Ob Lewis Hamilton, Max Verstappen oder Lando Norris – sie alle haben ihre Motorsportkarriere im Kart begonnen. Im Falle von Lewis Hamilton musste sein Vater das Hobby durch mehrere Jobs finanzieren. "Wir mussten alle Kreditkarten bis zum Limit ausschöpfen", erzählt der Rekordweltmeister.
Doch heute ist der Kartsport so teuer wie nie – noch deutlich teurer als damals. Das sehen auch viele Formel-1-Fahrer kritisch, allen voran Lewis Hamilton und Max Verstappen. Verstappen sieht eine kostengünstigere Alternative im Sim-Racing.
Max Verstappen: Sim-Racing statt Kartfahren?
Max Verstappen ist nach wie vor Fan von Go-Karts, sieht aber ein großes Problem: Die Preise gehen durch die Decke. "Ich meine, die Leute zahlen 10.000 bis 12.000 Euro für ein Rennen." Dem stimmt auch Esteban Ocon zu: "Ich wäre bei den Kosten, die ein Rennen in der Mini-Serie heute verursacht, nicht hier."
Das Problem: Kinder aus ärmeren Familien bekommen so nie die Chance, sich zu beweisen, da sie nicht über die ausreichenden finanziellen Mittel verfügen. "Deshalb halte ich es für wichtig, auch über den Kartsport hinauszuschauen", erklärt Verstappen.
"Ich sehe bereits viele Kinder, die zwar noch Kart fahren, aber auch im Simulator Rennen fahren, das Fahren in Formel-4-Autos oder generell in GT-Fahrzeugen lernen. Sie fahren einfach alles."

Verstappen ist selbst ein großer Verfechter von Sim-Racing und fährt regelmäßig. Während des Wochenendes des Imola Grand Prix 2024 nahm er beispielsweise auch an den digitalen 24 Stunden Nürburgring teil. Deswegen sieht er auch Vorteile gegenüber dem Kartfahren.
"Man erhält ein sehr gutes Grundverständnis und eine gute Vorbereitung, noch bevor man überhaupt in einen Rennwagen steigt. Da die Simulatoren so präzise sind, ist man in Sachen Vorbereitung bereits zehn Schritte weiter, bevor man überhaupt in einen Formel-Rennwagen steigt", sagt Verstappen.
"Denn man kann bereits die richtigen Bremspunkte setzen, man weiß, wie man herunterschaltet, und man weiß, wie man Daten auswertet. Man bekommt ein gutes Gespür für die Geschwindigkeit eines Autos. Und ich finde es großartig zu sehen, dass all diese jungen Fahrer sich so intensiv am Simulator vorbereiten."
Lewis Hamilton: Hohe Preise sind lächerlich
Lewis Hamilton hat vor allem Minderheiten im Blick. "Es ist heute höchst unwahrscheinlich, wenn nicht gar unmöglich, dass jemand aus einer normalen schwarzen Familie es so weit schafft – geschweige denn, mit denen zu konkurrieren, die eine Million ausgeben. Darum sollte es einfach nicht gehen", so Hamilton. "Ich weiß nicht wie, aber es muss eine Möglichkeit geben, den Zugang zu ermöglichen. So ist es einfach lächerlich."
Hamilton sieht – wie Verstappen – Probleme in der Talentförderung. "Das bedeutet, dass nicht derjenige durchkommt, der das meiste Talent hat, sondern die Familien mit dem meisten Geld die Voraussetzungen für ihre Kinder schaffen – und dass privilegierte Kinder den Durchbruch schaffen."
Albon und Ocon wollen Mischung aus Kart und Sim-Racing
Genauso wie Lewis Hamilton stammt Esteban Ocon nicht aus einer wohlhabenden Familie. Gerade deshalb stören ihn die hohen Preise. Entsprechend sieht auch er Sim-Racing als gute Alternative. "Es ist schon ziemlich verrückt, wie teuer das ist. Leider ist das nun mal die Realität im Motorsport. Im Idealfall kombiniert man beides", sagt Ocon.
"Wenn ich mir das Niveau online anschaue, dann liegen manchmal 100 Fahrer innerhalb einer Zehntelsekunde. Selbst bei den besten Go-Kart-Rennen haben manche dieser Fahrer einfach nie Zugang zu den Rennen. 70% Simulator und 30% echtes Kartfahren ist wahrscheinlich der richtige Weg."
Dem stimmt Alexander Albon, der aktuell bei Williams fährt, zu. "Ich bin froh, dass das Fahren am Simulator mittlerweile eine Möglichkeit ist, die die Leute nutzen können – auch Kinder können sich damit verbessern. Es muss definitiv noch einiges getan werden, damit die Leute auch weiterhin Kart fahren können."
In der Welt der Formel 1 geht es auch ohne Rennen hoch her. Rund um die Boxen-Strafen in Monaco herrschten viele Diskussionen. Wir haben darüber im folgenden Video gesprochen. Jetzt reinschauen!



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