George Russell kommt in der Formel 1 2026 auf keinen grünen Zweig. Vor einer Woche noch Pole-Setter und Sieger in Österreich, ist das Heimspiel für den Mercedes-Fahrer bisher ein Spießrutenlauf. Im Qualifying in Silverstone war Platz vier am Ende noch fast als Erfolg zu verbuchen, denn schon im Q1 steckte der Mercedes-Fahrer in der Wand. Den bizarren Unfall kann er sich beim besten Willen nicht erklären, genauso wie das mächtige Power-Defizit gegenüber Teamkollege Kimi Antonelli.

"Das gesamte Wochenende über fehlt mir schon die Geschwindigkeit auf den Geraden. Wir wissen nicht warum", so George Russell, der im Q3 mit dreieinhalb Zehntelsekunden einmal mehr deutlich hinter Teamkollege und Pole-Setter Kimi Antonelli zurücklag. "Wenn man auf die Geschwindigkeitsmessung schaut, fehlen im Mittelsektor 3 km/h und im letzten Sektor 6 km/h verglichen mit meinem Teamkollegen und den Autos von McLaren", erklärt er weiter.

Seit Freitag sucht die Mercedes-Crew bereits nach dem Fehler, doch der vermeintliche Lösungsansatz vor dem Qualifying war ein Fehlschlag. "Das arbeitet super hart daran, zu verstehen, was da ist. Wir dachten heute Morgen, wir hätten das Problem gefunden. Die Annahme war, dass die Bremsen anliegen. Aber wir sind nicht davon überzeugt, dass dies das Problem ist", gibt sich Russell völlig ratlos.

George Russell von Topspeed-Nachteil demoralisiert

Das Phänomen kostet laut ihm auf den Geraden bis zu drei Zehntelsekunden. "Ich wäre bestimmt nicht auf Pole gewesen, aber ich wäre gestern weiter vorne gewesen, und vielleicht im Kampf um die Pole. Wenn du vom Q1 an gute Runs hast, und vorne dabei bist, ändert sich auch dein Mindset", fühlt er sich von dem neuerlichen Rückschlag demoralisiert. "Ich bin heute schon im Nachteil in diesen Tag gegangen."

Ein Blick auf die Daten zeigt, dass George Russell im Q3 nur vor Stowe (Turn 15) mit 299 km/h deutlich gegenüber Antonelli (305 km/h), Norris (308 km/h) und Piastri (312 km/h) zurücklag. Auf der Start-und Zielgeraden, vor Turn 6 sowie vor Turn 10 sind die Werte im Vergleich zum Teamkollegen nahezu identisch.

Formel-1-Qualifying Silverstone: Topspeed-Vergleich Mercedes vs. McLaren

AntonelliRussellNorrisPiastri
vor Start-Ziel313 314 310 313
vor Turn 6310 310 311 311
vor Turn 10317 317 305 305
vor Turn 15305 299 308 312

Ein unvorteilhaftes Energie-Management schließt Russell als Ursache aus. "Das Deployment sieht okay aus. Ich bin nur beim Speed auf den Geraden hintendran. Es sieht so aus, als würde ich mit mehr Luftwiderstand fahren", so der 28-Jährige, der für das Rennen alarmiert ist. "Mit diesem Defizit habe ich keine Chance. Wir werden weiter daran arbeiten, es ist noch Zeit. Aber wenn ich auf den Geraden 5 km/h verliere, kann ich nicht kämpfen."

Skurriler Q1-Unfall von George Russell in Silverstone

Die fehlende Performance war im Qualifying nicht seine einzige Sorge. Im Q1 hatte er in Turn 7 einen untypischen Unfall, den er sich beim besten Willen nicht erklären konnte. "Ich fahre hier [in Silverstone] seit zwölf Jahren und habe mich in dieser Kurve nie zuvor verbremst. Wir haben ein paar Änderungen am Setup vorgenommen, es war wahrscheinlich extremer, als wir erwartet hatten. Ich weiß aber nicht, was da passiert ist. Es war seltsam", erklärt er.

Mercedes-Boss Toto Wolff vermutete gegenüber Sky Sports F1 eine Kombination unterschiedlicher Einflüsse als Ursache für das plötzliche Untersteuern, das Russell von der Strecke trug: "Es war wahrscheinlich eine Windböe. Das ist der naheliegendste Grund, zu dem wir an diesem Punkt kommen. Es sieht auch so aus, als hätte das linke Vorderrad sehr viel Nachlauf. Aber das war eigentlich okay. Wahrscheinlich war es eine Kombination. Ein Reifen, der nicht den hunderprozentigen Grip hatte und etwas Wind, vielleicht auch etwas spät gebremst. Ich habe das so auch noch nicht gesehen, es sieht in jedem Fall sehr komisch aus."