Ein brennender Cadillac auf der Strecke: Dieses Bild hatte in der ersten Hälfte der Formel 1-Saison 2026 keinen Seltenheitswert. Mit neun Ausfällen in den bisherigen elf Rennen – mehr verzeichnete nur Aston Martin – verlief der Einstand für den Neueinsteiger alles andere als reibungslos. Auch in Ungarn gab es für das US-Team zuletzt wieder einen bitteren Doppel-Ausfall.
Doch auch wenn es nach außen hin den Anschein erweckt, als ob die Rennteilnahmen von Sergio Perez und Valtteri Bottas nahezu ausschließlich darin bestehen, die nächste Safety-Car-Phase auszulösen, nimmt F1-Experte Christian Danner die Mannschaft in Schutz. "Es war zu erwarten, dass sie da fahren, wo sie fahren", spielt Danner im AvD Motorsport-Magazin auf das Ende des Feldes an. Cadillac hält vor der Sommerpause noch ohne Punkte die rote Laterne in der Königsklasse.
Trotzdem verteidigt Christian Danner den Rennstall: "Ich würde sie nicht schlechtreden oder darauf reduzieren, dass man permanent nur ein Safety-Car-Auslöser ist. Das Team hat schon große Fortschritte gemacht, das Auto ist deutlich besser geworden." Tatsächlich hatte Cadillac bei einigen Rennen sogar Aston Martin im Rückspiegel . Erst das umfangreiche B-Spec-Upgrade von Aston Martin in Ungarn setzte diesem Trend vorerst ein Ende.
Statistik: Cadillac vs. Aston Martin (Stand: Ungarn GP)
| Team | Gefahrene Runden | Gefahrene Kilometer |
| Cadillac | 897 | 4.598 km |
| Aston Martin | 982 | 4.827 km |
Das Grundproblem jedes Hinterherfahrenden in der modernen Formel 1: Man muss das eigene Auto nicht nur weiterentwickeln, um Schritt zu halten, sondern man muss deutlich schneller entwickeln als die Konkurrenz, um Boden gutzumachen. Und das alles unter dem engen Korsett der Budgetobergrenze. Danner sieht bei Cadillac zusätzlich noch ein tieferliegendes Strukturproblem. Während die Führungsspitze mit Nick Chester, Jon Tomlinson und John McQuilliam mit Veteranen besetzt ist, sind die Ingenieure darunter meist noch F1-unerfahren.
"Ich habe mit dem einen oder anderen Mechaniker gesprochen, den ich gut kenne und mit dem ich schon gearbeitet habe. Sie meinten: Bei uns arbeiten extrem viele Juniors. Juniors sind die Ingenieure und Techniker, die direkt von der Uni kommen und bei Cadillac anfangen, weil es woanders gerade keine freie Stelle gab", erzählt Danner. Das heißt im Klartext: Cadillac zählt im Vergleich zu Top-Teams wie Mercedes, Red Bull Racing oder Ferrari noch nicht zu den begehrtesten Adressen für die Top-Aerodynamiker der Branche.
"Es ist der Wahnsinn, wie diese etablierten Entwicklungszentren an Attraktivität gewonnen haben. Das gilt nicht nur für das reine Engineering, sondern natürlich auch für die Erfolgsaussichten junger Ingenieure", erklärt Danner. Hinzu kommt die geografische Zersplitterung: Cadillac hat zwar im Ingenieurs-Mekka Großbritannien (Silverstone) einen Standort, jedoch passiert dort nur teilweise die Entwicklungsarbeit. Der Bolide wird in der Fabrik am Motor Speedway in Fishers, Indiana gebaut und General Motors ist gerade dabei die Motorenschmiede in der Nähe von Charlotte fertigzustellen.
"Ich will nicht sagen, dass sie ein Qualitätsproblem bei den Leuten haben, weil das sind alles Top-Leute, aber eben sehr unerfahrene Leute. Deswegen kommt es da immer wieder mal zu Dingen, dass die Bremsanlage abbraucht, was eigentlich nicht passieren dürfte", so Danner. Allein vier Mal mussten die Streckenkräfte [zu unterschiedlichen Zeiten; Anm. der Red.] als unfreiwillige Feuerwehrmänner eingreifen und Bremsbrände löschen.
Bereicherung für die F1: Talentschmiede wie Minardi?
Trotz der Zuverlässigkeitsprobleme sieht Danner das US-Projekt als Bereicherung für die Formel 1. Schließlich gehöre es zum Sport dazu, dass es ein Schlusslicht gibt - und selbst dieses erfülle eine essenzielle Funktion im Ökosystem der Königsklasse. Danner zieht Parallelen zu Minardi. Das von Giancarlo Minardi gegründete Team aus Faenza galt jahrelang als die Talentschmiede schlechthin.
Piloten wie Fernando Alonso, Mark Webber, Giancarlo Fisichella, Jarno Trulli oder Alessandro Zanardi erhielten dort ihre erste Chance in der Formel 1. "In dem Sinne finde ich Cadillac schon eine Bereicherung. Es gibt immer wieder einen Formel-2-Meister, einen Formel-3-Meister. Die müssen irgendwo mal anfangen", meinte Danner. "Ob Cadillac, die natürlich seinen eigenen Anspruch hat, sich als Anfängerteam versteht, lassen wir mal dahingestellt sein."
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