Zum zweiten Mal in Folge hat Oscar Piastri mit harten Mitteln einen Start gewonnen. Vor zwei Wochen in Saudi-Arabien ließ er in der ersten Kurve Max Verstappen außen verhungern, im Miami-Sprint war Kimi Antonelli dran. In beiden Fällen setzte sich der jeweils von Startplatz zwei losfahrende Piastri innen dank minimal besserer Starts daneben und überließ es dem Pole-Mann außen, zurückzustecken. Im Mercedes-Lager regt die Taktik nach dem Sprint auf.
Die Stewards bekamen den Zwischenfall kurz nach dem Start zwar auf den Tisch, legten ihn aber gleich ohne echte Untersuchung als Renn-Zwischenfall zu den Akten. Antonelli, der sich schon am Funk mehrfach während dem Sprint beschwert hatte, legte direkt nach dem Zieleinlauf in den ersten Interviews dann gleich nach.
"Wie die erste Kurve abgelaufen ist nervt mich", so Antonelli. Piastri schaffte es auf seiner Seite, innerhalb der weißen Linien zu bleiben, aber Antonelli ließ er keinen Platz. Der Mercedes-Pilot machte daraufhin die Lenkung auf und fuhr einen Bogen durch die Auslaufzone. Dadurch verlor er zwei weitere Plätze an Lando Norris und Max Verstappen.
Toto Wolff klagt: Auch für Nachwuchs-Formeln nicht gut
"So scheint das offenbar zu laufen", mault Antonelli. "Du kannst praktisch tun, was du willst." Kurz darauf stellt sich sein Teamchef Toto Wolff auf Sky UK mehr als deutlich hinter ihn: "Ich glaube nicht, dass wir hier gute Präzedenzfälle schaffen. Auch nicht für die Nachwuchsklassen."
"Du gehst einfach runter von der Bremse und drückst den anderen Typen raus", beklagt Wolff. "Ich dachte, man müsse eine Fahrzeugbreite Platz lassen, aber es hat sich irgendwie eingeschlichen, dass du in der ersten Kurve Leute rausdrücken kannst."
Die Grundlage für die Entscheidung, Piastri weder für den Verstappen- noch den Antonelli-Zwischenfall zu bestrafen, liefern grundsätzlich die berühmten Racing-Richtlinien der Formel 1. Wer innen am Scheitelpunkt daneben ist, der muss nur die Kurve bekommen, nicht aber dem Fahrer auf der Außenbahn Platz lassen.
Besonders im Antonelli-Manöver ist die Einschätzung jedoch schwierig. Beide Fahrer waren sehr spät auf der Bremse. Tatsächlich scherte Antonelli dann recht früh bereits nach links aus - nachdem sich beide kurz vor dem Scheitelpunkt ganz leicht berührt hatten. Ein richtiges "Rausdrängen" war eigentlich gar nicht vorhanden, weil Antonelli schon auf dem Weg in die Auslaufzone war, bevor Piastri überhaupt am Kurvenausgang außen driftete.
Oscar Piastri bleibt in Miami cool: Eine gute erste Runde
Piastri sieht an der ganzen Szene nichts Auffälliges: "Der Start war richtig gut, dann war ich neben ihm. Wir haben beide denke ich etwas später gebremst als wir hätten sollen, und haben uns leicht berührt. Aber ich habe die Kurve bekommen, noch mit ausreichend Spielraum. Mit dem Manöver hätte ich ohne das Safety Car den Sprint gewonnen. War eine gute erste Runde."
Wolff zweifelt diese Bewertung an: "Kimi hat jetzt seine Lektion gelernt. Dass du so fahren musst. Vielleicht stimme ich dem nicht wirklich zu, aber so haben wir es jetzt seit ein paar Jahren gehandhabt." Auch Antonelli unterstreicht: "Gut, das für die Zukunft zu wissen."
Antonelli beendete den Sprint letztendlich auf einem enttäuschenden zehnten Rang, nachdem er bei seinem Boxenstopp auch noch unschuldig von Max Verstappen gerammt wurde. Piastri hatte währenddessen ganz vorne das Rennen kontrolliert - bis zum für ihn schlimmstmöglichen Zeitpunkt ein Safety Car kam. Dadurch rutschte Lando Norris auf den ersten Platz vor.



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