Beim Restart des Formel-1-Rennens in Interlagos kollidierte Oscar Piastri während eines Überholversuchs mit Andrea Kimi Antonelli. Die Stewards sahen den McLaren-Piloten als alleinigen Schuldigen und brummten ihm eine 10-Sekunden-Strafe auf. Damit war auch die letzte Chance auf ein Podium vertan. Christian Danner fand die Entscheidung der Stewards nicht in Ordnung, wie er in der neuesten Folge des AvD-Motorsport-Magazins erklärt.

Was unser Experte Christian Danner sonst noch so über das Rennen in Brasilien, den WM-Kampf und die Albtraum-Saison von Lewis Hamilton zu sagen hatte, erfahrt ihr in unserem Video:

Hamilton fassungslos! Danner: Ferrari-Albtraum selbst gemacht! (38:48 Min.)

Wer ist für die F1-Kollision verantwortlich? Danner macht zwei Schuldige aus

Dem Zwischenfall in der fünften Runde wurden die Driving Guidelines zugrunde gelegt. Die Stewards argumentierten, dass Piastri am Scheitelpunkt zu weit hinten war, als er das Manöver startete. Damit lag die Schuld laut den Stewards allein beim Australier. "Ich persönlich bin grundsätzlich der Meinung, dass die Strafe von meinem Verständnis der Szene nicht okay war. Die Aktion von Piastri war ein Muss", meinte Danner. "Das war völlig klar, er musste attackieren. Kimi wollte auf keinen Fall, dass Piastri vorbeikommt und hat natürlich erstens genau gesehen und gewusst, dass der da ist, zweites zugemacht und ihn deswegen in die Bredouille gebracht."

Danner gibt der überwiegenden Meinung im Fahrerlager Recht, dass Antonelli eine Teilschuld am Unfall trug. "Dass Kimi aktiv dazu beigetragen hat, dass es sich nicht ausging, wird in der Strafe ignoriert, weil, das wäre meiner Meinung nach gesunder Rennverstand", erklärte der Experte. "Aber man kann den Stewards nicht mal einen Vorwurf machen. Sie haben nach den Buchstaben des Gesetzes entschieden. Anders können sie es nicht machen."

Bei ihren Entscheidungen berücksichtigen die Stewards ausschließlich die Fakten und die Situation an sich, nicht deren Folgen für die betroffenen Fahrer oder den in diesem Fall komplett Unschuldigen Charles Leclerc, dessen Rennen durch den Treffer von Antonelli beendet war. "Da hätten fünf Autos Karambolage machen und aufs Dach fall können. Das hätte die Stewards nicht interessiert", so Danner. "Das Einzige, wie ein Steward oder das Gremium bewertet, ist: Was steht in den Driving Standards Guidelines."

Und wie genau sehen diese Driving Standards Guidelines aus? Unser Artikel erklärt es dir:

Strafe laut Danner Eingriff in die WM - dennoch die richtige Entscheidung

Das Formel-1-Regelwerk wurde in der Vergangenheit oftmals wegen seiner Inkonstanz kritisiert. Die Stewards halten sich nun strikt an die Regelvorgaben - und dennoch stoßen sie auf Kritiker.

Danner findet es schade, dass durch die Strafe direkt in die Weltmeisterschaft eingegriffen wurde. Dennoch respektiert er die Entscheidung der Rennleitung. "Es ist wahnsinnig traurig für den Oscar, dass er da diese Zeitstrafe bekommen hat", fand Danner. "Aber die Entscheidung nach dem, was in den Guidelines geschrieben ist, ist die einzige Möglichkeit, das was alle Teamchefs fordern, was alle Fahrer fordern, hinzubekommen. Nämlich die Reproduzierbarkeit. Man kann es nachvollziehen. Dann ist die Entscheidung klar, ob sie dir gefällt oder nicht."

Was der F1-Experte Christian Danner zur Kritik von Ferrari-Präsident John Elkann zu sagen hat, könnt ihr hier lesen: