Die Formel 1 hat ihren Weltmeister 2024 gekürt. Max Verstappen reist als frischgebackener Vierfach-Champion nach Katar und kann der zweiten Station des Tripleheaders gelassen entgegenblicken. Für McLaren und Ferrari ist die Saison hingegen noch lange nicht abgehakt.

Die beiden Traditionsteams befinden sich in einem Duell um die Konstrukteurs-Krone, das bereits auf dem Losail International Circuit zu einer Entscheidung kommen könnte. Wie die Lage im Titelduell aussieht und welche Faktoren am Persischen Golf die Entscheidung beeinflussen könnten, haben wir in den Brennpunkten für euch aufgeschlüsselt.

Formel 1 Katar, Brennpunkt 1: Wie entscheidet sich in Losail die Konstrukteurs-WM?

Theoretisch können in der Formel 1 2024 noch drei Teams die Konstrukteurs-Meisterschaft für sich entscheiden. Neben McLaren und Ferrari hat auch Red Bull noch mathematische Chancen, angesichts der Ausgangslage und des Trends in den vergangenen Monaten erscheinen diese allerdings verschwindend gering. Die Bullen liegen derzeit 53 Zähler zurück. Um auch in Abu Dhabi noch im Rennen bleiben zu können, müssten sie neun Punkte auf McLaren gutmachen und sie dürften gleichzeitig maximal 15 Punkte auf Ferrari verlieren.

Realistisch ist der Titelkampf ein Duell zwischen Ferrari und McLaren. Die Roten liegen nur 24 Punkte hinter dem F1-Team aus Woking. Damit die Papaya-Orangen den Sack zumachen können, müssen sie die Scuderia um 21 Zähler abhängen, um in jedem Fall die Konstrukteurs-WM sicher zu haben. Falls ein McLaren-Fahrer das Rennen gewinnen sollte, reichen sogar 20 Punkte, da sie dann mit sechs Saisonsiegen und zehn zweiten Plätzen den Tiebreaker sicher auf ihrer Seiten hätten.

Daraus ergibt sich die Ausgangslage, dass McLaren sogar aus eigener Hand den Titel klarmachen kann. Falls Lando Norris und Oscar Piastri die maximale Punktausbeute einstreichen, sprich im Sprint und im Rennen die ersten beiden Plätze belegen und die schnellste Rennrunde einfahren, dann wären sie mindestens 45 Punkte vorne und somit fix Konstrukteurs-Weltmeister. Ferrari würden auch jeweils P3 und P4 im Sprint und im Rennen nicht reichen, um den Titelkampf offenzuhalten. Dieses perfekte Wochenende erscheint zwar unwahrscheinlich, aber McLaren hat einen wichtigen Trumpf auf seiner Seite.

Formel 1 in Katar, Brennpunkt 2: McLaren wieder Topfavorit?

Der überraschend schwache Auftritt von McLaren in Las Vegas ließ viele Formel-1-Fans mit Stirnrunzeln zurück. Hat das vermeintlich schnellste Auto der Saison im Endspurt seine Pace verloren? Doch Las Vegas muss mitnichten einen Trend andeuten, denn die Straßenstrecke auf und rund um den ‚Strip‘ und die Umstände rundherum, sind ein spezieller Ausreißer: Extrem wenig Grip, dazu kalte Temperaturen, Reifenkörnung und ein Layout mit vielen Vollgas-Passagen.

Dieser Mix ist weitestgehend einzigartig und spielte schon im Vorjahr Außenseitern in die Hände. Las Vegas hatte bei McLaren schon zuvor für Sorgenfalten gesorgt, da diese Faktoren nicht für den MCL38 sprechen. Katar ist in dieser Hinsicht vollkommen anders. Der Rundkurs verfügt über viele schnelle und lange Kurven und erfordert sehr viel Downforce, wenn auch nicht ganz so viel wie Monaco, Singapur oder Mexiko.

Mit großem Heckflügel und vielen schnellen Kurven funktionierte der McLaren in diesem Jahr besonders gut. Die Temperaturen in dem Staat auf der arabischen Halbinsel sind ebenfalls nicht vergleichbar mit dem Nachtwetter von Vegas, auch wenn die extreme Hitze des Vorjahres aufgrund der Terminverlegung ausbleiben wird.

Formel 1 in Katar, Brennpunkt 3: Mercedes wieder auf dem Boden der Tatsachen?

Dass Las Vegas ein Ausreißer war und beim Katar-GP wohl wieder Normalität einkehren wird, dem wird sich auch Mercedes bewusst sein. Die Silberpfeile, die auf dem Stadtkurs in den USA den Ton angaben, führen ihre Stärke vor allem auf die kalten Temperaturen und den geringen Grip zurück. Beides Punkte, bei denen der W15 schon früher in der Saison stark aussah. Beides Punkte, die in Katar nicht zum Tragen kommen.

