Ein Japaner am Grid des Japan Grand Prix. Das allein würde schon ausreichen, um die japanischen Fans in Ekstase zu versetzen. Wenn der Fahrer dann wenige Tage zuvor in das Cockpit eines mehrfachen Weltmeisterteams befördert wird, dann sind natürlich alle Augen auf ihn gerichtet. Dessen war sich Yuki Tsunoda definitiv bewusst, als er seine erste Ausfahrt im RB21 im ersten Freien Training machte.

Simulator vs. Rennstrecke: RB21 doch kniffliger

Seine erste fliegende Runde bot sehr viel Luft nach oben, der Rückstand auf Teamkollege Max Verstappen 1,8 Sekunden. Nach 25 Runden auf dem Suzuka International Racing Circuit sah die Welt für Yuki Tsunoda schon besser aus. Als Sechster fehlten ihm lediglich 0,107 Sekunden auf die schnellste Trainingszeit des vierfachen Weltmeisters. Ein Resultat, das Liam Lawson in keinem seiner vier Trainings erreichte. Trotz des soliden Auftakts musste Tsunoda eingestehen, dass sich der RB21 auf der Strecke doch als schwieriger zu fahren herausstellte als noch im Simulator.

"Ich wusste ja, dass es im echten Auto immer etwas anders ist. Was das Fahrgefühl angeht, war es dann doch mehr als erwartet. Es war im echten Auto einfach etwas extremer, schwieriger und kniffliger", erklärte der 24-Jährige. Chaotischer ging es im zweiten Freien Training zu, gleich vier Mal leuchtete es Rot auf. Zu Beginn der Session flog Jack Doohan in seinem Alpine A525 ab. Weitere Rotphasen folgten zweimal durch Feuer - der Funkenflug der Autos entzündete das Gras in der Auslaufzone - sowie ein Abflug von Fernando Alonso. Als der Spanier seinen Aston Martin zwischen den beiden Degener-Kurven versenkte, befand sich Tsunoda gerade auf seinem Soft-Run.

Damit war dieser Versuch zunichte gemacht. Darauf stellte der Red-Bull-Pilot direkt auf eine Rennsimulation um. Somit erklärt sich auch Platz 18 und sein Rückstand von 2,5 Sekunden auf Max Verstappen. "Wir haben in FP2 wegen der vielen Unterbrechungen keine schnelle Runde hinbekommen. Es war für alle ein bisschen chaotisch", meinte Tsunoda. Entsprechend wartet auf seine Ingenieure und ihn sehr viel Arbeit. "Wir haben noch einiges zu tun. Bis morgen müssen wir uns eingehend mit den Daten befassen." Für das Rennwochenende hat Red Bull bereits erste Updates an die Strecke gebracht.

Red Bull mit Updates in Japan

Unter anderem hat man am Heck etwas nachgelegt. Der untere Querlenker und seine Verkleidung wurden leicht neu profiliert, um den Luftfluss dort im Zusammenspiel mit der hinteren Bremsbelüftung besser zu nutzen. Diese Bremsbelüftung hat auch einen größeren Ausfluss, was aber eher streckenspezifisch ist. Die Motorabdeckung wurde leicht im hinteren Mittelteil verändert, um mehr Kühlung zu erlauben und zugleich Abtriebs-Verluste am Heck zu minimieren. Durch die vielen Unterbrechungen in FP2 ging Red Bull allerdings die Zeit aus, um alles zu testen, was auf dem Programm stand.

Wo verliert Max Verstappen seine meiste Zeit im Vergleich zu den Racing Bulls - und wo verabschiedet sich Yuki Tsunoda. Unsere Grafik liefert eine deutliche Antwort:

"Der heutige Tag war für uns ziemlich schwierig, da wir verschiedene Dinge im Auto ausprobiert haben und vieles nicht so gut funktionierte, wie wir es uns gewünscht hätten", erklärte Verstappen. Der vierfache Weltmeister kam in der zweiten Session nur auf insgesamt neun Runden, sprich drei schnelle Versuche. Zu wenig auf einem Kurs wie dem Suzuka International Racing Circuit. "Man braucht hier eine Menge Selbstvertrauen und Einsatzbereitschaft, und im Moment habe ich das Gefühl, dass ich noch ein bisschen Arbeit vor mir habe", meinte Verstappen.

Das Formel-1-Training in Japan am Freitag wird von vier roten Flaggen gebremst. Das Bild ist deshalb konfus. Wo stehen die Topteams vor dem Qualifying wirklich? Die Trainingsanalyse.