Nico Hülkenberg muss am Freitag in Silverstone im 1. Training zuschauen. Denn sein Sauber wird von einem Rookie pilotiert. Das ist für alle Teams der Formel 1 in vier Freitagstrainings verpflichtend, an sich also nichts Ungewöhnliches. Allerdings überrascht Sauber mit der Fahrerwahl. Es wird nämlich Paul Aron, seines Zeichens Alpine-Ersatzpilot.

In den letzten Jahren griff Sauber oft auf Theo Pourchaire zurück, der lange in der hauseigenen Nachwuchs-Akademie gefördert worden war und der 2023 in seinem dritten Jahr F2-Meister geworden war. 2024 schied Pourchaire aus der Akademie aus. Die 2024er-Trainings fuhr schon nicht mehr er, sondern der damalige Ferrari-Testfahrer Robert Shwartzman.

Alpine will Paul Aron mehr F1-Fahrtzeit geben

Nun greift Sauber auf den Alpine-Pool zurück. Alpine hat den 21-jährigen ehemaligen Mercedes-Junior Paul Aron Ende 2024 als Test- und Ersatzfahrer verpflichtet. Aron holte im Vorjahr den dritten Gesamtrang in der Formel 2. Dort fuhr er für Hitech, dem Team des ehemaligen Alpine-Teamchefs Oliver Oakes, der erst vor wenigen Wochen von seinem Posten zurücktrat. Bei Oakes war Aron hoch im Kurs gestanden.

Aron ist für Sauber bloß eine Leihgabe und wird abgesehen davon das Silverstone-Wochenende bei Alpine verbringen. Das Bild wird sich ein paar Wochen später beim Ungarn-GP wiederholen. Auch dort wird Aron statt Hülkenberg FP1 fahren.

"Es ist in unserem Interesse, die Fahrgelegenheiten für unsere jungen Fahrer zu maximieren", erklärt Alpines Interims-Teamchef Flavio Briatore die Vereinbarung. "Wir sehen unterschiedliche Erfolge der letztjährigen Formel-2-Fahrer quer durch das Feld, und Paul lag in dieser Kategorie weit vorne, also ist das eine Chance für ihn und das Team, um weitere Fortschritte zu machen und ihm wertvolle Streckenzeit zu geben."

Paul Aron wird Dauergast in FP1: Zweimal Sauber, dreimal Alpine

Darüber hinaus darf sich Aron weiter freuen: Alpine bestätigt, dass er auch ihre drei ausständigen Rookie-Trainings bekommen wird. Die genauen Termine werden noch bekanntgegeben. Das Team war zwar mit gleich vier Test- und Ersatzfahrern in die Saison gestartet, aber nur drei davon - Aron, Kush Maini und Ryo Hirakawa - waren auch für Rookie-Trainings zulässig. Hirakawa wechselte vor dem Bahrain-GP außerdem zu Haas, nachdem er in Japan FP1 für Alpine gefahren war.

Weiters wurde Franco Colapinto zum Einsatzfahrer befördert und Jack Doohan auf die Ersatzbank degradiert. Offiziell für fünf Rennen, die sind mit dem Österreich-GP abgelaufen. Es schien zuletzt so, als dürfe Colapinto auf seinem Posten bleiben, aber Gerüchte über Alpines weiteres Sondieren des Ersatzfahrermarktes halten sich im Paddock hartnäckig.

Aron würde wohl nur zu gerne aufsteigen. Vorerst freut er sich aber erst einmal über mehr Fahrtzeit: "Es ist kein Geheimnis, dass ich eines Tages Vollzeit-Fahrer in der Formel 1 sein möchte, also ist jede Chance, in einem Wettbewerbs-Umfeld auf der Strecke zu sein, ein wichtiger Schritt." Bis jetzt fuhr er für Alpine abgesehen von sechs Testtagen in alten Autos nur den Rookie-Test 2024 in Abu Dhabi.

Aron ist bereits der zweite Rookie, der für das 1. Training in Silverstone angekündigt wurde. Red-Bull-Berater Dr. Helmut Marko ließ in der Vorwoche durchblicken, dass Arvid Lindblad dort sein Debüt an einem F1-Wochenende geben solle. Dafür erwirkte Red Bull extra eine Ausnahme bei der FIA, eigentlich ist der 17-jährige Lindblad zu jung. Noch ist allerdings nicht ganz klar, ob Lindblad in einem Red Bull oder in einem Racing Bull sitzen soll.

Formel 1 2025: Diese Rookies fahren Trainings

TeamFahrerFP1 (ersetzt)
McLarenAlex DunneÖsterreich (für Norris)
Pato O'WardMexiko (für ?)
FerrariDino BeganovicBahrain (für Leclerc)
Dino BeganovicÖsterreich (für Leclerc)
Red BullAyumu IwasaBahrain (für Verstappen)
MercedesFred VestiBahrain (für Russell)
Kimi AntonelliAustralien (selbst Rookie)
Kimi AntonelliChina (selbst Rookie)
Aston MartinFelipe Drugovich Bahrain (für Alonso)
AlpineRyo HirakawaJapan (für Doohan)
Paul AronTBA
Paul AronTBA
Paul AronTBA
HaasRyo HirakawaBahrain (für Bearman)
Ryo HirakawaSpanien (für Ocon)
Ryo HirakawaMexiko (für Bearman)
Ryo HirakawaAbu Dhabi (für Ocon)
Racing Bulls
Isack HadjarAustralien (selbst Rookie)
Isack HadjarChina (selbst Rookie)
WilliamsLuke BrowningBahrain (für Sainz)
Victor MartinsSpanien (für Albon)
SauberPaul AronSilverstone (für Hülkenberg)
Paul AronUngarn (für Hülkenberg)
Gabriel BortoletoAustralien (selbst Rookie)
Gabriel BortoletoChina (selbst Rookie)

Das Reglement verpflichtet jedes Team, in mindestens vier Freitags-Trainings einen Rookie einzusetzen - zwei pro genanntem Auto. Als "Rookie" definiert das Regelbuch einen Fahrer, der maximal zwei Grands Prix gestartet hat. Das ermöglicht es auch Teams mit Vollzeit-Rookies zugleich, deren erste zwei Rennwochenenden als "Rookie-Trainings" zu deklarieren und sich so zwei der vier Slots zu sparen.