Klar, Favorit war Max Verstappen bei der Formel 1 in Österreich nicht. Aber Red Bull hatte mit eineinhalb Zehnteln Rückstand gerechnet, auch nach dem 3. Training - schließlich war Verstappen zweimal erster McLaren-Jäger gewesen. Es wurde im Qualifying dann aber fast eine Sekunde Rückstand. Das war nicht nur eine bittere gelbe Flagge, die die letzte Runde ruinierte.

"Wir haben nicht erwartet, dass es im Qualifying so schlimm werden würde", stöhnt Verstappen. Mit einem siebten Platz landete er sogar hinter dem Racing-Bulls-Piloten Liam Lawson. Nur in Bahrain startete er noch von so weit hinten, dort aber mit "nur" einer halben Sekunde Rückstand. Das schiere Ausmaß des Spielberg-Debakels lag aber an der gelben Flagge, welche auf Verstappens letztem Q3-Versuch wegen eines Drehers von Pierre Gasly in der letzten Kurve gezeigt wurde.

"Zum Glück habe ich die gesehen, denn auf dem Lenkrad kam kein Hinweis", sagt Verstappen. Normalerweise werden gelbe Flaggen auch auf dem Lenkrad jedes Autos angezeigt, aber in diesem Fall war der Zwischenfall wohl zu kurz, Gasly konnte sofort weiterfahren. Verstappen sah bloß außen in der vorletzten Kurve Streckenposten die gelben Flaggen schwenken und brach die Runde ab.

"Bis zu der gelben Flagge wäre es womöglich enger gewesen", weiß Verstappen. Aber nicht mit McLaren. Das zeigen auch die Daten. Auf seinem abgebrochenen Q3-Versuch verlor Verstappen wie schon auf allen Runden davor kontinuierlich Zeit. Vor der gelben Flagge war es schon eine über halbe Sekunde. Rechnet man das hoch, so wäre wohl schon die zweite Startreihe eine harte Aufgabe gewesen.

Max Verstappen ratlos: Red-Bull-Probleme in Österrreich anders

Was ging also wirklich schief? Es ist nicht das übliche Leiden des Red Bull, berichtet Verstappen nach dem Qualifying. Nicht das Problem, dass das Auto am Kurveneingang untersteuert und das dann in unberechenbares Übersteuern umschwingt: "Nein, das war anders. Es fehlt einfach generell an Grip."

"Gestern war es schon nicht gut, weder auf eine Runde noch im Longrun", beschreibt Verstappen. "FP3 war etwas positiver, aber wir waren immer noch weg. Und in Qualifying hat sich praktisch alles schlecht angefühlt. Jede Kurve war ein Kampf, keine Balance, entweder Untersteuern oder Übersteuern, jede einzelne Runde verhielt sich das Auto anders."

"Die heißen Temperaturen haben unserem Auto wohl nicht geholfen", schätzt Verstappen nach einem heißen Nachmittag in Österreich mit bis zu 50 Grad auf dem Asphalt, aber alles in allem gibt es keine klaren Antworten. Im besseren FP3 hatte man sich auf ein Setup geeinigt, es gab keine großen Umbauten bis zum Qualifying: "Nur sehr kleine Änderungen, welche die Balance nicht ändern sollten. Aber mit den höheren Asphalttemperaturen und mit mehr Wind fiel alles auseinander."

Verstappen will auch nichts von durch Änderungen an diesem Wochenende ausgelöste Probleme hören. Der am Freitag eingeführte neue Unterboden? "Ich will jetzt nicht über Upgrades sprechen, das kam denke ich nicht nur dadurch." Sein Ersatz-Renningenieur Simon Rennie, der dieses Wochenende Stamm-Ingenieur Gianpiero Lambiase vertritt? "Ich wusste, dass die Frage kommt. Nein, ich glaube nicht. Er hat bis jetzt einen guten Job gemacht."

Damit steckt Red Bull jetzt erst einmal fest. Um den Sieg fährt Verstappen sicher einmal nicht. Wenn überhaupt ums Podium: "Das wird hart genug." Auf McLaren schaut er nicht einmal. Eher wird er wohl bald den Livestream zu den 24 Stunden von Spa suchen, wo sein eigenes GT3-Team mitfährt: "Das will ich sehen!"