Das Reglement sorgt in der Formel 1 schon immer für jede Menge Gesprächsstoff, doch in dieser Saison scheinen die Debatten kein Ende zu nehmen. Gerade erst haben sich die FIA, das F1-Management und die Teams darauf geeinigt, die Verteilung zwischen Verbrennungsmotor und Elektro-Anteil in zwei Stufen zurückzufahren. 2030, spätestens 2031, soll wieder ein waschechter V8-Motor in der Königsklasse aufbrüllen.
Doch wenn es darum geht, den Sport maximal spannend zu gestalten, bringt Carlos Sainz eine völlig verrückte Idee ins Spiel. Diese hat zur Abwechslung überhaupt nichts mit den technischen Bauteilen der Boliden zu tun: Für den Williams-Piloten würden in einer perfekten Welt die Fahrer und ihre Marken komplett getrennt voneinander agieren. "Ich habe immer von einer Kategorie geträumt, in der es 20 Rennen gibt und jeder Fahrer jeweils zwei Rennen mit jedem Auto bestreitet. Der Fahrer wäre dann Teil der Formel 1 und nicht festes Mitglied eines Teams. Er wäre gewissermaßen ein von der Formel 1 engagierter Pilot, der durch die verschiedenen Cockpits rotiert", erzählte Sainz.
Ultimative Chancengleichheit in der F1?
In diesem revolutionären Szenario würde jeder Pilot im Laufe einer Saison für jedes Team zwei Grand Prix bestreiten – sprich zwei Rennen in einem Williams, zwei in einem Mercedes, zwei in einem Cadillac und so weiter. Damit hätten rein mathematisch alle Fahrer exakt die gleichen Voraussetzungen, um Weltmeister zu werden. "Die Punkte, die man für die jeweilige Marke einfährt, würden gleichzeitig für die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft zählen. Dadurch könnte man die Marken vollständig von den Fahrern entkoppeln. Man hätte eine echte Fahrer-Weltmeisterschaft und gleichzeitig eine echte Hersteller- beziehungsweise Konstrukteurs-Weltmeisterschaft", schwärmt Sainz und fügt an: "Aber das wird natürlich nie passieren."
Die Realität sieht bekanntermaßen völlig anders aus. Laut Sainz geht es in der modernen Formel 1 eben nicht nur um das pure Talent, sondern vor allem darum, zur richtigen Zeit am absolut richtigen Ort zu sein. "Letztlich hängen Weltmeisterschaften und Siege immer massiv davon ab, welches Auto dir zur Verfügung steht. Fahrer sollten daher nach den Möglichkeiten beurteilt werden, die sie in ihrer Karriere durch ihr Material hatten -und nicht allein nach der nackten Anzahl ihrer Titel oder Rennsiege", erklärt er gegenüber der spanischen Zeitung Mundo Deportivo.
Der Spanier weiß genau, wovon er spricht: Er selbst fährt seit 2015 in der Königsklasse und stand bereits bei Toro Rosso, Renault, McLaren und Ferrari unter Vertrag. Mehr als ein fünfter Platz in der Fahrerwertung (2021, 2022 und 2024) war für ihn bisher nicht drin. Aktuell kämpft er mit Williams im hinteren Mittelfeld. Der Traditionsrennstall aus Grove erlebte einen holprigen Start in das neue Reglement. Zwar hat man Fortschritte gemacht, kämpft jedoch weiter an allen Ecken mit altbekannten Baustellen - allen voran einem stark übergewichtigen Auto.
Wie sieht Sainz' Zukunft aus?
Sainz und Teamkollege Alex Albon kämpfen 2026 im hinteren Mittelfeld. "Wir haben in den ersten sechs Rennen enorme Anstrengungen unternommen, um die Hälfte des Übergewichts abzubauen. Die andere Hälfte liegt noch vor uns", verriet Sainz. Spätestens 2028 will Williams-Teamchef James Vowles mit den Top-Teams an der Spitze wieder um Siege und Titel kämpfen. Laut Sainz ist dieses ambitionierte Ziel durchaus realistisch, auch wenn die Probleme zu Saisonbeginn den Rennstall um einige wichtige Monate zurückgeworfen haben.
Doch wird Sainz 2028 überhaupt noch im Williams-Cockpit sitzen? Darüber wird im Fahrerlager bereits spekuliert - und auch der Spanier selbst stellt sich diese Zukunftsfrage: "Das ist etwas, worüber ich selbst viel nachdenke: Wie lange bin ich bereit zu warten, um in der Formel 1 wieder Rennen zu gewinnen? Ich möchte, dass dieser Zeitraum so kurz wie möglich ist. Deshalb werde ich das Team unerbittlich weiter antreiben, dieses Ziel früher zu erreichen - auch wenn James von 2028 spricht."



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