Die FIA verschärft während der laufenden Formel-1-Saison die technischen Regularien. Ab dem Spanien-GP gelten strengere Grenzwerte für die Belastungstests am Frontflügel. Wirft die Regeländerung die Hackordnung der Königsklasse durcheinander? Motorsport-Magazin.com blickt auf drei Regelverschärfungen der modernen Formel 1 und ihre Auswirkungen zurück.
2023: FIA gegen Flexi-Wings - Formel-1-Dominator bricht ein

2023 begannen die Diskussionen, die die Formel 1 noch heute über die Flexi-Wings streiten lässt. Insbesondere Red Bull geriet in den Fokus der Regelhüter. Dabei ging es um sich verbiegende Flügelelemente, die auf den Geraden aerodynamische Angriffsfläche wegnahmen und in langsameren Kurven dennoch den gewünschten Downforce-Effekt boten.
Nach Ansicht der FIA entsprachen die Flexi-Wings nicht dem Sinn des Reglements, entsprechend wurde die Technische Direktive TD018 verabschiedet, um die Entwicklung einzudämmen. Die Klarstellung des Reglements, die zugleich die Möglichkeit für entsprechende technische Überprüfungen gab, trat beim 15. Saisonrennen in Singapur 2023 in Kraft. Zusätzlich wurde die TD039 erneuert, um dem Porpoising entgegenzuwirken.
Bis zu diesem Zeitpunkt dominierte Red Bull, in Singapur brach die Performance ein. Die Siegesserie (14) von Max Verstappen endete mit einem überraschend schwachen fünften Platz. Im Qualifying reichte es sogar nur zu Rang 11, Teamkollege Sergio Perez verpasste als Dreizehnter ebenfalls den Einzug ins Q3.
Red Bull wies jeden Zusammenhang zwischen den neuen Regularien und der schwachen Performance zurück. Auch die Konkurrenz hielt sich mit Vorwürfen zurück. "Ich würde gerne sagen, dass es daran lag, aber so etwas gibt es nicht. Es ist zu früh, um zu sagen, dass es einen Einfluss hatte. Lasst uns Suzuka abwarten", mahnte Toto Wolff. Den folgenden Japan-GP gewann Verstappen in gewohnter Manier mit fast 20 Sekunden Vorsprung.
2011: FIA schränkt Red Bulls Newey-Konzept zur Saisonmitte ein

Der Beginn der 2010er-Jahre war gleichbedeutend mit dem Aufstieg von Red Bull und Sebastian Vettel. 2010 fuhr der Heppenheimer seinen ersten WM-Titel ein, 2011 startete er furios auf dem Weg zur Titelverteidigung. Red Bulls Erfolgskonzept: der von Motorenabgasen aktiv angeströmte Diffusor. Mittels spezieller Motorsteuerung (Hot-Blowing-Mapping) wurde der Diffusor auch ohne Gaspedalbetätigung weiterhin gezielt mit Abgasen angeströmt. Der von Design-Guru Adrian Newey entwickelte Bolide generierte so in Kurvenfahrten deutlich mehr Abtrieb und war seiner Konkurrenz überlegen.
Mit sechs Siegen in acht Rennen fegte Vettel durch die Saison. In Silverstone setzte die FIA eine Technische Direktive um, die das aktive Anströmen des Diffusors im Schubbetrieb ohne Gaspedalbetätigung einschränkte. Da Renaults Motorenkonzept besonders betroffen war, wurden noch am gleichen Wochenende Ausnahmeregelungen erlaubt.
Die angepassten Bestimmungen wurden mittels Technischer Direktive konkretisiert, die festlegte, unter welchen Auflagen die zuvor genutzten Motoreneinstellungen beim folgenden Deutschland-GP weiterverwendet werden dürfen. Ob die Regeln eine direkte Auswirkung auf die Performance hatten, bleibt umstritten. In den letzten zehn Rennen holte Sebastian Vettel fünf Siege. 2012 fand der "Blown Diffusor" durch eine andere Positionierung des Abgasrohrs sein Ende.
Illegaler Renault verschärft Titelkampf Schumacher gegen Alonso

Die Saison 2006 war vom hart umkämpften Duell Ferrari gegen Renault, Michael Schumacher gegen Fernando Alonso geprägt. Der spanische Titelverteidiger gewann sechs der ersten neun Rennen und sammelte obendrauf drei zweite Plätze. Sein R26 mit eingebautem Massedämpfer war das Maß der Dinge. Das in der Frontnase gefederte Gewicht glich Unebenheiten stark aus und brachte einen Vorteil bei der unruhigen Fahrt über die Kerbs.
Die FIA billigte das System und der Konkurrenz blieben nur neidische Blicke. Am 11. Rennwochenende in Frankreich legte Ferrari offen Protest gegen den technischen Vorteil ein: Der Massedämpfer sei ein bewegliches System mit aerodynamischem Einfluss. Anfangs zurückgewiesen, wurde die Angelegenheit vor dem darauffolgenden Deutschland-GP neu aufgerollt.
Unter vermutlich großem politischem Druck entschieden sich die Regelhüter um und erklärten den Massedämpfer in einer Technischen Direktive für illegal. Der WM-Kampf entwickelte sich zum Krimi. Erst im vorletzten Rennen in Japan, das Alonso heute als den Moment der Gerechtigkeit bezeichnet, fiel mit dem dramatischen Schumacher-Ausfall die Vorentscheidung zugunsten Alonsos zweiten WM-Titel.



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