Nach zwölf Saisonrennen liegt Lewis Hamilton mit 183 Punkten gleichauf mit George Russell auf Position zwei in der Fahrer-Weltmeisterschaft der Formel 1. Vor einem Jahr sah die Situation hingegen deutlich anders aus. Nach dem Niederlande-GP hatte Hamilton gerade einmal 109 Punkte und lag deutlich hinter der Spitze - und hinter Teamkollege Leclerc.

Die Aussagen aus diesem Artikel basieren auf unserem exklusiven Interview mit Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur in unserer-Print Ausgabe #110. Jetzt hier bestellen!

Nicht wenige zweifelten an Hamilton, sogar Hamilton selbst zweifelte im Laufe der Saison mehrere Male an sich selbst. Auch für Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur war das keine leichte Aufgabe. Doch Zweifel an Hamilton hatte dieser nie. "Ich unterstütze meine Jungs immer voll und ganz. Manchmal passt das Auto einfach nicht zum Fahrer und wir müssen es verbessern", so Vasseur.

Vasseur: Hamilton-Krise war mein Fehler

Im Gegenteil. Die Startschwierigkeiten Hamiltons 2025 nimmt Vasseur auf seine eigene Kappe. "Ich habe die Schwierigkeit dabei unterschätzt, dass er sich an das Team gewöhnen musste und das Team an ihn. Lewis war 20 Jahre im Mercedes-Umfeld", so Vasseur.

Hamilton begann seine Formel-1-Karriere 2007 bei McLaren-Mercedes, ehe er für die Saison 2013 zum Mercedes-Werksteam wechselte und dort bis 2024 fuhr. Schon als Junior unterstützte McLaren den Rekordweltmeister. "Nach 20 Jahren ging es wieder bei null los. Auch wenn die Software die gleiche ist, heißt sie vielleicht anders. Er musste 2.000 Leute kennenlernen. Diese Herausforderung hatte ich unterschätzt."

Alle Stationen in Lewis Hamiltons Formel-1-Karriere

ZeitraumTeamAnzahl RennenAnzahl Punkte
2007 - 2012McLaren-Mercedes1101.288
2013 - 2024Mercedes2463.530,5
2025 - 2026Ferrari36339

Dazu knirschte es an einigen Stellen. Über Funk hatte er mit Renningenieur Riccardo Adami immer wieder Meinungsverschiedenheiten und Probleme. Für die Saison 2026 holte Ferrari den ehemaligen Kimi-Räikkönen-Renningenieur Carlo Santi zurück an die Boxenmauer. Seither läuft die Kommunikation meist reibungsloser.

"Wenn ich es noch einmal machen müsste, würde ich viel mehr Zeit mit ihm und dem Team verbringen, um die Beziehungen zu den Ingenieuren aufzubauen", erklärt Vasseur.

Vasseur kritisiert Medien: "Ergötzen sich daran!"

Dazu war auch Hamiltons Vorbereitungszeit auf die Saison gering. 1,5 Tage standen den Piloten bei den Testfahrten in Bahrain zur Verfügung. "Dann kommt schon das erste Rennen. Dann kommen Tausende von Leuten und kritisieren, dass man nicht auf der Pole stand. Dazu war auch das Auto letztes Jahr nicht magisch. Das macht es noch schwieriger."

Nicht zuletzt sieht Vasseur aber auch die Medien in der Pflicht. "Daran ergötzen sich die Journalisten. Die Geschichte ist völlig aus dem Verhältnis geraten."

Aktuell steckt Lewis Hamilton noch mit Außenseiter-Chancen im Titelkampf. Wie groß seine Chancen wirklich sind, haben wir im folgenden Video besprochen. Jetzt anschauen!

Hamilton, Norris, Russell: Wer ist erster Antonelli-Jäger? (23:10 Min.)