Im einzigen Training beim Formel-1-Wochenende in Silverstone hatte Audi mit Nico Hülkenberg auf der neunten Position seine Ambitionen für das Sprint-Qualifying am Nachmittag klar untermauern können: SQ3 war das Ziel. Nachdem der Emmericher diese Position auch in SQ1 bestätigen konnte, folgte dann die Enttäuschung. Weder er noch Gabriel Bortoleto schafften es ins finale Segment, auch für den ansonsten permanent auf die Vier Sterne gebuchten elften Platz reichte es nicht. Die Bilanz: P12 und P13.
Renndirektor Allan McNish zeigte sich deshalb nach dem Sprint-Qualifying enttäuscht. "Unsere Performance in FP1 entsprach unseren Erwartungen, da wir das Potenzial hatten, um die Top-10 im Sprint-Qualifying mitzukämpfen. Wir kamen komfortabel durch SQ1, aber kein Auto brachte in SQ2 seine sauberste Runde zusammen", analysierte McNish.
Nico Hülkenberg: Haben den Preis für den Wind bezahlt
Nicht ganz zufrieden zeigte sich auch Nico Hülkenberg, der ebenfalls fand, dass man nicht alles maximiert habe, seine Leistung im Sprint-Qualifying aber als "sauber" beschrieb. Der Routinier, der im Vorjahr in Silverstone ein viel umjubeltes Podium im Sauber einfuhr, glaubt zu wissen, woran der Leistungsrückgang zwischen den beiden Freitags-Sessions gelegen hat.
"Im Sprint-Qualifying war es ein bisschen windiger und es gab mehr Böen als am Vormittag", stellte Hülkenberg fest. Die Wetterdaten geben ihm recht. Während des ersten Trainings wurden noch Windgeschwindigkeiten bis zu 11,9 km/h gemessen, im Sprint-Qualifying erreichten diese Spitzen von 16,2 km/h (4,5 m/s).
"Ich denke, wir haben den Preis dafür bezahlt, indem wir etwas mehr Performance verloren als die anderen", vermutet Hülkenberg. Diesen Rückschluss zieht er daraus, dass man in Kurve 1 die größte Schwachstelle ausgemacht hatte. "Das ist typisch, da man dort etwas mehr dem Wind ausgesetzt ist." Da der Wind wie so häufig auf der britischen Insel aus dem Westen wehte, traf er in Kurve 3 in der Bremszone dieser Stelle von hinten auf die Autos.
Bortoleto zweifelt: Setzte Audi im Sprint-Qualifying auf die falsche Taktik?
Dazu kommt, dass beide Fahrer dem Runplan ihres Teams skeptisch begegnen. Denn Audi schickte beide für zwei Anläufe auf die Strecke, die naturgemäß in SQ2 auf einem Reifensatz durchgefahren werden. Die Racing Bulls und Alpine lösten es anders und schickten ihre Fahrer nur am Ende der Session für einen Run raus. Das birgt mehr Risiko, hat aber den Vorteil, dass man die besten Streckenbedingungen mit jüngeren Pneus antrifft.
So verbesserte sich auf dem zweiten Versuch Hülkenberg nur noch minimal und Bortoleto gar nicht mehr. "Rückblickend betrachtet lässt es sich leicht sagen, aber wenn wir gewartet hätten, diesen 1-Runden-Reifen am Ende der Session aufzuziehen, dann hätten wir näher dran sein können", sagte der Brasilianer. Auch Hülkenberg meinte, dass man die Situation analysieren müsse.
Bortoleto teilt die Einschätzung von McNish zur Leistungsfähigkeit des Audis jedoch nicht, und geht nicht davon aus, dass man es pacemäßig noch in Q3 geschafft hätte. Dabei wird der direkte Vergleich mit den beiden Racing Bulls schlagend, die sich P9 und P10 für die Startaufstellung sicherten. "Ich glaube, dass sie an diesem Wochenende ein bisschen vor uns liegen, aber nicht drei Zehntel", so Bortoleto, dessen Zähler aus Australien nach wie vor die einzigen Audi-Punkte in diesem Jahr sind.



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