Schon im Vorfeld erwartete Max Verstappen für das Formel 1-Rennwochenende im königlichen Park von Monza "keine Wunder". Wie schlimm es tatsächlich um die Konkurrenzfähigkeit des RB22 steht, wurde in den Freitagssessions deutlich. Schnellster Pilot aus dem Hause Red Bull war im zweiten Freien Training nämlich weder Verstappen noch Liam Lawson, der abermals für Isack Hadjar einsprang, sondern Arvid Lindblad.

Der Rookie, der kurz nach der Halbzeit der Session zwischenzeitlich auf Platz drei hinter dem Mercedes-Duo rangierte, beendete das FP2 auf dem siebten Rang – zwei Positionen vor Verstappen. Während Lindblad und Max Verstappen lediglich 28 Tausendstelsekunden trennten, betrug der Rückstand auf den Trainingsschnellsten George Russell mehr als acht Zehntelsekunden. "Unser Rückstand auf die Spitze ist immer noch groß, aber ich hoffe, dass wir ihn im Qualifying über eine schnelle Runde etwas verkürzen können", meinte Verstappen.

Wie unsere Grafik zeigt, war Red Bull in den Trainings chancenlos auf den Geraden. Auch durch die Ascari-Schikane ließ man Zeit liegen.

Droht Red Bull eine Zandvoort-Wiederholung?

Der vierfache Champion hatte sein Cockpit in der ersten Session Red-Bull-Nachwuchsfahrer Ayumu Iwasa überlassen müssen. Als er am Nachmittag das Steuer übernahm, dauerte es keine zehn Minuten, bis er am Funk über fehlenden Abtrieb klagte. Ein Wechsel des Frontflügels in der Garage brachte keine Abhilfe. "Das Auto hat in den langsamen Passagen keinen Grip, in den Kurven 1, 2, 4 und 5 fühlt es sich an, als würde ich auf Eis fahren. Und die Bremsen funktionieren auch nicht", wetterte Verstappen am Funk.

Angesichts der langen Liste an Problemen räumte Technikdirektor Pierre Waché ein, dass der Mannschaft eine Nachtschicht bevorsteht: "Wir hatten ganz klar ein paar Probleme mit der Balance an Max’ Auto, ähnlich wie in Zandvoort. Daher müssen wir versuchen zu verstehen, woran das liegt." Bis zum dritten Freien Training wolle man versuchen, das Problem über die Abstimmung und die Komponenten des Autos in den Griff zu bekommen. "Wir haben einiges evaluiert und stehen nun vor wichtigen Entscheidungen."

Macht der Fahrer in der heutigen Formel 1 überhaupt noch den Unterschied? Ist die aktuelle Fahrzeuggeneration zu fehlerverzeihend geworden? Christian Danner liefert in unserem Video Antworten:

Verstappen-Theorie: Sind moderne F1-Autos zu einfach zu fahren? Danner: Da ist was dran! (04:38 Min.)

Updates bringen (noch) nicht den Performance-Sprung

Für den Italien GP hat Red Bull einige Updates im Gepäck. Unter anderem wurden die Endplatten des Frontflügels angepasst, um die Anströmung des Unterbodens und die Lastverteilung zu verbessern. Auch die Kantengeometrie des Unterboden-Latzes (Bib Edge) wurde überarbeitet, um mehr lokalen Abtrieb und aerodynamische Stabilität zu generieren. Zudem nahmen die Ingenieure Modifikationen am Auspuff und der Hinterradaufhängung vor, um die Zuverlässigkeit zu verbessern.

Das Hauptaugenmerk liegt im Moment jedoch auf der Fahrbarkeit. Auf die Frage, ob Red Bull im Qualifying zurückschlagen könne, antwortete Waché sachlich: "Genau das versuchen wir. Das gesamte Team arbeitet hart daran. Das Ziel bleibt es, ganz vorne mit dabei zu sein und aufs Podium zu fahren. Mal sehen, was wir erreichen können. Fangen wir morgen damit an."

Um Max Verstappens Ingenieur GianPiero Lambiase als Head of Racing zu ersetzen, holt Red Bull den erfahrenen Tom McCullough von Aston Martin. Seine Verpflichtung wirft Fragen auf. Mehr dazu in diesem Artikel: