Sie gelten als Rebell. Sehen Sie sich selbst auch so?

Jacques Villeneuve: Nein, das sehe ich anders. Ein Rebell zu sein, bedeutet sich einfach gegen das Establishment aufzulehnen, um dagegen zu sein und nicht, weil man eigene Ideen hat. Ich war manchmal nicht einverstanden mit dem Establishment, aber deshalb, weil ich meine eigenen Ideen hatte. Das ist ein Unterschied zum Rebell, der hat normalerweise keinen richtigen Grund.

In Ihrer Freizeit fahren Sie gern Ski fahren und spielen bei den "Monks of Bretaye" Eishockey. Sie lieben auch Musik. Was bedeuten Ihnen Ihre Hobbys?

Jacques Villeneuve: Es geht darum, morgens aufzustehen und das zu tun, wozu man Lust hat. Es geht um persönliche Zufriedenheit, und das muss ein Teil des Lebens sein. Das ist sehr wichtig.

Bei den Europarennen haben Sie stets Ihr eigenes Motorhome dabei. Sie unterscheiden sich damit von fast allen Rennfahrern.

Jacques Villeneuve: Mit dem Motorhome bin ich einfach näher an der Strecke und bei dem Team, mit dem ich arbeite. Das ist das Entscheidende. An den Rennwochenenden verbringt man sowieso nie Zeit mit den anderen Fahrern. Auch nicht, wenn man im Hotel schläft. Man geht zur Strecke und arbeitet mit den Leuten, und dann geht man ins Zimmer zum Schlafen. Ein soziales Leben außerhalb der Rennstrecke findet nicht statt.

Weshalb haben Sie sich die Schweiz als Wahlheimat ausgesucht? Fühlen Sie sich eher als Kanadier oder schon als Schweizer?

Jacques Villeneuve: Im Alter von zwölf bis 17 war ich in der Schweiz im Internat. Und ich bin jedes Jahr wieder hingefahren, einmal im Sommer und einmal im Winter. Schließlich bin ich ganz dorthin gezogen, wo ich zur Schule gegangen bin. Als Kanadier habe ich den Schnee immer geliebt, den Winter und das Ländliche. Die Schweiz mit ihren Bergen erinnert etwas an Kanada.

Wie muss sich ein Rennwagen für Sie idealerweise verhalten – darf er eher unter- oder übersteuern?

Jacques Villeneuve: Ich bevorzuge ein neutrales Fahrverhalten, aber ich hasse untersteuern mehr als übersteuern. Ein übersteuerndes Auto kann ich fahren, aber mit einem untersteuernden klarzukommen, finde ich schwierig. Untersteuern ist eine Einschränkung. Das schnellste Auto ist immer ein sich neutral verhaltendes. Es gibt auch kein Auto, dass per se über- oder untersteuert. Das hängt mit dem Fahrstil zusammen. Ein untersteuerndes Auto kann mit einem anderen Fahrer ein übersteuerndes werden und umgekehrt.

Welches war das schönste Rennen Ihrer Karriere?

Jacques Villeneuve: Das waren zwei: die Indy 500 1995 und Jerez 1997.

Ihre Overalls haben immer Übergröße. Hat das praktische Gründe oder einen anderen tieferen Sinn?

Jacques Villeneuve: Meine Overalls sind nicht zu groß. Die von allen anderen sind zu eng.