Es war die Szene des zweiten Freien Trainings: Auf der langen Geraden in Richtung Turn 4 raste Andrea Kimi Antonelli heran. Der Mercedes-Rookie fuhr auf einen extrem langsam fahrenden Hamilton auf und war gezwungen die Strecke links außen zu verlassen, um ohne Kollision an dem Ferrari-Piloten vorbeizugehen. Über Funk ließ der Rookie seinen Frust freien Lauf: "Was geht bloß in den Leuten vor? Ehrlich!"
Hamilton hob entschuldigend die Hand in Richtung Antonelli und betonte am Funk ihn nicht gesehen zu haben. Der Vorfall ging zu den Stewards, beide Fahrer mussten zum Rapport. Das Ergebnis: Hamilton erhielt eine Warnung, bekam aber keine Strafe aufgebrummt. Als Begründung nannten die Stewards die Tatsache, dass sich der Vorfall im Freien Training ereignete und sich Hamilton direkt mit einer Geste bei Antonelli entschuldigte.
Hamilton sucht weiterhin die Pace
Abgesehen von diesem Vorfall konnte Lewis Hamilton in der zweiten Session sein Programm vollständig abspulen. Im ersten Freien Training verpasste er aufgrund eines Getriebeproblems sehr viel Trainingszeit. Für Ferrari besonders bitter, da man Hamiltons Ferrari mit einer Reihe von Aero-Rakes ausgestattet hatte, um die Wirksamkeit des Update-Pakets zu testen und wichtige Daten über den modifizierten Unterboden zu erhalten.
Bis zum zweiten Freien Training wurde das Getriebe am SF-25 getauscht, dennoch war Hamilton alles andere als happy mit der Performance. "Das Problem mit dem Getriebe hat uns etwas zurückgeworfen. Das ist natürlich frustrierend für alle im Team", erklärte der Rekordweltmeister und fügte hinzu: "In FP2 lief es besser, aber wir sind vom Speed her immer noch nicht da, wo wir sein wollen." Wie unsere Grafik zeigt, ist Hamilton im Vergleich zu seinem Teamkollegen Charles Leclerc vor allem auf den Geraden langsamer. Allein auf der Geraden in Richtung Turn 4 verliert er über ein Zehntel auf Leclerc.
Am Ende waren es drei Zehntel Rückstand auf Leclerc und fast eine Sekunde auf den Trainingsschnellsten Lando Norris. "Das ist nicht ideal", bestätigt Hamilton. Trotzdem will er das Wochenende noch nicht abschreiben. "Wir kämpfen nicht an der Spitze, aber hoffentlich kommen wir etwas näher heran. Wir haben heute einiges gelernt. Die Abstände innerhalb der Top-10 sind so knapp, dass schon ein Zehntel, das wir finden, einen Unterschied machen könnte", gibt sich Hamilton zuversichtlich.
Charles Leclerc: Sind nicht schnell genug auf einer Runde
Charles Leclerc musste in der ersten Session aussetzen, an seiner Stelle saß Testfahrer Dino Beganovic im SF-25. Entsprechend konnte Leclerc erst die zweite Session für seine Setup-Arbeit nutzen. Der Monegasse begann das Training auf dem Medium-Reifen und wechselte danach auf die weichste Mischung. Insgesamt spulte er 32 Runden ab, allerdings nicht ohne Probleme. In einer Runde kam er sowohl in Turn 3 als auch in Turn 5 von der Strecke ab.
"Ich habe mich auf der Strecke sofort wohlgefühlt, aber das Gefühl im Auto stimmt noch nicht", meint der Ferrari-Pilot. Bis zum Qualifying sieht er noch jede Menge Arbeit vor sich und Ferrari liegen. "Wie immer ist unser Renntempo gut. Wir sind ähnlich schnell wie die Jungs ganz vorne, aber wir müssen noch sehr viel an der Qualifying-Abstimmung arbeiten. Die Abstände sind so knapp, dass es extrem wichtig ist, weiter vorne zu starten", weiß der 27-Jährige.
Ferrari: Updates funktionieren, aber kein großer Sprung
Von den Top-Teams setzte Ferrari mit seinem Update-Paket für den Grand Prix von Österreich die deutlichsten Akzente. Schon länger hatten Hamilton und Leclerc betont, dass man ohne neue Teile nicht mit der Spitze mithalten könne. Für Spielberg hatte die Scuderia einen modifizierten Unterboden im Gepäck. Die Leitelemente im vorderen Bereich sollen die kontrollierten Luftwirbel nach hinten verbessern. Dafür wurde der Tunnelbereich im Unterbodenkörper neu gestaltet, der Edge Wing wurde verkürzt und neu angestellt, und das Diffusor-Volumen ist anders. Das soll quer über den Arbeitsbereich dem Auto mehr Abtrieb verschaffen.
In ihren Medienrunden am Donnerstag hielten beide Ferrari-Piloten die Erwartungen niedrig und betonten, dass Ferrari durch das Update keinen großen Sprung nach vorne machen würde. Mit den Plätzen 5 und 10 im zweiten Freien Training lagen sie mit ihrer Prognose richtig. Das bestätigt auch Hamilton: "Wir haben gesehen, dass die Updates nichts an unserer Konkurrenzfähigkeit geändert haben. Das Auto fühlt sich nicht schlecht an, aber wir sind von der Pace her noch zu weit weg. Aber wir werden weiter pushen." Etwas positiver klingt sein Teamkollege. "Die Zahlen zeigen, dass das Update funktioniert, auch wenn es an den Zeiten nicht deutlich erkennbar ist."



diese Formel 1 Nachricht