Doch bedeutet das, dass Mercedes automatisch schlecht abschneiden wird? Nicht unbedingt. Denn es gibt andere Faktoren, die dafür in Katar für die Silberpfeile sprechen. Toto Wolff sagte: „Katar hat viele Highspeed-Kurven. Das ist etwas, was uns generell liegt.“ Während er sich aufgrund der traktionslastigen Strecke in Abu Dhabi für das Saisonfinale nicht viel ausrechnet, könnte der Losail International Circuit noch gute Punkte für Lewis Hamilton und George Russell bereithalten. Von einem weiteren Sieg sollte man aber nicht ausgehen.

Formel 1 in Katar, Brennpunkt 4: Track-Limit-Theater verhindert?

In Las Vegas hatte der neue Formel-1-Rennleiter Rui Marques einen eher ruhigen Einstand erlebt. Mit dem Fehlstart von Oscar Piastri und dem Zweikampf zwischen Kevin Magnussen und Pierre Gasly hatte er eigentlich nur zwei Situationen, die er zu notieren und an die Stewards weiterzugeben hatte. Eine endete mit einer wenig diskutablen Strafe, die andere straflos ohne Untersuchung. Zudem gab es im gesamten Rennverlauf keine einzige gelbe Flagge – geschweige denn ein Safety Car oder ein VSC – und nur neun gestrichene Runden.

In Katar war das in der vergangenen Saison etwas anders, jedenfalls was die Rundenstreichungen angeht. Auf dem Kurs in Katar wurden im Vorjahr nicht weniger als 51 Verstöße gezählt und vier Fahrer je mehrfach bestraft. Verantwortlich waren dafür auch sicherheitsbedingte späte Änderung der Streckenlimits in den Kurven 12 und 13, die im Laufe des Wochenendes um 80 Zentimeter verschmälert wurden.

Für 2024 erhoffen sich die FIA und die Formel 1, das Problem gelöst zu haben. Nicht nur sollte das Sicherheitsproblem ausgemerzt sein, sondern vor allem wurden rund um die Strecke Kiesbetten näher am Streckenrand platziert, um Übertretungen zu verhindern.

Formel 1 in Katar: So soll das Reifendrama vermieden werden

Im Vorjahr gab es in Katar massive Probleme mit den Pirelli-Reifen. Aufgrund der aggressiven Kerbs auf der Strecke zeigten sich nach den Trainings mikroskopisch kleine Schäden an den Reifen, die aber starke Auswirkungen nach sich ziehen könnten. Deshalb wurde zunächst der Streckenverlauf leicht adaptiert (siehe Brennpunkt 4) und anschließend als Sicherheitsvorkehrung eine maximale Laufleistung der Reifen auf 18 Runden festgelegt. Jeder Fahrer musste somit mindestens dreimal stoppen.

In diesem Jahr soll das Problem präventiv behoben worden sein. Dazu wurden die Kerbs an zahlreichen Stellen angepasst. Die sogenannten Pyramiden-Kerbs, die für die Probleme verantwortlich waren, laufen nicht mehr so spitz zu, sondern wurden an der Spitze abgerundet. Das betrifft sieben verschiedene Kurven rund um den 5,4-Kilometer langen Kurs.

Formel 1 in Katar, Brennpunkt 6: Letzter Sprint der Saison

Sechs Sprintrennen standen in der Formel 1 2024 im Kalender. Fünf wurden schon abgehalten, der letzte geht an diesem Wochenende in Katar über die Bühne. Traditionell ist der Sprint eigentlich Max Verstappens Paradedisziplin. Bei allen bisher ausgetragenen Sprints landete der Niederländer unter den ersten vier. Das Podium verpasste er dabei nur zweimal: 2022 in Brasilien und beim letzten Rennwochenende vor zwei Wochen, ebenfalls in Sao Paulo. Im Übrigen der bislang einzige Sprint 2024, den er nicht für sich entscheiden konnte.

In Katar spielt die Abhaltung eines Sprints wohl in erster Linie McLaren in die Karten, die (siehe Brennpunkt 2) als Favoriten in das Rennwochenende gehen und somit gleich doppelt davon profieren können. 2023 waren die Briten schon im Samstagsrennen der Formel 1 in Katar erfolgreich, als Oscar Piastri den Sieg davontrug.

Ferrari will in der Konstrukteurs-WM noch angreifen. Doch nach Las Vegas muss die Scuderia erst einmal eine interne Baustelle abarbeiten. Denn bei dem Stadtrennen ging es zwischen Carlos Sainz und Charles Leclerc heiß her. Hier alle Infos:

Leclerc eskaliert wegen Sainz! Was wird das erst mit Hamilton? (31:12 Min.)