Der Moment selbst war eigentlich nicht besonders dramatisch, doch das Nachspiel ist es umso mehr. Esteban Ocon und Franco Colapinto kollidierten beim Formel-1-Rennen in China, weshalb der Haas-Pilot jetzt den vollen Hass der argentinischen Fans zu spüren bekommt. Sogar Colapintos Management schaltete sich ein, um die wütende Masse im Internet zu beruhigen. Dabei nahm Ocon die Schuld für die Kollision bereits im Cockpit auf sich und entschuldigte sich direkt nach dem Rennen.

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Aber was ist überhaupt passiert? In Runde 32 verließ Colapinto gerade die Boxengasse, als Ocon angeschossen kam. Die beiden hatten bereits in der Anfangsphase des Grand Prix miteinander gekämpft. Der Haas-Pilot stach mit seinen heißeren Reifen in Kurve zwei innen hinein, Colapinto machte die Tür zu. Ocon ging der Platz aus, er verlor das Heck und rutschte in die Seite des Alpine. Die beiden machten eine Pirouette, konnten aber weiterfahren, wenn auch mit Schäden.

Ocon nahm die volle Schuld bereits im Cockpit auf sich, nach dem Rennen entschuldigte er sich persönlich bei Colapinto. Auch die 10-Sekunden-Strafe, die er für das Verursachen einer Kollision bekam, war aus seiner Sicht völlig gerechtfertigt. "Ich war zu optimistisch und die Lücke war nicht da. Ich habe einen Fehler gemacht und die Strafe verdient, viel mehr gibt es nicht zu sagen", meinte Ocon. Dass der Alpine-Fahrer mit seinem beschädigten Unterboden dennoch unter die Top-10 fuhr, erleichterte sein Gewissen etwas: "Ich bin froh, dass er trotzdem einen Punkt holen konnte, das hat er verdient. Er ist ein gutes Rennen gefahren. Wir hatten einen guten Kampf, schade, dass es so endete."

Argentinische Fans arten aus: Colapinto-Management muss einschreiten

Colapinto war nach dem Rennen nicht wütend auf Ocon: "Er hat sich entschuldigt, es ist alles gut. Unser Duell war gut und ist leider nicht schön ausgegangen, aber das ist in Ordnung." Der Schaden war aber bereits angerichtet. Nicht nur am Alpine-Boliden, sondern bei einigen argentinischen F1-Fans. Noch während des Rennens wurden Ocons Social-Media-Kanäle mit wütenden Kommentaren überflutet, teils arteten sie in schlimme Beleidigungen und sogar Todesdrohungen aus.

Der Online-Hass nahm solche Ausmaße an, dass sogar das Management des Argentiniers, "Bullet Sports", einschreiten musste. "Bitte sendet keinen Hass und Todesdrohungen an Esteban, seine Familie und das Haas-Team. Es wird den Crash nicht rückgängig machen und wirft nur ein schlechtes Licht auf Francos Fans", posteten sie auf X, ehemals Twitter.

Die Situation erinnert an Jack Doohan, der von Saisonanfang bis Miami 2025 im Alpine-Cockpit saß, bevor er für Colapinto Platz machen musste. Obwohl Colapinto damals erst nach Doohans Bekanntgabe als Stammpilot von Flavio Briatore unter Vertrag genommen wurde, sahen manche Fans Colapintos Cockpit als gestohlen an. Doohan wurde ebenfalls Opfer von Todesdrohungen und Online-Hass.

Die Welle von Hass gegen Ocon löste online aber auch eine Gegenwelle von Unterstützung aus. Der Haas-Pilot kann nun nur hoffen, dass sich die Aufregung bis zum Japan Grand Prix in einer Woche wieder legt – und dass er bis dorthin das findet, was sein Teamkollege Oliver Bearman bereits im Auto gefunden hat. Der junge Brite kam am Sonntag auf einem starken fünften Platz über die Ziellinie und befindet sich in der WM-Wertung derzeit auf Platz fünf. Währenddessen ging Ocon bisher punktelos aus.

Auf der einen Seite ein Ferrari-Spektakel, auf der anderen knallharte Kritik von Max Verstappen. Ist das neue Formel-1-Racing nur fake? Die Analyse des China-Duells sucht die Antwort.