mehr das Vertrauen, am Eingang erneut so hinzuhalten."

So hätte er die 11 Tausendstel, um die er letztendlich im Pole-Showdown gegen Lando Norris verlor, hier wohl finden können. Aber so läuft es eben auf einer so schwierigen Strecke wie in Madrid: "Mit den vielen Kurven, schnelle, langsame, Schikanen, da das Auto ins Fenster zu bekommen ist nicht einfach. Auch mit den Reifen ist die Balance zwischen Sektor 1 und dem Ende der Runde nicht leicht."

Anders als Russell bekam Antonelli das alles bis Q3 aber auf die Reihe und verlor gegen Norris wirklich nur mehr mit Kleinigkeiten: "Insgesamt war es eine saubere Runde, da gibt es nichts zu sagen." Bei der erwarteten Prozession ist mit einem Start aus der ersten Reihe wenigstens noch alles drin, zumindest mit einem guten Start.

"Der Start und der Weg zu Kurve 5 sind sicher wichtig", meint Antonelli. "Dann wird es schwierig, weil alle ähnlich schnell sind. Du musst entweder wen in einen Fehler treiben, oder hoffen, dass du besseren Reifenverschleiß hast und was strategisch machen kannst. Aber mit den engen Lücken wird Überholen sehr schwierig."