Eigentlich hätte es vor drei Wochen in Miami schon so weit sein sollen, doch durch die Vorverlegung des Rennens ging die Königsklasse dem ersten Regenrennen der neuen Ära aus dem Weg. Nun scheint es, als würde die Formel 1 heute beim Kanada GP in Montreal erstmal mit den neuen Autos offiziell im Regen fahren. Vereinzelte Tests gab es bereits.
Die Fahrer liefen bereits Sturm, weil sie vor allem Pirellis Intermediates für schlecht halten. Aber nicht nur die Reifen machen in der neuen Ära Ärger im Regen. Weil es eine ganze Reihe an potenziellen Problem-Faktoren gibt, hat die FIA neben den geänderten Vorheiztemperaturen für die Reifen spezielle Regeln ausgearbeitet, um sicheres Racing zu gewährleisten.
Einerseits wurde für heute die Parc-ferme-Regel gelockert. Mit Beginn des Qualifyings darf das Setup der Autos mit wenigen Ausnahmen eigentlich nicht verändert werden. Schon in der Vergangenheit gab es eine zusätzliche Ausnahme, sollten sich die klimatischen Bedingungen stark verändern. Die Teams durften dann die Kühlung verschiedener Komponenten entsprechend anpassen.
Veränderung der Bodenfreiheit bei Rain-Hazard
Die Sonder-Regelung geht nun deutlich weiter. Liegt die Regenwahrscheinlichkeit bei mindestens 40 Prozent, wird ein sogenannter Rain-Hazard ausgelöst. Für das Rennen heute wurde der Regen-Alarm bereits getriggert.
Deshalb dürfen Bodenfreiheit und die Amplitude der Frontflügelverstellung angepasst werden. Die Änderung ist nötig, damit die Teams nicht in die Regel-Bredouille kommen. Denn sobald der Rennleiter 'Low-Grip-Conditions' erklärt, darf der Straight Mode (SM) nur noch partiell aktiviert werden. Während der Frontflügel noch klappen darf, muss der Heckflügel geschlossen bleiben.
Außerdem werden die SM-Zonen verkürzt oder fallen teilweise sogar komplett weg. Auf dem Circuit Gilles Villeneuve fällt SM3 bei schlechten Grip-Verhältnissen ganz raus. Durch die nur teilweise Aktivierung des SM und die kürzeren Aktivierungs-Zonen setzen die Autos vermehrt auf und schleifen so die Bodenplatte stärker ab.
Die Teams dürfen deshalb die Bodenfreiheit verstellen und den Frontflügel anpassen, um die Bodenplatte zu schützen. Bei zu hohem Verschleiß sieht das F1-Reglement die Disqualifikation vor.
Formel-1-Autos haben im Regen 136 PS weniger
Im Rennen selbst gibt es neben der partiellen SM-Aktivierung noch zwei weitere Spezial-Regeln für Regen. Der Boost-Modus entfällt komplett. Seit Miami darf im Rennen der Extra-Schub bei Betätigung des Boost-Knopfes ohnehin nicht mehr so stark sein, bei Regen fällt er ganz weg.
Außerdem wird die E-Leistung im Regen permanent gedrosselt. Statt der 350 kW darf die MGU-K nur noch mit 250 kW auf die Kurbelwelle stemmen. Dadurch will man gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Einerseits sinkt die Systemleistung und das Drehmoment, die Autos sollten also bei schwierigen Bedingungen etwas einfacher zu kontrollieren sein.
Dazu wird das Energiemanagement simplifiziert, weil die Energie nicht mehr ganz so knapp ist. Dadurch können die Fahrer besser kalkulieren, wie viel Energie tatsächlich abgerufen wird. Denn in den meisten Fällen wird das von der Software bestimmt. Die Schwankungen sollten dadurch geringer sein.



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